Galgenvögel sind weg: Rathaus befreit sich von Plastikraben

Galgenvögel sind weg: Rathaus befreit sich von Plastikraben

Es war eine Posse für die Geschichtsbücher: Über 200 schwarze Plastikraben ließ Hofheims früherer Bürgermeister rund ums Rathaus drapieren – eine stumme, wenn auch sehr schwarze Kampfansage gegen die allgegenwärtige Taubenplage. Die Vögel standen da wie eine städtische Vogelschutz-Polizei, aufgereiht vor den Fenstern, unbewegt auf jedem Sims, und starrten reglos in die Innenstadt. Ein absurdes Bühnenbild, das gleichzeitig unheimlich und unbeabsichtigt komisch wirkte.

Drei Jahre lang mussten die Hofheimerinnen und Hofheimer diese Kulisse ertragen – ein bisschen wie in einem Hitchcock-Film, nur mit weniger Handlung und deutlich mehr Plastik. Doch nun weht frischer Wind durch die Stadt:

Der neue Bürgermeister Wilhelm „Willi“ Schultze machte kurzen Prozess. Die Plastikraben sind weg, abgeräumt, entsorgt. Die Herrschaft der Galgenvögel über dem Rathaus – offiziell beendet.

Damit allerdings beginnt der Kampf gegen die „Ratten der Lüfte“ wieder bei null. Denn trotz großer Ankündigungen und Versprechungen steht Hofheims Politik nach Jahren der Diskussionen erstaunlich leer und ratlos da.

Im Dezember 2022 hatte die Hofheimer CDU ein Taubenhotel angekündigt, inklusive 100.000 Euro im Haushalt. Doch gebaut wurde – nichts. 2023 hakte die CDU im Ortsbeirat Kernstadt nach, wann das Projekt denn endlich starte. Die Anfrage wurde vertagt, dann erneut und immer wieder vertagt – bis heute insgesamt 17-mal. Drei Jahre später ist die einzig verlässliche Aussage: Es gibt keine.

An die schwarzen Spukgestalten vor den Rathausfenstern hatte man sich längst gewöhnt – die Tauben sowieso. Sie turnten schon kurze Zeit später wieder ungestört zwischen den Raben umher und verzierten die Brüstungen des Gebäudes mit ihrem ganz eigenen „Stadt-Dekor“.

Der Rathaussprecher liefert nun auf Anfrage die offiziellen Zahlen: 216 Plastikraben wurden 2022 aufgestellt – Kosten: exakt 1.737,01 Euro brutto. Plus jetzt die Kosten der Demontage. Macht unterm Strich: viel Geld für null Wirkung.

Denn auch das weiß man heute im Rathaus: Bei den Tauben stellte sich ganz schnell ein „Gewöhnungseffekt“ ein. O-Ton Rathaussprecher: „Da die Raben-Attrappen über einen längeren Zeitraum regungslos an derselben Stelle gestanden haben, erkannten die Tauben, dass keine tatsächliche Bedrohung von ihnen ausgeht. Sie gewöhnten sich an ihre Anwesenheit.“

Raben
Schon nach kurzer Zeit war zu beobachten: Die echten Tauben hatten mit den Plastikraben keine Probleme.

Rathaus: Raben wurden ordnungsmäß entsorgt

Neu war die Erkenntnis allerdings nicht. Schon kurz nach der großen Raben-Offensive hatten sich die Vögel bestens mit ihren stummen Plastik-Nachbarn arrangiert. Damals galten im Rathaus allerdings andere Prioritäten – weniger Vernunft, mehr Symbolpolitik. Seit Wilhelm „Willi“ Schultze im Amt ist, wurde das Kapitel offenkundig geschlossen: Die Raben mussten weg.

Verkauft oder verschenkt wurden sie nicht. „Die Raben wurden ordnungsgemäß entsorgt“, teilt der Sprecher der Stadt mit. Ein Schicksal, das andere Rathausprojekte womöglich bald teilen.

Bleibt die Frage: Was tun gegen die Tauben? Die Vorschläge der vergangenen Jahre lesen sich wie ein politisches Kuriositätenkabinett:

Die FDP im Stadtparlament wollte 2022 Wanderfalken ansiedeln. Zwei Jahre später hatten die Liberalen einen neue Idsee: Jetzt reichte auch eine naturgetreue Falken-Attrappe an einer Rute. Ergebnis: nichts.

Die Wählergemeinschaft „Bürger für Hofheim“ (BfH) – bekanntlich die Bürgermeister-Schultze-Partei – setzte dagegen auf einen Taubenschlag mit Eiertausch. Idee da, Umsetzung nie.

Die Stadtverordneten der Grünen beantragten 2024, eine Taubenexpertin einzuladen. Die kam, erklärte – das war’s.

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Alltag in Hofheim: Tauben drängen sich dicht an dicht auf der Dachspitze am Untertorplatz.

Und die 100.000 Euro fürs Taubenhotel? Sie stehen noch im Etat, wirken aber zunehmend wie ein Konzeptkunstprojekt: Man weiß, dass es existiert – aber niemand kann erklären, warum.

Zuletzt schlug CDU-Fraktionschef Armin Thaler vor, man möge das viele Geld lieber der Musikschule zukommen zu lassen: Die würde ansonsten – also ohne noch mehr Zuschüsse aus der Stadtkasse- pleitegehen. Es war ein Vorschlag, der immerhin mehr Resonanz erzeugte als die Plastikraben.

Quelle: HN / TR

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