Glossiert: Hofheimer FDP – Politik im Latte-macchiato-Modus

Glossiert: Hofheimer FDP – Politik im Latte-macchiato-Modus

Die Stadtkasse ist leer, alle müssen sparen, und der Bürgermeister warnt vor harten Zeiten. Umso aufschlussreicher, welche Ideen und Fantasien unsere Lokalpolitiker gerade beschäftigen.

Die FDP hat es mal wieder getan: Sie hebt die Hattersheimer Straße auf die Tagesordnung, als handle es sich um ein unterschätztes Juwel der Stadt – dabei liegt dort vor allem eines: die ollen Hallen des einstigen Traditionsunternehmens Polar-Mohr. Wo heute noch Maschinen gebaut werden, sollen ab Ende nächsten Jahres zwischen Straße und Bahngleisen rund 500 Wohnungen entstehen.

Klingt nach Zukunft – riecht aber erst einmal mehr nach Bauzaun.

Unterzeichnet wurde die Anfrage von Michaela Schwarz, der FDP-Fraktionschefin im Hofheimer Stadtparlament – und ihrem Stellvertreter Ralf Weber. Weber ist Makler. Ein Detail, das man getrost als „Marketing mit eingebautem Eigeninteresse“ verbuchen darf. Man könnte auch sagen: Win-win für alle Beteiligten – nur für die Bürger bleibt’s beim Altbekannten. Viel Show, wenig Substanz.

Darum geht’s: Die FDP möchte, dass die schnöde Hattersheimer Straße zur „Hattersheimer Allee“ wird. Der Magistrat solle prüfen, ob die Straße entsprechend umgewandelt werden kann.

Die Hattersheimer Straße! Soll eine Allee werden!

Da riecht man förmlich schon den Latte macchiato unter frisch gepflanzten Stadtbäumchen. Ein cleverer Name, der die Preise hebt, bevor auch nur ein Fundament gegossen wurde. Nüchterne Realität aus Gleisen und künftigem Baustellenbetrieb trifft auf politische Fantasie: eine Fusion, die selbst Marketingprofis erröten lässt.

Dabei sollte Hofheim eigentlich ganz andere Sorgen haben: Die Stadtkassen sind ratzeleer, hat die neue Stadtspitze soeben festgestellt – ein Desaster, an dem die FDP ein gehöriges Maß Mitverantwortung trägt, saß sie doch bis vor kurzem mit in der Koalition. Statt jetzt ernsthaft über Haushaltslöcher und Sanierungsmaßnahmen zu diskutieren, verheddert man sich lieber in Straßenumbenennungen und Allee-Phantasien.

Prioritäten deluxe.

Neu ist der Antrag nicht. Schon 2023 hatte die FDP ihr Anliegen vorgebracht, wörtlich hieß es damals: „Der Magistrat wird gebeten, so schnell wie möglich eine Planung zur Neugestaltung der Hattersheimer Straße in eine Allee zu beauftragen.“ Die Formulierung wurde leicht abgewandelt, dann mit kleiner Mehrheit durchgewunken – und schnell wieder vergessen.

Der Magistrat, damals noch unter einem CDU-Bürgermeister, sagte nie wieder etwas dazu. Eine Antwort, die Bände spricht.

Nun liegt der Ball bei der neuen Stadtspitze. Greift sie ihn auf – oder lässt sie ihn erneut ins Aus rollen? Sollten Fantasie und Realität irgendwann aufeinandertreffen, dürfte die teuerste Allee der Stadtgeschichte entstehen: ohne Bäume, mit viel Marketingluft – und einer ordentlichen Portion politischer Selbstüberschätzung.

Das Bild oben zeigt die Hattersheimer Straße.

HN/TR

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