Altstadtverein warnt: Sommer ohne Wasser macht Hofheim noch ärmer

Altstadtverein warnt: Sommer ohne Wasser macht Hofheim noch ärmer

Die stillgelegten Brunnen und trockenen Bachläufe in Hofheim am Taunus sorgen für wachsenden Unmut. Offiziell hat die Stadtverwaltung aus Kostengründen das Wasser abgestellt – doch die Kritik daran wird lauter. Nun meldet sich auch die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt zu Wort und zeigt völliges Unverständnis: Aus ihrer Sicht gäbe es durchaus Wege, die Betriebskosten zu decken. Ohne Wasser, so die Kritik, verliere die Altstadt spürbar an Lebendigkeit – und wirke „noch ein Stück ärmer, als sie ist“.

Hofheim-News dokumentiert die Mitteilung der Altstadtvereinigung im Wortlaut:

Sommer, Sonne, Hitze – und kein Wasser in der Stadt? Diese Aussicht sorgt im Vorstand der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt für ärgerliches Kopfschütteln. Auch wenn die Stadtkasse leer ist, hier muss eine Lösung her.

Denn früher war Hofheim eine wasserreiche Stadt. Acht Laufbrunnen versorgten die Altstadt. Sie liefen ununterbrochen, versorgten Mensch und Tier. „Historische Wasserläufe und Brunnen“ ist das Schwerpunktthema der Bürgervereinigung in diesem Jahr. Die angebotenen Führungen stoßen auf große Resonanz. Parallel dazu wird die Initiative zur Sanierung des ehemaligen Schulbrunnens in der Burgstraße – des „Gaasebrunne“ – vorangetrieben. Ein Ort mit Geschichte, der wieder sichtbar und erlebbar gemacht werden soll.

Umso unverständlicher ist die aktuelle Entwicklung: Nach vorliegenden Informationen sollen in diesem Jahr sämtliche Brunnen trocken bleiben – aus Kostengründen. Dabei ist die Bedeutung von Wasser für die Stadt heute größer denn je. Brunnen und Wasserläufe leisten einen wichtigen Beitrag zur Klimaresilienz, weil verdunstendes Wasser die Umgebung kühlt. Sie erhöhen die Aufenthaltsqualität, beleben das Stadtbild und machen die Altstadt zu einem Ort, an dem sich Menschen gern aufhalten. Kinder spielen am Wasser, Passanten verweilen – kurz: Wasser bringt Leben in die Stadt.

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Untertorplatz: Eis essen und Autos gucken – das geht. Plätscherndes Wasser gibt’s nicht mehr.
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Am Alten Bach: Der Name ist geblieben, das Wasser nicht. Brunnen und Rinne sind trocken.

Da es auch kein Geld fürs Stadtgrün gibt diesem Jahr gibt, engagieren sich die Bürgervereinigung, der Einzelhandelsverband (IHH), die Initiative „Essbare Stadt“ und die Bürgerstiftung, unterstützt durch die fachliche Begleitung der Stadtverwaltung. In einer gemeinschaftlichen Aktion werben sie Spenden ein und pflanzen selbst. Bürgerengagement ist also längst Realität.

Umso dringlicher ist nun die Aufforderung an die Stadtverwaltung, ebenfalls kreative Wege zu gehen. Es kann nicht die Lösung sein, einfach den Wasserhahn zuzudrehen. Ein konkreter Vorschlag liegt bereits auf dem Tisch: Eine angemessene Abgabe der Standbetreiber des Feierabendmarkts könnte dazu beitragen, die Betriebskosten der Brunnen und des Wasserlaufs zumindest teilweise zu sichern. Dieser Ansatz sollte ernsthaft geprüft und diskutiert werden.

Heute hingegen bietet sich ein trauriges Bild: trockene Brunnen, trockener Wasserlauf am Untertor und am alten Bach. Durch die seit Jahren ausstehende Reparatur des Brunnens an der Obermühle ist der Wasserlauf hier bereits zu einer grauen, verschmutzten Rinne verkommen, in der sich vor allem Abfall sammelt.

Denn eines ist klar: Eine Altstadt ohne Wasser verliert mehr als nur ein dekoratives Element. Sie verliert Lebendigkeit. Und die Stadt wirkt noch ein Stück ärmer, als sie ist.

HN/Fotos: Raimund Rupp

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