Das wohl teuerste Klo der Stadt – warum Pinkeln hier jetzt einen Euro kostet

Das wohl teuerste Klo der Stadt – warum Pinkeln hier jetzt einen Euro kostet

Herrschaftlich thronen war gestern, heute herrscht hier gähnende Leere: Erst vor einem Jahr feierte die Stadt noch die sündhaft teure Sanierung der Toiletten im Hof Ehry – jetzt sind sie meistens verriegelt und verrammelt. Warum das 275.000-Euro-Örtchen zur unzugänglichen Investitionsruine verkommt: eine Abrechnung.

Es war der ganze Stolz des früheren Beigeordneten – und wenn das Gedächtnis der Chronisten uns nicht täuscht, war’s wohl auch sein einziger Erfolg in sechsjähriger Amtszeit. Die Sanierung der Toiletten-Anlage im Hof Ehry konnte SPD-Stadtrat Bernhard Köppler im Juli letzten Jahres mit großem Tamtam abschließen. Satte 275.000 Euro hatte er dafür aus der Stadtkasse entnommen. Ein wahres Schnäppchen! Dafür bekommt man im Umland zwar auch eine kleine-feine Eigentumswohnung, aber wer will schon schnöde wohnen, wenn er feudal thronen kann?

Alles flog damals raus: Rohrleitungen, Elektrik, Bodenfliesen. „Großzügiger gestaltet“ sei jetzt alles, jubelte das Rathaus in einer Pressemitteilung, inklusive Lüftungsanlage, Notruf und Wickeltisch für Babys. Für die Statistik-Fans: Fünf WCs für die Damen, zwei für die Herren plus vier Urinale – barrierefrei, versteht sich. Das Ganze sollte, so das unvermeidliche Politiker-Sprech, „dem historischen Ensemble wieder Leben einhauchen“.

Sie schrieben das wirklich. Im Ernst.

Heute, nur ein Jahr später, ist von diesem „Leben“ nichts mehr zu spüren. Hof Ehry soll demnächst womöglich versilbert werden – so lautet zumindest eine Forderung aus der Politik. Der Grund: Die Stadt ist total blank, für den Rest der Sanierung ist schlicht kein Cent mehr da. Geblieben ist das wohl teuerste stille Örtchen der Region – ein Luxus-Asyl für Spinnweben.

Denn der Spaß hat längst ein Ende. Wer glaubt, er könne nach dem Genuss eines Kaltgetränks in der Altstadt mal eben schnell das Köppler-Gedächtnis-Klo aufsuchen, irrt gewaltig. Die Türen sind verrammelt – die Unterhaltung des Sanitärpalastes ist der Stadt schlicht zu teuer. Aufgeschlossen wird nur noch bei größeren Veranstaltungen.

Das fiel kürzlich schmerzhaft auf, als Food-Trucks auf dem Kellereiplatz gastierten. Als Platzmiete musste der Veranstalter der Stadt 1.500 Euro zahlen, plus 158 Euro Verwaltungsgebühren. Der Clou folgte im Kleingedruckten: Noch einmal 100 Euro pro Tag schlug das Rathaus obendrauf – nur für das exklusive Privileg, die Luxus-WCs überhaupt aufschließen zu dürfen.

Dieser saftige Mietpreis war indessen nur der Anfang. Die Stadt verlangte vom Veranstalter auch die Reinigung auf eigene Kosten, dazu Endputz und die Bereitstellung von Toilettenpapier und Handtüchern. Als kleines Trostpflaster erlaubte das Rathaus, von den Bürgerinnen und Bürgern Eintritt zu verlangen. Bis zu einem Euro kostet der Gang aufs hochsubventionierte Töpfchen. Ein Euro fürs kleine Geschäft – da wird das Pinkeln zum Luxus-Investment.

Klo
Kein Scherz: Die Benutzung der sündhaft teuer sanierten Toiletten im Hof Ehry kostet einen Euro. Alternativ lockt das Spar-Angebot: der „Pipi-Pass“ für zehn Toilettengänge zum Schnäppchenpreis von 5 Euro.

So bleibt von Köpplers einzigem Denkmal nur die bittere Erkenntnis, dass hier für eine Viertelmillion Euro an Steuergeldern ein Klo gebaut wurde, das sich die Stadt im Alltag gar nicht leisten kann – und dessen Benutzung die Hofheimer jetzt auch noch extra bezahlen müssen.

Immerhin beweist das Rathaus in der Krise echten Bürgerservice und hat einen ganz heißen, völlig kostenlosen Ratschlag für alle Notdürftigen parat: Wer dringend muss, möge doch bitte einfach woanders hingehen – zum Beispiel auf die Gratis-Anlagen am Untertor oder am Busbahnhof (auch wenn einen dort eher der herbe Charme der Verwahrlosung erwartet).

Das ist sie also, die Botschaft der Kreisstadt Hofheim am Taunus, 275.000 Euro später: Bitte pinkeln Sie woanders!


Unser Bild oben zeigt den Trakt von Hof Ehry mit den städtischen Toilettenanlagen: links die Tür für Männer, rechts für Frauen – beide verriegelt und verrammelt.


TR

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