20-Mio-Brücke wird endgültig beerdigt – und noch einmal richtig teuer

20-Mio-Brücke wird endgültig beerdigt – und noch einmal richtig teuer

Es gibt Augenblicke in den bisweilen endlos langen, zähen Sitzungen der Hofheimer Kommunalpolitiker, in denen der Blitz der Erkenntnis mit einer derartigen Wucht einzuschlagen scheint, dass man fast das Donnern über dem Rathaus grollen hören kann. So geschehen an diesem Dienstag, es war kurz vor 20 Uhr: Im Bau- und Planungsausschuss stand das Mega-Projekt „Fuß- und Radbrücke“ auf der Tagesordnung. Das Urteil erging diesmal prompt und einstimmig: Das Millionenprojekt wurde beerdigt. Wie im echten Leben gilt allerdings auch hier: So eine Beerdigung wird noch einmal richtig teuer. Diesmal sogar richtig, richtig teuer.

Es geschah nach einer ziemlich intensiven Diskussion über das Gewerbegebiet Wallau Ost III (darüber wird noch berichtet; das Gewerbegebiet kommt bestimmt, es dauert nur in Hofheim immer ein bisschen länger): Dann kam im Bau- und Planungsausschuss das Brückenthema dran. Zum allseitigen Verständnis müssen wir kurz zurückblenden:

Vor drei Jahren, im Juli 2023, war’s, da beschlossen die Stadtverordneten voller Tatendrang, dass der Magistrat die Planung einer neuen Fuß- und Radbrücke starten möge. Um das Ganze politisch abzusichern, wurde sogleich eine „interfraktionelle Arbeitsgruppe“ gegründet — auf gut Deutsch: Das Projekt wurde hinter verschlossenen Türen ausbaldowert, weit weg von lästigen Bürgerfragen.

Vom eigenen Mut und pompösen Skizzen regelrecht berauscht, präsentierte man schließlich das Arbeitsgruppenergebnis: Eine Brücke, breit wie eine Landstraße, exklusiv für Fußgänger und Radfahrer, sollte den Ortsteil Marxheim mit der Kernstadt verbinden. Ein Monumentalbauwerk von gigantischen Ausmaßen: 263 Meter lang, bis zu 8 Meter hoch und 5 Meter breit. Das Bauwerk sollte sich in kühnem Schwung über die Landesstraße L 3011, über die Bahngleise und die Hattersheimer Straße schwingen, um dann in einer weiten, eleganten Schleife im Park hinter dem Rathaus sanft zu „landen“.

Brücke
An solchen Bildern berauschten sich Hofheims Stadtverordnete in geheimen Sitzungen – und genehmigten die 20-Millionen-Brücke. Hier die geplante „Landung“ hinterm Rathaus. Jetzt müssen sie Fördergelder in sechsstelliger Höhe zurückzahlen.

Was 2022 noch als überschaubare 5-Millionen-Idee durch die Köpfe geisterte, entwickelte sich in den Folgejahren rasend schnell zum finanzpolitischen Höhenflug. Bis Anfang 2025 schossen die kalkulierten Gesamtkosten auf sagenhafte 20 Millionen Euro hoch.

Entsetzen in der Bürgerschaft? Na klar! Gelassenheit bei unseren Stadtverordneten? Aber hallo! „Wir haben’s ja“, schien die unerschütterliche Überzeugung zu lauten. Die Vergabe der Planung kostete zwar rasch Beträge im saftigen sechsstelligen Bereich, aber was soll’s: Es winkten schließlich satte Zuschüsse aus Wiesbaden.

Fuß- und Radbrücke: Das kalte Erwachen und die teure Zeche

Im Dezember 2025 war’s dann schlagartig vorbei mit der fröhlichen Brückenbauerei. Ein nüchterner Blick in die Stadtkasse offenbarte ein erschreckend tiefes, schwarzes Loch. Kein Geld mehr da.

Und wie entscheiden Stadtverordnete, wenn das Geld weg ist und eine echte Entscheidung wehtun könnte? Richtig: Sie entscheiden erst einmal gar nicht. Sie vertagten das Thema, stoppten damit die weiteren Planungen. Zeit schinden im Nebel der Unverbindlichkeit.

Nun aber hat der Bau- und Planungsausschuss den Stecker gezogen und das Projekt endgültig beerdigt. Die eigentliche Pointe dieser Hofheimer Posse folgte jedoch auf dem Fuß:

Das Scheitern kommt die Stadt teuer zu stehen. Statt warmer Geldregen aus Fördermitteltöpfen gibt es eine saftige Quittung: 125.800 Euro an bereits ausgezahlten Landeszuschüssen müssen jetzt zurückgezahlt werden.

Achtstellig geträumt, null Meter gebaut, sechsstellig draufgezahlt — Hofheimer Kommunalpolitik in Reinkultur.

TR

Ein Gedanke zu “20-Mio-Brücke wird endgültig beerdigt – und noch einmal richtig teuer

  1. Ja, richtig: „Um das Ganze politisch abzusichern, wurde sogleich eine „interfraktionelle Arbeitsgruppe“ gegründet — auf gut Deutsch: Das Projekt wurde hinter verschlossenen Türen ausbaldowert, weit weg von lästigen Bürgerfragen.“

    Aber nicht ganz richtig: „Im Dezember 2025 war’s dann schlagartig vorbei mit der fröhlichen Brückenbauerei. Ein nüchterner Blick in die Stadtkasse offenbarte ein erschreckend tiefes, schwarzes Loch.“

    Das Erschrecken in diesem Geheim-Ausschuss, das muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, trat schon deutlich früher ein: Angesichts der prognostizierten Baukosten strich der Arbeitskreis die von den Planern vorgesehene Aufzugsanlage und sparte damit mehrere Millionen Euro ein. Damit gelang es, die geschätzten Baukosten auf 21,2 Mio. Euro zu drücken.

    Aber – auch dies muss zur Schande der Arbeitsgruppe gesagt werden: Damit war die beschlossene Variante nicht mehr barrierefrei nach DIN 18040 und war daher eigentlich auch nicht förderfähig. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention und dem deutschen Behindertengleichstellungsgesetz müssen öffentliche Wege, Plätze und Straßen und öffentliche zugängliche Verkehrsanlagen barrierefrei gestaltet werden. Das war hier nicht der Fall.

    Auch die Folgekosten dieses Brückenbauwerks wurden nicht bedacht: Zinsen, Abschreibungen, Unterhaltungskosten usw. hätten sich auf jährliche Kosten von über 1,2 Mio. Euro summiert. Zum Vergleich: Das Stadtmuseum kostet uns 0,6 Mio. Euro im Jahr – gerade mal die Hälfte der jährlichen Kosten dieser Brücke.

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