Viele Visionen, wenig Geld: Hofheim verabschiedet sich von Prestige-Ideen

Viele Visionen, wenig Geld: Hofheim verabschiedet sich von Prestige-Ideen

Es gab einmal eine Zeit, da sprudelten die Ideen an der Stadtspitze in Hofheim nur so. Manche davon waren – sagen wir es freundlich – ziemlich ambitioniert. Andere eher… nun ja: kreativ. Und bei einigen darf man im Nachhinein wohl dankbar sein, dass sie irgendwann wieder in der Schublade verschwanden. Heute hat sich das Problem verschoben: Nicht mehr der Ideenreichtum setzt Grenzen, sondern die klamme Stadtkasse. Leider trifft das jetzt auch Projekte, die durchaus Sinn ergeben würden.

Erinnern Sie sich noch an ein CDU-Wahlkampfthema von vor fünf Jahren? Damals sollte ein sogenannter „City Tree“ her. Klingt nach einem lebendigen Baum, war aber in Wahrheit eine Art technische Moosmaschine: mit Pflanzen, Filtern und allerlei Technik gefüllt, angeblich gut für die Luft in der sommerlichen Hitze auf dem betonreichen Kellereiplatz. Kostenpunkt: etliche Zehntausend Euro.

Die Idee hielt allerdings nicht lange durch. Als sich herausstellte, dass die Wirkung dieser Geräte eher überschaubar ist, verschwand der City Tree ziemlich schnell wieder im politischen Komposthaufen.

Ganz aufgeben wollte man die Sache mit der Förderung des Landes allerdings nicht. Die CDU-geführte Regierung in Wiesbaden hatte dem damaligen CDU-Bürgermeister immerhin rund 200.000 Euro Zuschuss in Aussicht gestellt. Und Fördergelder lässt man bekanntlich ungern verfallen. Also musste schnell eine neue Idee her.

Die nächste Vision: Riesenschirme für den Untertorplatz. Und weil Hofheim das Besondere mag, sollten es – natürlich – umgedrehte Schirme sein. Groß, spektakulär und garantiert ein Blickfang.

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Ein Planungsbüro entwarf für viel Geld Pläne, wie Regenschirme auf dem Untertorplatz aussehen könnten.

Als die Pläne öffentlich wurden, folgte allerdings kein Begeisterungssturm, sondern eher ein kollektives Stirnrunzeln. Die Kritik war deutlich – und so packte die Stadtspitze die Riesenschirme bald wieder ein. Dass bis dahin bereits Geld für ein Planungsbüro ausgegeben worden war? Nun ja: Damals hatten wir’s ja noch.

Aber wohin nun mit den Landesmitteln? Der damalige Bürgermeister hatte rasch eine neue Idee parat. Inspiriert, wie er selbst offen einräumte, von der Ortsbeiratsvorsitzenden der Kernstadt, einer Parteifreundin, entstand im Rathaus ein neuer Plan: ein Dach für das Wasserschloss.

Und das klang tatsächlich gar nicht schlecht. Ein Dach aus Hightech-Materialien, getragen von Stützen, das sich öffnen und schließen lässt. Darunter – geschützt vor Sonne und Regen – sollten in der historischen Anlage kulturelle Veranstaltungen stattfinden: Konzerte, Märkte, vielleicht sogar der Weihnachtsmarkt.

Ein schöner Plan. Einer, der fast schon greifbar schien. Doch nun muss die Kreisstadt Hofheim am Taunus auch diesen Traum erst einmal begraben. Zwar hätte das Land 80 Prozent der Kosten übernommen – doch den Rest hätte die Stadt selbst tragen müssen. Und daran scheitert es nun.

Aus dem Rathaus heißt es kurz und knapp: „Aufgrund der Priorisierung von Haushaltsmitteln ist eine Umsetzung des Projekts derzeit nicht absehbar.“

Auch ein zweites Vorhaben, das die Innenstadt verändern sollte, liegt nach Auskunft der Stadtverwaltung inzwischen auf Eis. Ein großer Baum sollte mitten auf dem Untertorplatz gepflanzt werden – kräftig, schattenspendend und ein neues grünes Herz für den Platz. Mehrere zehntausend Euro hätte das gekostet.

Die Vorarbeiten seien längst erledigt, heißt es aus der zuständigen Abteilung im Rathaus. Das Projekt sei praktisch startbereit.

Allein: Es fehlt das Geld.

Idee
Ein neuer Baum auf dem Untertorplatz – von der KI im Handumdrehen aufgestellt. In der Realität wird es noch dauern, bis er tatsächlich dort steht.

Und so bleibt der Baum vorerst ein Plan auf dem Papier. Ein Startzeitpunkt für die Pflanzaktion sei derzeit nicht absehbar.

In Hofheim ist man eben inzwischen vorsichtiger geworden mit großen Ideen. Man könnte auch sagen: Die Schubladen im Rathaus sind derzeit gut gefüllt.


Unser Bild oben zeigt Stadtverordnete vor zwei Jahren bei der Besichtigung des Wasserschlosses, als ihnen Zukunftsspläne der Stadtverwaltung vorgestellt wurden.


HN/TR

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