Sparoffensive im Rathaus: Hofheim schafft den gedruckten Abfallkalender ab
Die Kreisstadt schaltet bei der Müllentsorgung schrittweise analoge Lichter aus: Ab 2027 soll es den gedruckten Abfallkalender nicht mehr frei Haus geben. Im Haupt- und Finanzausschuss sorgte die Vorlage des Magistrats für eine halbstündige Debatte, doch am Ende siegte der digitale Fortschrittsgeist.
Wer in Hofheim wissen wollte, wann die Blaue Tonne rausgestellt oder das Schadstoffmobil in den Ortsteil rollt, griff jahrzehntelang zum vertrauten Papierstück. 14.000 Exemplare ließ die Stadtverwaltung bislang jedes Jahr drucken. Kostenpunkt: Rund 6.000 Euro für Layout, Druck und Papier.
Doch damit soll ab 2027 Schluss sein. Geht es nach dem Magistrat, wandert der gedruckte Kalender selbst auf den Müll der Geschichte.
Bislang schützt die Paragraphenreiterei das Papier: In § 12 Abs. 1 der Hofheimer Abfallsatzung ist festgeschrieben, dass Abfuhrtermine und Sammelstandorte jährlich öffentlich in gedruckter Form bekannt gemacht werden müssen. Das soll nun geändert werden. Die Verwaltung verwies darauf, dass im Zeitalter der Digitalisierung ohnehin alles längst im Netz steht – unter hofheim.mein-abfallkalender.online ist der persönliche Abfuhrplan tagesaktuell abrufbar.
In Zeiten klammer Stadtkassen – ein Dauerbrenner im Hofheimer Rathaus – und nachdem man zuletzt schon an diversen kleineren Stellschrauben gedreht hatte, greift man nun eben auch bei den Druckkosten durch. Ganz ohne Einwände ging die Vorlage am Mittwochabend allerdings nicht durch. Eine halbe Stunde lang wurde im Ausschuss gekaut und abgewogen. Das Argument der Skeptiker: Was ist mit den Bürgerinnen und Bürgern, die schlicht keinen Internetzugang haben oder sich im digitalen Dschungel nicht zurechtfinden – allen voran viele ältere Menschen?
Die Verwaltung hatte dafür bereits eine hofheim-spezifische Antwort parat: Barrierefreiheit auf Antrag. Wer die digitale Wende nicht mitmachen kann oder will, steht nicht im Regen. In der Übergangszeit können sich Senioren und Offline-Bürger ihren liegenschaftsspezifischen Kalender direkt im Rathaus von den Servicemitarbeitern ausdrucken lassen.
Die Argumentation verfing: Hofheim wolle schließlich digitaler werden, und mit dem Ausdruck-Service vor Ort sei niemand von der Müllabfuhr abgeschnitten. Der Ausschuss stimmte dem Magistratsvorschlag mit großer Mehrheit zu – bei einer einzigen Enthaltung. Das allerletzte Wort ist damit allerdings noch nicht gesprochen. Am kommenden Mittwoch entscheidet das Stadtparlament. Stimmen die Stadtverordneten zu, wird die Satzung geändert – und Hofheims Haushalt ab 2027 um 6.000 Euro entlastet.
TR


Melde mich nochmal als „Nicht-Hofheimer“ aber 20 Jahre hier Tätiger. Als sich der vermeintliche Heilsbringer, Willi, König von Lorsbach auf seinen Bürgermeistersessel schwang, war das finanzielle Chaos – m. E. nach – ihm sehr wohl im großen und ganzen bekannt. König Willi genehmigte sich dennoch eine „persönliche Referentin“ mit 90 000 Euro Jahresbruttogehalt. Und für den Ersten Stadtverordneten fiel auch gleich noch ein Dienstwagen (den es bisher meines Wissen bis dato auch nicht gab) ab. Und wenn der König sich eine „Persönliche Referentin“ halten darf, dann ist das für seinen „Ersten Kurfürsten“ natürlich auch o.k. Vielleicht habe ich es verpasst: Aber der ganz große Aufschrei darüber in der Presse und im Stadtparlament blieb aus. Da fühle mich an „Die Farm der Tiere“ erinnert. Wo könnten noch Einnahmen für das geplagte Stadtsäckel generiert werden ? Bei den Mietpreisen der Stadthalle ist sicher noch Luft nach oben. Kleiner, nicht ganz ernst gemeinter, Zahlenvergleich: Der große Saal im VILCO in Bad Vilbel (1200 qm), das direkt angrenzenden großzügige Foyer sowie der 600 qm große Gartensaal (unterteilbar in maximal 6 Vortrags- und Konferenzräume) kosten fast 14 000 Euro netto. Pro Tag. Da nimmt sich der – etwas kleinere – „Große Saal“ (mit Foyer) in Hofheims Stadthalle mit 1897.50 Euro schon fast mickrig aus.
Was machen besonders ältere Menschen, die keinen Zugang zum Internet haben, wenn es keine Müllkalender mehr gibt? Man hätte ja auch etwas für den Kalender berechnen können.
Das steht im Text: „Wer die digitale Wende nicht mitmachen kann oder will, steht nicht im Regen. In der Übergangszeit können sich Senioren und Offline-Bürger ihren liegenschaftsspezifischen Kalender direkt im Rathaus von den Servicemitarbeitern ausdrucken lassen.“
Wow: jährlich satte 6.000 gespart. Hut ab vor diesem Einsparpotential!
Faktencheck: 15000 Faltblätter A4 4-Seiter 115 Gramm Papierqualität kosten bei WirMachenDruck
aktuell 829,04 Euro plus Mehrwertsteuer [hier] Das sind die reinen Druckkosten.
Aber wenn der Flyer bei Bedarf im Bürgerbüro ausgedruckt werden soll, dann braucht es sowieso ein Layout und es kämen dadurch keine weiteren Kosten dazu. 1000 Stück für „ausgewählte Kunden“ kosteten knapp 100 Euro. Das wäre wahrscheinlich günstiger als das wertvolle (ausdrücklich keine Ironie!!) Personal des Bürgerbüros mit unnötigen Druckaufträgen zu belasten.