Überraschung in Hofheim: CDU macht Weg frei für Tulatz
Das ist eine politische Überraschung mit Signalwirkung: Die CDU verzichtet darauf, Andreas Hegeler als Stadtverordnetenvorsteher ins Rennen zu schicken – und räumt damit indirekt ein, dass sich die Machtverhältnisse im Hofheimer Stadtparlament verschoben haben.
Noch vor wenigen Wochen galt Hegeler als gesetzt. Doch wenn das Parlament am Mittwoch, 22. April, zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt (18 Uhr, Stadthalle – Vorab-Infos hier), dürfte ein anderer das Rennen machen: Alexander Tulatz. Der SPD-Fraktionsvorsitzende kann sich berechtigte Hoffnungen auf das Amt des „ersten Bürgers“ machen – nicht zuletzt wegen einer neuen Mehrheit.
Hofheim-News hatte exklusiv unmittelbar nach der Kommunalwahl berichtet, dass die bisherige Opposition Tulatz nominieren will. Künftig kommen BfH, Grüne und SPD gemeinsam auf 23 von 45 Stimmen. Keine komfortable Mehrheit, aber eine, die reicht. Und vor allem: eine, die politisch genutzt werden dürfte.
Für die CDU ist das ein politischer Rollenwechsel – und ein schmerzhafter dazu. Noch vor wenigen Monaten gelang es ihr gemeinsam mit FDP und FWG und unterstützt von den Linken, die Wahl von Tulatz zum Beigeordneten zu verhindern. Nun „droht“ ausgerechnet dieser Kandidat zum protokollarisch höchsten Repräsentanten der Stadt aufzusteigen.
Zwar schickt die CDU mit Armin Thaler einen eigenen Bewerber ins Rennen. Die Fraktion attestiert dem 67-Jährigen Erfahrung, Ausgleichsfähigkeit und Anerkennung über Parteigrenzen hinweg. Auch seine lange kommunalpolitische Tätigkeit und sein Engagement für Hofheim werden betont – er sei ein „ausgezeichneter Repräsentant der Stadt“.
Doch die Begründung wirkt wie ein Pflichtprogramm. Viele der genannten Eigenschaften ließen sich nahezu eins zu eins auch auf Tulatz übertragen. Die Argumentation verliert damit an Trennschärfe – und wird zur Floskel.
Deshalb greift die CDU auf ein klassisches Machtargument zurück: Tradition. Üblicherweise stelle die stärkste Fraktion den Vorsitzenden. Doch der Hinweis wirkt weniger wie ein demokratisches Prinzip als wie der Versuch, einen Machtanspruch zu retten, der politisch bereits verloren ist. Denn die Realität in der Politik ist eine andere: Mehrheiten zählen mehr als Gewohnheiten.
Andreas Hegeler bleibt dennoch eine prägende Figur in der CDU: Gemeinsam mit Michael Müller übernahm er den Fraktionsvorsitz. Und auch geografisch bleibt vieles beim Alten: Diedenbergen dürfte weiterhin ein Zentrum christdemokratischer Einflussnahme sein: Hegeler und Müller wohnen dort – ebenso wie Ex-Bürgermeister Christian Vogt.
Unser Bild oben zeigt links Andreas Hegeler, der sieben Jahre lang Stadtverordnetenvorsteher war, und rechts Alexander Tulatz, der am Mittwoch neuer erster Bürger der Stadt Hofheim werden könnte.
HN/TR


