Er war lange Pfarrer in Hofheim: Andreas Unfried legt sein Amt nieder – für die Liebe

Er war lange Pfarrer in Hofheim: Andreas Unfried legt sein Amt nieder – für die Liebe

Er war über viele Jahre hinweg eine der prägendsten Gestalten des katholischen Lebens im Main-Taunus-Kreis: Pfarrer Andreas Unfried, der lange Zeit die Seelsorge in Hofheim, Kriftel und Eppstein gestaltete und als Bezirksdekan wirkte. Nun sorgt eine persönliche Erklärung des Geistlichen für Aufsehen und Bewegtheit in der gesamten Region: Unfried hat dem Limburger Bischof seinen Verzicht auf das Priesteramt erklärt – um die Frau zu heiraten, die er seit vielen Jahren heimlich liebt. Das Bistum teilte daraufhin an diesem Samstag mit: „Pfarrer Unfried scheidet am heutigen Tag aus dem aktiven Dienst als Priester aus.“

Andreas Unfried Oberursel
Pfarrer Unfried auf der Webseite der Oberurseler Kirchengemeinde (Screenshot)

Der Verzicht erfolgte überraschend: Pfarrer Unfried informierte Bischof Dr. Georg Bätzing über seinen Rücktritt während einer gerade stattfindenden Bischöflichen Visitation. Die Nachricht habe Bistum und Pfarrei unvorbereitet getroffen, sagte Domkapitular Georg Franz. Er betonte jedoch, dass die Entscheidung zu akzeptieren sei: „Die Situation ist für die Pfarrei und das Bistum schmerzlich, da sie auch so unerwartet kommt. Seine Entscheidung für einen anderen Lebensweg gilt es jedoch zu respektieren.“

Für die Region Main-Taunus ist Andreas Unfried kein Unbekannter. Geboren am 13. April 1963 in Frankfurt, empfing er 1989 im Dom zu Limburg die Priesterweihe. Seine seelsorgerische Laufbahn führte ihn von Beginn an durch die Nachbargemeinden. Von 1995 an prägte er als Pfarrer der Gemeinde St. Vitus in Kriftel und ab 2006 im Verbund mit Hofheim (unter anderem in St. Georg in Marxheim) sowie als Pfarrverwalter in Eschborn-Niederhöchstadt und Hochheim das kirchliche Leben.

Über viele Jahre vertrat er zudem als Bezirksdekan den Bezirk Main-Taunus in der Plenarkonferenz des Bistums Limburg, bevor er im Jahr 2010 die Priesterliche Leitung der Großpfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach übernahm. Im Jahr 2014 konnte er auf sein Silbernes Priesterjubiläum zurückblicken.

Bilanz nach 37 Jahren – und der Schritt in die Freiheit

Mit seinem Verzicht zieht Unfried die kirchenrechtliche Konsequenz der Suspendierung vom priesterlichen Amt, die ihm völlig klar und unausweichlich erscheine. In seiner Erklärung gibt er offen zu, dass ihm der Zölibat schwerfiel und er die Ehelosigkeit trotz aller Bemühungen nicht als den für ihn richtigen Lebensweg empfinden konnte. Dass er seine 37 Jahre im kirchlichen Dienst dennoch mit voller Hingabe ausüben konnte, danke er vor allem seiner Lebenspartnerin, die ihm jahrelang den Rücken freihielt. Da sie nun den Ruhestand erreicht hat und auch für ihn der Ruhestand naht, sei der Moment gekommen, die Prioritäten neu zu ordnen.

Gleichzeitig blickt Unfried dankbar auf seine Dienstjahre zurück. Die Kirche habe seine Talente gefördert und ihm bereichernde Erfahrungen ermöglicht – von der Mitgestaltung innovativer Seelsorgekonzepte bis hin zu kirchlichen Einblicken in Afrika, auf den Philippinen und in England. Für die Zukunft wünscht er seiner Kirche einen Geist des Aufbruchs, mehr Geschlechtergerechtigkeit und Partizipation.

Ausdrücklich bittet der Geistliche um Ruhe und Verständnis dafür, dass er derzeit keine Anrufe oder E-Mails beantworten wird. Ein persönlicher Abschied von den Weggefährten und Gemeindemitgliedern soll jedoch in den kommenden Monaten in angemessener Weise ermöglicht werden.

Der Pfarrer: „Sie hat lange auf mich gewartet. Nun ist es genug.“

Wir dokumentieren den offenen Brief von Pfarrer Andreas Unfried hier im Wortlaut:

Ich habe Bischof Georg Bätzing gegenüber meinen Verzicht auf die Pfarrei St. Ursula, Oberursel und Steinbach, erklärt. Der Grund ist, dass ich heiraten werde. Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe. Jetzt spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, dieser zweiten Berufung nachzukommen. Die Konsequenz der Suspendierung vom priesterlichen Amt ist zwingend und mir bewusst.

Es war mir immer klar, dass die katholische Kirche für die Ausübung des Priesteramts den Zölibat verlangt. Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage. 

Mit ganzem Herzen war und bin ich Seelsorger, Pfarrer und Funktionsträger in der Ortskirche Limburg über viele Jahre als Bezirksdekan in den ehemaligen Bezirken Main-Taunus und Hochtaunus, in verschiedenen Rollen in der Caritas und in der Funktion als Geistlicher Begleiter. Ich bin meiner Kirche dankbar, dass sie mein Talent in so reicher Weise erkannt und gefördert hat. Ich durfte in 37 Dienstjahren und auch in den Jahren der Vorbereitung darauf wachsen und reifen und habe meine Kirche stets als förderlich und wohlwollend erfahren. Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin. 

Ich hätte diese 37 Jahre aber auch nicht durchgehalten, wenn ich mir nicht der Unterstützung meiner Lebenspartnerin hätte sicher sein können. Es ist Zeit – so spüre ich es – nun die Gewichtungen anders zu verteilen, da sie in den verdienten Ruhestand gegangen ist und auch für mich das Ende der beruflichen Tätigkeit nahe gekommen ist. Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug.

Ich danke insbesondere meinen Mitbrüdern in der Priestergemeinschaft Maranatha. Das gemeinsame Leben war mir Stütze und Halt. Gemeinsam haben wir Entwicklungsschritte der Pastoral angedacht und verwirklicht. Gemeinsam haben wir Krisen durchgestanden und ausgehalten. Ich bitte um Verständnis, dass ich nach all diesen guten Jahren jetzt einen anderen Weg für mich wähle.

Ich habe die 15 Jahre als Pfarrer in Kriftel und Hofheim – und insbesondere die 16 Jahre als Pfarrer in Oberursel und Steinbach als überaus spannend und bereichernd erlebt. Verschiedentlich habe ich gesagt, dass die Entwicklung einer dezentralen Großpfarrei in St. Ursula für mich die spannendsten und herausforderndsten Jahre meines Lebens gewesen sind. Das sehe ich weiterhin so und bin dankbar dafür. Der Gedanke einer lokalen Kirchenentwicklung, damit verbunden die Erarbeitung einer gemeinsam getragenen Vision von Kirche bleiben für mich zentrale Leitgedanken, denen ich mich weiterhin verpflichtet weiß. 

Ich wünsche mir für meine Kirche den Geist der Partizipation und Geschlechtergerechtigkeit. Und ich bete dafür, dass unsere Christinnen und Christen sich entdecken als Subjekte (und nicht bloß Objekte) der Seelsorge und ihre Berufung für die Frohe Botschaft mutig leben.

Auf meinem Weg sind mir viele sehr bedeutsame Freundschaften und Beziehungen entstanden. Ich bin mir bewusst, welche Enttäuschungen ich auch mit meinem Schritt auslöse. Ich kann nur hoffen, dass mein Schritt irgendwann akzeptiert werden kann, auch wenn ich weiß, dass ich vielen damit aktuell das Leben schwer mache. 

Ich danke meinem Pastoralteam, ohne deren Kompetenz und Engagement wir nicht hätten erreichen können, was wir geschafft haben. Ich danke unserem Verwaltungsteam und unserer so überaus umsichtigen Verwaltungsleiterin. Viele werden mir vorwerfen, dass ich ihnen gegenüber keinerlei Andeutungen gemacht habe. Ich weiß aber auch, was ich den sehr wenigen, denen ich mich offenbart habe, aufgebürdet habe.

Meinerseits scheide ich ohne Groll aus meiner Berufsrolle. Ich durfte in meiner Aufgabe so viel Neues und Aufregendes erfahren. Ich habe die Gestalt von Kirche in Afrika, auf den Philippinen und in der anglikanischen Kirche Englands kennenlernen dürfen. Ich durfte Teil sein von Erneuerungsbewegungen und innovativen Projekten. In all dem konnte ich auch persönlich reifen und mich weiterentwickeln. Für all das bin ich von Herzen dankbar.

Nun ruft mich die Liebe zu der Frau, mit der ich schon lange das Leben teile. Gemeinsam werden wir suchen, wie wir unser Christsein und unsere Berufung fortan gemeinsam leben können.

Ich denke, dass in den kommenden Monaten in geeigneter Weise ein persönlicher Abschied von Ihnen allen noch möglich sein wird. Für den Augenblick bitte ich um Verständnis, dass ich keine E-Mails beantworten und auf keine Anrufe reagieren werde. 

Ich danke meinem Bischof und seinen Mitarbeitern für den wertschätzenden Umgang mit meiner Situation und auch für die Stringenz ihres Handelns. Ich bin sicher, dass für die Zeit der Vakanz ein guter Pfarrverwalter zeitnah gefunden werden wird. 

Ich lasse viel Herzblut in St. Ursula und bin von Herzen dankbar für die gemeinsamen Jahre. Ich hoffe darauf, dass wir, wenn sich die Lage beruhigt haben wird, in angemessener Weise noch persönlich voneinander Abschied nehmen können.

Pfarrer Andreas Unfried


Unser Bild oben zeigt die katholische Pfarrkirche St. Georg in Marxheim, wo Andreas Unfried einige Jahre als Pfarrer tätig war.


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