Colibris in Gefahr? Stadt kann Rechnungen in Millionenhöhe nicht bezahlen

Colibris in Gefahr? Stadt kann Rechnungen in Millionenhöhe nicht bezahlen

Die Wahl ist vorbei, die neuen Stadtverordneten sind benannt – und Hofheim tut so, als wäre alles wie immer. Sunshine in the City? Die Realität sieht eher trist aus: Die Stadtkasse ist erschreckend leer, das Rathaus sitzt auf einem Berg von Schulden. Und wir reden hier nicht über Peanuts: Rechnungen in Millionenhöhe sind offen.

Wie dringend Geld fehlt, wird bei einem Gespräch mit Roland Schmidt deutlich. Er ist Geschäftsführer der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft mbH (MTV), die für das On-Demand-Shuttle „Colibri“ zuständig ist. Die elektrischen Fahrzeuge können per App oder Telefon angefordert werden und fahren jedes gewünschte Ziel im Stadtgebiet an. Das Projekt hatte die Stadt vor vier Jahren ausdrücklich bestellt – bezahlt werden muss es natürlich auch. Nur wie? Ist doch kein Geld mehr da…

„Die Stadt ist im Verzug“, sagt Schmidt trocken. Er wartet seit Wochen auf ausstehende Zahlungen, die Summe sei „nennenswert“.. Er gehe davon aus, sagt Schmidt, dass die Stadt „demnächst, also hoffentlich bald“ überweist – andernfalls „greifen die üblichen Mechanismen: Zahlungsaufforderung, Mahnung, zweite Mahnung – und im äußersten Fall die Einstellung des Verkehrs“.

Einstellung des Verkehrs – das bedeutet konkret: Keine „Colibris“ mehr! Droht das ernsthaft? Könnte der praktische und für die Nutzer günstige Shuttle-Dienst tatsächlich ganz eingestellt werden? Solche Gedanken will Schmidt nicht zulassen; gleichwohl betont er: „Wenn die Stadt nicht zeitnah zahlt, werden wir die Gangart verschärfen müssen. Das sind wir unseren Gesellschaftern schuldig.“

Colibri
Im Sommer letzten Jahres entstand dieses Foto: Es zeigt den damaligen Bürgermeister Christian Vogt, MTV-Geschäftsführer Roland Schmidt und den MTV-Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Baron. Verkündet wurde der Erfolg des „Colibri“ [hier] – dass die Stadtkasse bereits leer war und Hofheim sich den Shuttle nicht mehr bezahlen konnte, erwähnte Vogt mit keinem Wort.

Noch einmal: Über welche Größenordnung reden wir hier eigentlich? Im Rathaus erfahren wir: Seit Ende letzten Jahres liegen der Verwaltung zwei MTV-Kostenaufstellungen für 2023 und 2024 vor – über rund 1,7 Millionen Euro. „Die Abrechnungen konnten bislang aufgrund der angespannten Finanzlage nicht ausgeglichen werden“, heißt es. Man gibt sich allerdings unverdrossen optimistisch: „Der zeitnahe Ausgleich ist das erklärte Ziel.“

Auch andere Rechnungen sind derzeit offen. So steht etwa die Kreis- und Schulumlage für den Monat März noch aus. Die Kreisverwaltung muss noch warten – auch hier lautet die offizielle Linie der Stadtverwaltung: „Der zeitnahe Ausgleich ist das erklärte Ziel.“

Und selbst die privaten Kita-Betreiber warten auf ihr Geld. Sie übernehmen Aufgaben, die sonst die Stadt leisten müsste – und schauen seit längerem in die Röhre. Trotzdem lassen sie Eltern und Kinder nicht hängen – der Betrieb läuft weiter. Und die Stadtverwaltung versichert auch hier: „Das Betreuungsangebot ist in allen Einrichtungen sichergestellt.“


Unser Bild oben zeigt die Colibri-Fahrzeugflotte, für die auf dem Parkdeck des Chinon-Centers Parkplätze und Ladestationen eingerichtet wurden.


HN/TR

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