Hinweise verdichten sich: Ärztlichem Bereitschaftsdienst droht das Aus
Die medizinische Notfallversorgung in der Kreisstadt Hofheim könnte vor weiteren tiefgreifenden Veränderungen stehen. Nach Informationen aus der Ärzteschaft droht dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst schon bald das Aus. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) will solche Pläne auf Nachfrage zwar nicht bestätigen, dementiert sie aber auch ausdrücklich nicht und kündigte stattdessen an, sich in den kommenden Tagen offiziell zu äußern.
Wer am Hofheimer Krankenhaus vorbeigeht, übersieht den Zugang leicht. Erst Schilder weisen den Weg zu einer unscheinbaren Seitentür, auf der drei Buchstaben prangen: das „Ä“ in Tiefrot, das „B“ und das „D“ in mattem Orange. Es ist das Logo des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes – ein Kürzel, das so hölzern klingt wie die Verwaltung dahinter, wobei sich für die Menschen in Hofheim schlicht die medizinische Absicherung außerhalb der regulären Praxiszeiten dahinter verbirgt.
Die Tage der bunten Buchstaben auf den Schildern aber sind wohl gezählt: Dem ÄBD droht das endgültige Aus.

Für die Kreisstadt wäre dies ein weiterer Rückschritt bei der medizinischen Versorgung – eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden am Hofheimer Krankenhaus Schritt für Schritt medizinische Leistungen verlagert oder eingestellt. Wichtige Bereiche der Akutversorgung gingen an andere Standorte des Klinikverbunds varisano.
Ende 2024 folgte der bislang größte Einschnitt: Die Zentrale Notaufnahme wurde geschlossen. Wer heute einen akuten Notfall hat, wird in der Regel nach Bad Soden oder Frankfurt-Höchst gebracht. Das Hofheimer Krankenhaus konzentriert sich inzwischen vor allem auf Fachbereiche wie Psychiatrie, Altersmedizin und Lungenheilkunde.
Für Patienten, die abends oder am Wochenende erkranken – aber kein Fall für den Rettungsdienst sind –, ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst die richtige Anlaufstelle. Er ist derzeit die letzte Möglichkeit für die ambulante Akutversorgung in Hofheim und befindet sich auf dem Krankenhausgelände in der Lindenstraße. Erreichbar ist der ÄBD über die bundesweite Rufnummer 116 117. Geöffnet ist die Einrichtung mittwochs und freitags von 16 bis 22 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 19 Uhr.
Doch wie lange noch? Eine Garantie für den dauerhaften Erhalt des Hofheimer Standorts hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) nie gegeben. Die Selbstverwaltung der Vertragsärzte ist in Hessen gesetzlich dafür verantwortlich, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) zu organisieren und sicherzustellen. Sie ist der zentrale Träger des Systems – weder die Stadt Hofheim noch der Main-Taunus-Kreis oder das Land Hessen können der KVH unmittelbar vorschreiben, einen Standort zu erhalten oder zu schließen.
Nun verdichten sich die Hinweise, dass die Bereitschaftsdienstpraxis in Hofheim bereits im Laufe des Oktobers geschlossen werden könnte. Auf Nachfrage von Hofheim-News hielt sich ein Sprecher der KVH ungewöhnlich bedeckt – er ließ offen, ob der Dienst tatsächlich abgezogen wird und verwies lediglich auf eine bevorstehende Pressemitteilung. Eine offizielle Bestätigung für das drohende Aus gibt es vonseiten der KVH somit noch nicht.
Überraschend käme ein solcher Schritt allerdings nicht. Ende 2024, als die Notaufnahme schloss, hatten Kreispolitiker gefordert, zumindest die Öffnungszeiten des Bereitschaftsdienstes auszuweiten, um die entstandene Versorgungslücke teilweise zu schließen. Die KVH lehnte dies jedoch rigoros ab. Landrat Michael Cyriax erklärte damals nach Gesprächen mit der Vereinigung, die Region werde im Vergleich zu anderen Gebieten als gut versorgt angesehen. Zudem verwies die KVH auf das Krankenhaus Bad Soden, wo Notaufnahme und Bereitschaftsdienst bereits unter einem Dach arbeiten. Von Hofheim aus sei man in rund 20 Minuten dort.
Damals hieß es noch, Hofheim solle bleiben – mehr Service werde es aber nicht geben.

Ein möglicher Abzug des Bereitschaftsdienstes würde zu den aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik passen. Die KVH setzt zunehmend darauf, Patienten zunächst telefonisch oder digital über die 116 117 zu beraten und sie anschließend gezielt weiterzuvermitteln, anstatt sie grundsätzlich in eine Praxis vor Ort zu schicken.
Auch die geplante Notfallreform des Bundes verfolgt das Ziel, die Notfallversorgung stärker zu bündeln. Vorgesehen ist der Aufbau sogenannter Integrierter Notfallzentren (INZ) an ausgewählten Krankenhausstandorten. Dort sollen die Notaufnahme des Krankenhauses, eine Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung sowie eine gemeinsame Ersteinschätzung eng zusammenarbeiten.
Das varisano-Krankenhaus Bad Soden erfüllt bereits heute wichtige Voraussetzungen eines solchen Zentrums: Dort arbeiten die Zentrale Notaufnahme und der Ärztliche Bereitschaftsdienst räumlich eng zusammen und verfügen über eine gemeinsame Patientenaufnahme. Ein offiziell anerkanntes Integriertes Notfallzentrum ist der Standort allerdings noch nicht, da die bundesweite Reform noch nicht umgesetzt wurde.
Sollte der Bereitschaftsdienst Hofheim tatsächlich aufgegeben werden, wäre dies ein weiterer Schritt in einem seit Jahren zu beobachtenden Trend: Die medizinische Akutversorgung konzentriert sich zunehmend auf größere Standorte, während kleinere Einrichtungen – und dazu gehört eben auch Hofheim – nach und nach an Bedeutung verlieren.
RR


ich denke an die Menschen, die kein Auto fahren und einen ÄBD aufsuchen müssen. Fahren sie dann Taxi? Wer kann sich denn das heute noch leisten? Das bedeutet das der Rettungsdienst unter Umständen mehr zu tun bekommt . Bravo liebe Politiker*innen! Lebt ihr auf dem selben Planeten wie die Menschen, die euch gewählt haben, damit es uns gut geht. Medizinische Versorgung gehört in staatlichen Hände. Immer mehr „private“ Krankenhäuser bereichern sich von unseren Beträgen.