Bürokratieabbau auf Hofheimerisch: Ersthund wird 30% teurer
Es gibt Momente im Dasein einer Kreisstadt, da wird bürokratische Fachprosa zur reinen Poesie. Ein solches Stück Verwaltungslyrik liegt nun mit der Magistratsvorlage STV2026/130 zur Neufassung der Hundesteuersatzung vor. Sie spricht von „redaktionellen Anpassungen“ und einer „deutlichen Vereinfachung in der Anwendung“ – Formulierungen, die eher nach Bürokratieabbau als nach Steuerbescheid klingen. Was tatsächlich dahintersteckt: Bürgermeister Willi Schultze bittet die Stadtverordneten zur Verabschiedung einer neuen Satzung – und die Hundehalter kräftig zur Kasse. Beim ersten Hund sind das schon bald über 30 Prozent mehr.
Bisher zeigte sich die Kreisstadt Hofheim bei Hundehaltern noch recht feinfühlig: Die bestehende Hundesteuersatzung wurde seit 2015 nicht mehr angetastet – der Ersthund schlug seitdem mit moderaten 92 Euro zu Buche, der Zweithund mit 104 Euro, und ab dem dritten Hund wurden je 116 Euro fällig. Wer gefährliche Hunde – im Volksmund wie im Amtsdeutsch als Kampfhunde tituliert – besitzt, muss stolze 736 Euro überweisen.
Damit soll schon bald Schluss sein, die Differenzierung fällt komplett weg. Künftig kostet jeder Hund pauschal 120 Euro, was für den Ersthund ein kräftiges Steuerplus von 30,4 Prozent bedeutet. Der Zweithund verteuert sich um 15,4 Prozent, einzig beim Dritthund fällt das Plus mit 3,4 Prozent bescheiden aus.
Wer spekulierte, die neue Einheitspauschale gelte auch für die Kategorie der Kampfhunde, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Hier klettert der Satz von 736 Euro auf glatte 900 Euro und verzeichnet damit einen strammen Zuschlag von 22,3 Prozent.
Hundesteuer: Hofheim will Platz 1 im Main-Taunus-Kreis
Ein Blick auf die benachbarten Kommunen verdeutlicht eindrucksvoll die künftige Hofheimer Spitzenposition im Main-Taunus-Kreis. Während man im nahegelegenen Sulzbach mit bescheidenen 72 Euro für den ersten Hund auskommt und auch das benachbarte Eppstein mit 84 Euro noch spürbar unter der Hundert-Euro-Marke liegt, setzt sich Hofheim mit 120 Euro unangefochten an die Spitze der Region. Vom steuerlichen Paradies der Gewerbesteueroase Eschborn, wo für normale Vierbeiner schlicht gar keine Steuer fällig wird, wagt man im finanzschwachen Hofheimer Rathaus ohnehin nicht einmal zu träumen.
| Kommune | 1. Hund | 2. Hund | 3. Hund | Kampfhund |
|---|---|---|---|---|
| Eschborn | 0 | 0 | 0 | 900 € |
| Liederbach | 70 € | 85 € | 105 € | 600 € |
| Sulzbach | 72 € | 90 € | 102 € | 510 € |
| Eppstein | 84 € | 132 € | 180 € | 700 € |
| Schwalbach | 85 € | 85 € | 85 € | 500 € |
| Flörsheim | 90 € | 120 € | 240 € | 600 € |
| Hattersheim | 93 € | 135 € | 135 € | 450 € |
| Bad Soden | 96 € | 96 € | 96 € | 96 € |
| Kelkheim | 96 € | 96 € | 96 € | 600 € |
| Kriftel | 96 € | 124 € | 152 € | 616 € |
| Hochheim | 110 € | 110 € | 110 € | 550 € |
| Hofheim (alt) | 92 € | 104 € | 116 € | 736 € |
| Hofheim (neu) | 120 € | 120 € | 120 € | 900 € |
Der tiefere Grund für den Vorstoß liegt auf der Hand: Hofheim ist total blank. Die Erhöhung ist als Maßnahme Nummer 15 im Haushaltssicherungskonzept verankert und soll der kriselnden Stadtkasse Mehreinnahmen von rund 62.800 Euro pro Jahr bescheren.
Milde zeigt die Verwaltung bei den aktuell 2.286 registrierten Hunden nur im Ausnahmefall: Lediglich 27 Tieren wird eine Ermäßigung gewährt, und 79 Vierbeiner sind komplett steuerbefreit. Die verbleibende große Mehrheit der Hundehalter soll verlässlich für die Konsolidierung städtischer Finanzen aufkommen.
Man muss dem Magistrat um Bürgermeister Schultze für seine Wortwahl eine ganz eigene Finesse bescheinigen: Eine drastische Steuererhöhung als „deutliche Vereinfachung in der Anwendung der Satzung“ zu verkaufen – man könnte fast neidisch werden auf so viel sprachliche Kreativität. Die Hofheimer Hundehalter dürfte das wenig trösten. Für sie bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass der beste Freund des Menschen im Rathaus vor allem eine Eigenschaft besitzt: Er ist ein verlässlicher Melkkuh-Ersatz auf vier Pfoten.
TR


Im Gegenzug während immer mehr Mülleimer entfernt in die man die Hundetüten schmeißen kann. Also, weniger Leistung und dafür teurer ist die Devise von Hofheim. Ja, und bevor irgend wieder ein Einwand kommt, die Hundesteuer ist wie die Sektsteuer ohne Verpflichtung für die Stadt.
Vielleicht wäre ja auch die Möglichkeit dass es eine Verpflichtung gibt, dass jeder Haushalt in Hofheim einen Hund besitzt. Dann käme man auf runde 2,1 Millionen Euro Einnahmen.
So sind die Einnahmen für die Hundesteuer bei 270.000 Euro auch schon nicht schlecht.