Landrat prüft Vorgehen von Vogt – und posiert mit ihm auf Wahlplakaten

Landrat prüft Vorgehen von Vogt – und posiert mit ihm auf Wahlplakaten

Seit einem halben Jahr ist Christian Vogt nicht mehr Bürgermeister – und doch sorgt er weiter für Wirbel in Hofheim. Gerade erst wurde bekannt, dass er den genehmigten Rahmen für Liquiditätskredite um Millionen überzogen hatte – und dann auch noch klare Weisungen des Landrats ignorierte. Inzwischen prüft die Kreisverwaltung die Vorgänge juristisch. Doch gleichzeitig zeigt Landrat Michael Cyriax auf Wahlplakaten demonstrativ Flagge – an der Seite seines CDU-Parteifreundes Vogt, der erneut für den Kreistag kandidiert. Für Außenstehende entsteht so ein Bild, in dem Kontrolle und Wahlkampf sichtbar ineinandergreifen – und die Frage bleibt: Wie neutral kann Aufsicht sein, wenn Prüfung und Politik Hand in Hand gehen?

Der Vorgang sorgt nicht nur politisch für Aufsehen, sondern auch bürokratisch. Erst kürzlich wurden dubiose Millionentransaktionen im Rathaus bekannt. Der Landrat beanstandete das Mitte letzten Jahres schriftlich und forderte den damaligen CDU-Bürgermeister Christian Vogt auf, die Stadtverordneten zu informieren. Das geschah aber nicht.

Hat Vogt bewusst gegen Weisungen des Landrats gehandelt, als er einen wichtigen Brief zurückhielt – und damit sowohl den Magistrat als auch die Stadtverordneten über erhebliche finanzielle Risiken im Unklaren ließ? „Die Reaktion des damaligen Bürgermeisters auf die Weisungen des Landrats wird derzeit noch geprüft“, teilte jetzt auf Nachfrage der Sprecher der Kreisverwaltung mit. Gleichzeitig bestätigte er, dass im Hofheimer Rathaus derzeit eine Kassenprüfung läuft, die alle finanziellen Transaktionen jener Zeit genau unter die Lupe nimmt.

Es sind späte Aufräumarbeiten nach der kurzen Amtszeit des CDU-Bürgermeisters. Bereits Anfang 2025 war die finanzielle Lage in der Kreisstadt extrem angespannt – und doch verbreitete Vogt unverdrossen die Botschaft eines soliden Haushalts. In Wahrheit hatte er den genehmigten Rahmen für Liquiditätskredite von 15 Millionen Euro nahezu ausgeschöpft. Um kurzfristig zahlungsfähig zu bleiben, zog die Stadt die Wassergebühren der Stadtwerke ein – formal zulässig, weil sie diese Einnahmen verwaltet. Problematisch wurde es, weil das Geld nicht sofort an die Stadtwerke weitergeleitet wurde.

Stattdessen beglich die Stadt mit den Gebühren andere Rechnungen. Die Stadtwerke mussten ihrerseits rund sechs Millionen Euro überziehen.

Im April 2025 erschienen Finanzexperten des Main-Taunus-Kreis unangekündigt im Rathaus und stießen auf die internen Geldverschiebungen. Im Juli schrieb Landrat Michael Cyriax an Vogt: Durch den Zugriff auf die Mittel der Stadtwerke seien die genehmigten Kredite um vier Millionen Euro überschritten worden – ohne Information der Stadtverordneten und ohne Abstimmung mit dem Kreis.

Cyriax forderte Vogt unmissverständlich aufgefordert, das Parlament umfassend zu informieren. Der Brief verschwand jedoch in der Schublade. Erst jetzt, ein halbes Jahr nach Vogts Abwahl, tauchte er bei seinem Nachfolger Willi Schultze wieder auf – nach dessen Darstellung überraschend.

Offen bleibt bis heute die Rolle führender Köpfe im Rathaus: Was wusste Frank Petry, der für die Finanzen im Rathaus zuständig war und noch immer ist? Und dann ist da noch Marc Schlüter, den Vogt zu einer Art zweiten Bürgermeister gemacht hatte und der sämtliche Post an den Verwaltungschef koordinierte. Dass gerade er das Schreiben des Landrats nicht gesehen haben soll, wirkt schwer glaubhaft.

Die Kassenrevision prüft nun nicht nur die finanziellen Abläufe, sondern auch, ob gegen eine konkrete Weisung der Kommunalaufsicht verstoßen wurde und wie interne Kontrollmechanismen funktionierten. Je nach Ergebnis könnten dienst- oder ordnungsrechtliche Schritte folgen.

Da Vogt nicht mehr im Amt ist, dürften direkte Konsequenzen begrenzt bleiben. Strafrechtliche Folgen gelten als eher unwahrscheinlich. Politisch bleibt der Vorgang jedoch brisant – besonders jetzt, da Wahlkampf ist. Und da wird die Sache regelrecht skurril:

CDU Landrat
Da ist er wieder: Christian Vogt auf Wahlplakaten der CDU (r.). Hinter ihm: s Landrat Michael Cyriax.

Die CDU hat Vogt wieder als Kandidaten für den Kreistag aufgestellt. Aktuell ist sein Konterfei auf vielen Plakaten im Stadtbild zu sehen. Und hinter ihm posiert ausgerechnet Michael Cyriax – also der Landrat, der die vermutlich gesetzeswidrigen Vorgänge im Rathaus unter Vogt prüfen muss.

Formal ist das nicht zu beanstanden: Solange das Prüfverfahren sachlich geführt wird, spielt eine gemeinsame Parteizugehörigkeit keine Rolle. Die Kommunalaufsicht ist rechtlich verpflichtet zu prüfen – unabhängig davon, ob der Betroffene Parteifreund ist.

Für Außenstehende entsteht jedoch ein auffälliger Widerspruch: Die Aufsichtsbehörde, vertreten durch den Landrat, soll mögliche Pflichtverstöße unter Ex-Bürgermeister Vogt untersuchen – und zeigt sich gleichzeitig demonstrativ Schulter an Schulter mit ihm im Wahlkampf. Selbst wenn juristisch alles korrekt abläuft, bleibt der Eindruck politischer Rücksichtnahme.

In der Politik zählt nicht nur, was rechtlich korrekt ist, sondern auch, wie glaubwürdig es wirkt. Am Ende geht es weniger um Paragraphen als um Stil: Was formal einwandfrei ist, kann kommunikativ ungeschickt wirken. Im Wahlkampf werden selbst kleine Gesten sofort politisch interpretiert.

Ob die Wähler das Plakat als Ausdruck von Zusammenhalt wahrnehmen – oder eher als problematische Nähe – wird sich spätestens am 15. März zeigen.

HN/TR

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