Der große Parteiencheck: Wie kommunizieren unsere Lokalpolitiker eigentlich mit uns?

Der große Parteiencheck: Wie kommunizieren unsere Lokalpolitiker eigentlich mit uns?

Sie wollten doch eigentlich ganz nah an uns Bürger heran: Mit dem üblichen Getöse haben Hofheims Parteien und Wählergemeinschaften einst moderne Webseiten ins Netz gestellt und Präsenzen in den sozialen Netzwerken – vor allem auf Facebook – hochgezogen. Ihr Versprechen: Transparenz für alle und ein ständiger Informationsfluss direkt aus der Hofheimer Stadtpolitik. Wir haben uns die Internetaktivitäten unserer lokalen Parteien genauer angeschaut: Wie sieht die Realität aus?

In den Wochen vor einer Kommunalwahl sind sie alle hochgradig fleißig. Da glühen die Server, da jagt ein Foto vom Lächeln am Infostand das nächste. Doch was passiert eigentlich, wenn der Auszählungsabend vorbei und die Posten verteilt sind? Setzen sie sich dann weiterhin kritisch mit der tagesaktuellen Stadtpolitik auseinander? Informieren sie transparent über das, was hinter verschlossenen Türen verhandelt wird? Oder posten sie wenigstens die Beschlüsse, an denen sie selbst mitgewirkt haben?

Wir haben den ultimativen Online-Check gemacht und die digitalen Auftritte der Hofheimer Parteien auf Herz und Nieren geprüft. Jeden Beitrag seit Ende April – dem Start der neuen Legislaturperiode – haben wir gezählt, die Inhalte gewogen und bewertet.

Das Ergebnis ist gelinde gesagt bescheiden. Um es ehrlich auszusprechen: Es ist streckenweise ein digitaler Offenbarungseid.

CDU Hofheim: Ein Hauch von Inhalt im Terminkalender

Wer die Webseite der Hofheimer Christdemokraten ansteuert, wähnt sich eher in einem Verein für kulinarische und gesellige Zusammenkünfte als bei einer Stadtpartei.

Der Befund auf der Webseite: Magerer Ertrag. Ganze neun Einträge seit Mai! Davon ist der Bärenanteil schlichte Terminverwaltung: Schlachtessen, Unternehmerabend, Waldbegehung. Im Ansatz ist das Ankündigen von Terminen ja löblich – blöd nur, dass es davon auch nicht gerade viele gibt. Wer wissen will, was die CDU zu den drängenden Zukunftsfragen Hofheims denkt, bleibt im Nebel stehen. Statt fundierter Sachpolitik dominiert städtische Wohlfühl-Prosa oder das übliche politische Herumgestänkere: Der eigene Ex-Bürgermeister (Vogt) ist natürlich prinzipiell an allem unschuldig, und die Ortsbeiräte fühlen sich mal wieder von allen Seiten zu wenig gewertschätzt. Das ist kein Bürgerdialog, das ist Mimosen-PR in Eigenregie.

CDU bei Facebook (792 Follower): Ganze drei Beiträge mit Terminankündigungen im letzten halben Jahr! Wenn das die Netz-Offensive der Hofheimer Union sein soll, dann kann man das getrost als Sendepause bezeichnen.

HN-Urteil: 🟡
Winterschlaf mit gelegentlichen Schlachtessen-Unterbrechungen.

Bürger für Hofheim (BfH): Hagiographie statt Information

Es war einmal eine Wählergemeinschaft, die angetreten war, um Hofheim besser zu machen. Transparenter. Bürgernäher. Das war einmal…

Der Befund auf der Webseite: Die BfH-Homepage ist vor Jahren einfach stehengeblieben. Auf der Unterseite „Neuigkeiten“ datiert der letzte Beitrag aus dem Jahr 2021 – Willi Schultze schrieb damals als Fraktionsvorsitzender über die konstituierende Sitzung des Stadtparlaments und träumte des Nächstens noch vom Bürgermeisteramt. Erst wer sich tief in die Unterseite „Pressemitteilungen“ durchgräbt, findet Lebenszeichen – sie stammen aus Januar dieses Jahres: die Liste der Kandidaten für die Ortsbeiräte.

BfH bei Facebook (470 Follower): 19 Beiträge seit Mai – rein zahlenmäßig weit vorne. Schaut man allerdings genauer hin, wird es erschreckend einseitig. Allein sieben Posts widmen sich dem Bürgermeister – ein Ausmaß an öffentlicher Heldenverehrung, das man eher in Monarchien vermuten würde. Dazwischen gibt es wohlfeile Allgemeinplätze: Straßenraum neu denken, mehr Kultur, mehr Begegnung, Lob für den Hospizverein oder ein Prüfantrag zum Naturwald. Was komplett fehlt: auch nur ein einziges Wort zu den drängenden, harten Themen dieser Stadt. Keine Finanzen, kein Gewerbegebiet, kein bezahlbares Wohnen, keine Radwege, kein Wort zum maroden Straßenzustand.

HN-Urteil: 🟡🔴
Mehr Bürgermuseum als Bürgerforum. „Transparent, unabhängig, bürgernah“ steht auf der Homepage. Die Realität liefert das Gegenteil: Wohlfühl-PR und Betreutes Lesen.

Grüne Hofheim: Die Fleißkärtchen-Fraktion

Bei den Grünen sieht man zumindest das Bemühen – und das gar nicht mal so erfolglos: Mit stolzen 1.210 Followern auf Facebook hängen sie die gesamte lokale Konkurrenz mit deutlichem Abstand ab.

Der Befund auf der Webseite: Seit Mai immerhin sechs substanzielle Einträge. Sie berichten darüber, wie sie auf gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen, wer neu in den Magistrat entsendet wurde, welche Prüfanträge zur Windenergie gestellt wurden – und natürlich die Einladung zur Mitgliederversammlung. Das ist strukturiert und lässt zumindest erkennen, woran gearbeitet wird.

Grüne bei Facebook (1210 Follower): 25 Posts – das ist in Hofheim schon fast ein virtueller Rekord. Sicher, einige Themen und Vorlagen wiederholen sich, aber das gehört zum Handwerk. Neben dem Bündnisvertrag wünscht man allen Hofheimern ein frohes „Happy Pride“, fordert lautstark Geld von der Landesregierung und wirbt fleißig für Stammtische, Sommerfeste, Infostände und Radtouren.

HN-Urteil: 🟢
Emsig und vorzeigbar. Hier wird nicht nur gepostet, sondern kommuniziert. Wer wissen will, was die Grünen treiben, bekommt Antworten.

SPD Hofheim: Das große Schweigen der Genossen

Die Genossen geben sich in der Öffentlichkeit äußerst zurückhaltend – um nicht zu sagen: unsichtbar.

Der Befund auf der Webseite: Ein historisches Dokument der Genügsamkeit. Im Mai die Eilmeldung, dass Aaron Kowacs neuer Fraktionschef geworden ist. Im Juni folgte die frohe Kunde, dass man mit den Grünen und den Bürgern für Hofheim (BfH) eine Bündnisvereinbarung unterzeichnet habe. Und danach? Sendeschluss. Das war’s. Nichts mehr. Keine Argumente, keine Berichte aus dem Parlament, keine Auseinandersetzung mit der Stadtpolitik.

SPD bei Facebook (996 Follower): Exakt dieselben zwei Themen. Kein Beitrag mehr, kein Beitrag weniger.

HN-Urteil: 🔴
Funkstille pur. Die verweigerte Information spiegelt sich nahtlos im Wählerergebnis wider. Wer sich so verbarrikadiert, vermittelt dem Bürger: Wir brauchen euch nicht.

AfD Hofheim: Das Phantom der Stadtpolitik

Keine eigene Webseite. Kein Facebook-Auftritt. Nirgendwo Spuren, wo man sich über Anträge, Stadtpolitik oder Positionen informieren könnte.

Der Befund online: Ein absolutes Vakuum. Wer nach konkreter kommunalpolitischer Arbeit der Hofheimer AfD sucht, blickt ins schwarze Loch. Keine Berichte aus den Sitzungen, keine Positionen zu lokalen Themen, keine Erklärungen zum Abstimmungsverhalten im Stadtparlament.

Die Realität: Und doch sind sie irgendwie immerzu präsent – als unsichtbarer Elefant im Raum, getragen vom bundesweiten Rückenwind und diffusem Protest. Politische Rechenschaft gegenüber dem Bürger? Offenbar überflüssig. Hier verlässt man sich lieber voll und ganz darauf, dass die Bundespolitik die Stimmen frei Haus liefert, ohne dass man vor Ort auch nur einen Finger für Bürgerinformation rühren müsste.

HN-Urteil: ⚫
Kommunale Arbeitsverweigerung in Reinkultur. Wer lokal gewählt werden will, dem Bürger aber nicht einmal ein Mindestmaß an Rechenschaft schuldet, betreibt Politik als Phantomschmerz.

FWG Hofheim: Die Kunst des Schweigens

Ein Wählerverein, der der Stadt offensichtlich absolut nichts mehr zu sagen hat. Und genau das setzt er konsequent um.

Der Befund auf der Webseite: Unter der Rubrik „Aktuelles“ gähnt die Leere. Wörtlich heißt es dort: „Es gibt momentan keine Beiträge, die unter dieser Kategorie veröffentlicht wurden.“ Zumindest ehrlich.

FWG bei Facebook (132 Follower): Der letzte Eintrag stammt vom 14. März. Aus dem damaligen Wahlkampf-Endspurt.

HN-Urteil: ⚪
Nirvana-Modus. Es ist alles gesagt. Beziehungsweise: Nichts. Wer so schweigt, hat sich im Netz bereits abgemeldet.

Die Linke Hofheim: Klein, aber knackig

Die kleinste Fraktion im Stadtparlament gibt sich seit jeher kampfstark, laut und polarisierend.

Der Befund auf der Webseite: 13 Beiträge seit Mai – und erfreulicherweise null Blabla. Hier geht es nicht um Sektflöten am Weinstand, sondern um handfeste Themen: Kultur, Kitas, Fluglärm, die klamme Finanzlage der Stadt, die Musikschule und den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Inhaltlich stramm links, aber städtisch konkret.

Linke bei Facebook: Man sucht sie vergebens. Soziale Netzwerke werden schlicht nicht bespielt – hier vertraut man ganz auf die eigene Webseite und klassische Flugblätter.

HN-Urteil: 🟢🟡
Inhaltlich stark, netzbasiert einkanalig. Kein Show-Posting auf Facebook, dafür substanzielle Inhaltsarbeit auf der Homepage. Nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber ehrlicher als manche Dauerbespaßung der Konkurrenz.

FDP Hofheim: Strampeln am Stammtisch

Bei den Liberalen sieht es im Netz zwar nach etwas mehr Aktivität aus, aber quantitativ ist eben nicht gleich qualitativ.

Der Befund auf der Webseite: Wer eine inhaltliche Auseinandersetzung zu den echten Dauerbrennern der Stadt sucht – seien es die klammen Stadtfinanzen, die unendliche Geschichte der Gewerbegebietsplanung oder das Dauerthema bezahlbarer Wohnungsbau –, der sucht vergeblich. Man sieht die FDP auf ihrer Homepage zwar redlich strampeln, aber der Ertrag bleibt spärlich. Drei Stammtische wurden seit Mai angekündigt (oder feierlich abgekündigt). Dazu gesellt sich die gebetsmühlenartige Forderung nach einem „Sicherheitskonzept“ sowie die stolze Meldung, dass ein Hofheimer Parteifreund bei einer FDP-Veranstaltung im fernen Berlin ans Mikrofon durfte. Schön für Berlin, wenig hilfreich für Hofheim.

FDP bei Facebook (232 Follower): Seit Mai immerhin 16 Posts – das sieht auf den ersten Blick fast lebendig aus! Doch der Schein trügt. Man sieht reichlich Bilder vom Weinstand, strahlende Gesichter am Stammtisch und jede Menge gesellige Runden. Inhalt abseits des unvermeidlichen Sicherheitskonzepts? Fehlanzeige. Man gewinnt den Eindruck, die Hofheimer FDP sei primär ein Feierabend-Club mit politischem Briefkopf.

HN-Urteil: 🟡
Hoher Stimmungsfaktor am Stand, politisch aber laue Luft – lauwarm bis weinselig.

Unterm Strich: Schaukasten statt Bürgerdialog

Wer als Bürger wissen will, was in der Hofheimer Kommunalpolitik tatsächlich bewegt wird, steht weitgehend im Abseits. Die meisten Parteien nutzen ihre Homepages und Social-Media-Kanäle wie verstaubte Schaukästen aus den 90er-Jahren: Wenn überhaupt gepostet wird, dann geht es um Schnittchen, Stammtische und Selbstbeweihräucherung. Echte, transparente Bürgerinformation über die drängenden Probleme unserer Stadt? Glänzende Abwesenheit.

Liebe Lokalpolitiker: Wenn ihr wollt, dass die Bürger euch und eure Arbeit ernst nehmen, dann müsst ihr auch nach dem Wahltag mit ihnen sprechen. Auf Durchzug zu schalten, ist Gift für jede Demokratie vor Ort – und der beste Weg ins politische Abseits!

TR


Transparenzhinweis: Stand der Auswertung: 20. Oktober 2026. Die Reihenfolge unseres Checks richtet sich nach der Anzahl der Sitze im Stadtparlament, von der stärksten Fraktion zur kleinsten (bei Mandatsgleichheit alphabetisch sortiert).


2 Kommentare zu “Der große Parteiencheck: Wie kommunizieren unsere Lokalpolitiker eigentlich mit uns?”

  1. Gut, das mal so zu erfahren. Nur, zu allem gehört der Wille und das Personal inhaltsorientiert und auf den Punkt genau formuliert zu kommunizieren. Das ist nicht nur in der lokalen Politik schwer aufzustellen, auch bei Vereinen, Initiativen bis hin zur Geschäftswelt stellt sich die Frage, wer machts, wer kanns und wie gesagt, wer hat den Mut ehrlich, authentisch und auf die Bürgerinteressen orientiert zu kommunizieren. Interessant wäre auch mal zu erkunden, wie es mit dem Interesse in der Bürgergesellschaft steht? Wer ist in der Kreisstadt wie an was interessiert? Nur wenn Druck aufkommt, dann bewegen wir Bürger*innen uns auch. Erst, wenn es an die eigenen Bedürfnisse und Interessen geht, erst dann kommt der Disput. Durch ein aktives Nachfragen, Dabeiseins und in den Dialog zu gehen, so entsteht auch auf Seiten der Parteien mehr Bereitschaft besser und direkter sich zu zeigen.

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