Millionenbrücke: Hofheim entdeckt das Jahr mit 533 Tagen (mit Update)

Millionenbrücke: Hofheim entdeckt das Jahr mit 533 Tagen (mit Update)

Die Hofheim-News hatten berichtet, dass die neue Rad- und Fußwegbrücke von der Kernstadt nach Marxheim stolze 21,2 Millionen Euro kosten soll. Und wir zitierten ganz korrekt aus der Magistratsvorlage: „Eine Berechnung des Nutzerpotenzials hat ergeben, dass 750 bis 1500 Personen pro Werktag bzw. 400.000 bis 800.000 Personen pro Jahr die Brücke nutzen werden.“

Klang ziemlich beeindruckend. Vielleicht sogar etwas zu beeindruckend?

Prompt meldete sich Bernd Hausmann, früher Stadtverordneter der Linken, heute Ortsbeirat in Lorsbach – und nach wie vor ein akribischer Zahlenchecker:

Rad und Fusswegbruecke
Mit einem Klick aufs Bild können Sie das PDF mit der Magistratsvorlage downloaden.

„Täglich lediglich 750 bis 1500 Nutzer bei 21,2 Millionen Euro Kosten? Das sieht auf den ersten Blick ja ziemlich unverhältnismäßig aus“, schreibt er. Vermutlich habe der Magistrat deshalb gleich mal die täglichen Nutzerzahlen aufs ganze Jahr hochgerechnet.

Hausmann weiter: „750 bis 1500 Nutzer mal 533 Tage im Jahr ergeben – so steht es in der Vorlage des Magistrats – 400.000 bis 800.000 Nutzer pro Jahr.“

Was redet der Hausmann da? Sie merken es? Da stimmt doch was nicht…

Mit einem Augenzwinkern kommentiert Hausmann: „Wenn es bei den Banken üblich war, nach der deutschen kaufmännischen Zinsmethode zu rechnen, bei der das Jahr 360 Tage hat, warum soll man nicht die Methode der Hofheimer Stadtverwaltung anwenden, bei der das Jahr eben 533 Tage hat? Wenn’s denn der Sache dient…“

Und gedient habe es ja: „Selbst die immer so gründlichen Hofheim-News haben die Fake-News des Magistrats übernommen“, witzelt Hausmann – und kann sich den Schluss nicht verkneifen:

„Nun können wir auch erahnen, wieso unsere Rechenkünstler im Rathaus den städtischen Haushalt in den Sand gesetzt haben…“

Ach ja: Die richtige Zahl der jährlichen Nutzer einer Millionen teuren Fuß- und Radwegbrücke dürfte deutlich niedriger liegen als erhofft: 750 bis 1500 Nutzer × 365 Tage ergeben 273.750 bis 547.500. Und selbst das dürfte übertrieben sein: Der Magistrat schreibt in seiner Vorlage von Werktagen, das sind rund 250 im Jahr – dann fällt die Zahl möglicher Nutzer auf 187.500 bis 375.000.

Von Bedeutung ist das alles nicht mehr: An diesem Mittwoch, 10. Dezember, tagt das Stadtparlament (ab 18 Uhr, Stadthalle – öffentlich). Dann soll angesichts „der dramatischen Finanzsituation“ (O-Ton Bürgermeister Schultze) das Brückenprojekt in eine lange Pause geschickt werden. Vor 2027 kommt das Thema garantiert nicht wieder auf den Tisch.

Update am 9. Dezember

Die Stadtverwaltung hat nun erklärt, wie sie auf die 800.000 Rad- und Fußweg-Nutzer pro Jahr kommt – und die Rechnung ist … kreativ.

Gezählt wurde nämlich nur an einem einzigen Februartag. Ja, mitten im Winter, wenn die meisten lieber frieren als radeln. Die Erhebung lieferte die Firma „Zentrum für integrierte Verkehrssysteme GmbH“.

Damit die Zahl trotzdem imposant aussieht, griff die Stadt auf Daten der Radverkehrsdauerzählstelle von Hessen Mobil in Marxheim zurück. Ergebnis: ein Hochrechnungsfaktor von 530.

Und damit wird aus einem frostigen Februartag im Nu ein Jahresvolumen von rund 790.000 Nutzern. Beispielrechnung: 1.500 × 530 = 790.000. Abrakadabra!

Warum man für eine Brücke, die über 21 Millionen Euro kosten soll, nicht einfach ein paar repräsentative Tage zählte, bleibt dagegen ein Rätsel. Hauptsache war wohl, die Zahl klingt beeindruckend.

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