Jetzt wird’s spannend: Bertelsmann interessiert an Wallau Ost III

Jetzt wird’s spannend: Bertelsmann interessiert an Wallau Ost III

Zum geplanten Gewerbegebiet Wallau Ost III gibt es neue Entwicklungen: Wie die Hofheim-News erfahren haben, zeigt der international tätige Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann aus Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) Interesse an einem Standort hier. Geplant ist, dass der Geschäftsbereich Arvato im kleinen Hofheimer Stadtteil seine Produktion aufnimmt – ein weltweit agierendes Unternehmen, das für andere Firmen Prozesse wie Kundenservice, Logistik und IT-Services übernimmt.

Schon für nächste Woche, heißt es im Rathaus dazu, sei ein erstes Treffen mit den Arvato-Verantwortlichen vereinbart: am Mittwoch, 10. Dezember, wenige Stunden vor einer Sitzung des Stadtparlaments.

Auf Nachfrage bestätigt der Frankfurter Projektentwickler Lang & Cie unsere Informationen. Das Bertelsmann-Unternehmen wolle in Wallau eine Produktion ansiedeln: Fachkräfte sollen dort Komponenten für Rechenzentren zusammenbauen. Mit 40 bis 60 Lkw-Fahrten pro Tag sei zu rechnen. Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass der Konzern seinen Geschäftssitz nach Hofheim verlegt.

Lang & Cie will bekanntlich in Wallau Ost III einen gigantischen Hallenkomplex errichten. 67.000 Quadratmeter Mietfläche in zwei Bauten. Bis zu 16 Meter hoch. Investitionssumme: 125 Millionen Euro. Nutzung: bisher offen.

Die Pläne sorgen in der Region für aufgeregte Diskussionen: Neben den Eingriffen in Landschaft und Natur und dem Verlust wertvoller Ackerflächen befürchten viele Anwohner aus Diedenbergen und Wallau, dass ein Logistikunternehmen täglich hunderte Lkw-Bewegungen verursachen könnte – mit Lärm und Emissionen.

Wallau
Nur eine Simulation: Zwei gewaltige Hallenbauten, dazwischen der Ladehof – so stellt sich der Investor Wallau Ost IIO vor. IM Hintergrund sieht man, KI macht’s möglich, das Dörfchen Wallau und den Hügel nach Wildsachsen.

Peter Kunz vom Vorstand von Lang & Cie versucht diese Bedenken zu zerstreuen. Auf Nachfrage bestätigt er unsere Information: Ja, es gebe einen Letter of Intend mit einem großen Bertelsmann-Unternehmen, also eine Absichtserklärung. Und ja, man werde sich demnächst mit der Stadtspitze treffen und die Möglichkeit einer Ansiedlung erörtern.

Bei Arvato handelt es sich um einen internationalen Dienstleister innerhalb des Bertelsmann-Konzerns, der für große Unternehmen Aufgaben wie Kundenservice, Logistik, IT-Dienstleistungen und das Management komplexer Lieferketten übernimmt. Mit weltweit rund 90.000 Beschäftigten gehört Arvato zu den größten Dienstleistern seiner Branche. Im Jahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von etwa 3,8 Milliarden Euro und zählt damit zu den wirtschaftlich bedeutenden Säulen des Bertelsmann-Konzerns.

Wallau Ost III wird zum Balanceakt der Lokalpolitik

Kunz nennt weitere Einzelheiten zum Stand der Planung: Ein inzwischen vorliegendes Verkehrsgutachten hat festgestellt, dass die Autobahnauffahrt bei Ikea an ihre Leistungsgrenze gelangt ist. Deshalb wird die Autobahnauffahrt bei Diedenbergen empfohlen. Um den Stadtteil möglichst wenig zu belasten, soll eine Straße zu dem – ebenfalls in Planung befindlichen – Gewerbegebiet „In der Lach“ gebaut werden. Kunz versichert: Die Kosten dafür trägt der Investor, nicht die Stadt.

Die Hofheimer Stadtpolitik steht jetzt vor einem schwierigen Balanceakt: Einerseits gibt es starke Bedenken gegen die Halle. Andererseits braucht Hofheim dringend neue Einnahmen – die Stadt steht am Rande der Zahlungsunfähigkeit.

Lang & Cie würde, wenn die Planung abgenickt wird, die Grundstücke in dem neuen Gewerbegebiet kaufen, um die Hallen zu bauen – entsprechende Vorverträge wurden bereits geschlossen. Die Stadt besitzt in dem Gebiet Ackerflächen, die bei einem Verkauf viel Geld in die Stadtkasse spülen würden – knapp drei Millionen, hat man im Rathaus errechnet.

Hinzu kommen Grundsteuereinnahmen. Im Rathaus hat man ganz vorsichtig gerechnet und kommt auf etwa 140.000 Euro im Jahr. Allerdings wird derzeit wegen des Millionen-Lochs in der Stadtkasse intensiv über eine Erhöhung der Grundsteuer nachgedacht. Dann würde die Stadt mit Wallau Ost III entsprechend mehr einnehmen.

Hinzu kommt die Gewerbesteuer. Die Investoren geben optimistisch zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Euro pro Jahr an, was aber „mit äußerster Vorsicht zu betrachten“ ist, wie man im Rathaus betont. Sollte Arvato allerdings auch zentrale Management-Bereiche nach Hofheim verlegen, könnten die Einnahmen höher ausfallen.

Viele Details sind noch offen. Hinzu kommt der politische Faktor: Im März 2026 stehen Kommunalwahlen an. Die CDU in der Kreisstadt taumelt derzeit führungs- und orientierungslos durch die Stadtpolitik. Sie tut sich schwer mit einem klaren Bekenntnis, die Christdemokraten wollen es sich mit den Menschen in Diedenbergen und Wallau nicht verscherzen. 

Die Grünen sehen zwar die Notwendigkeit der Stadt, die Finanzen aufzubessern. Aber ein Großteil ihrer Klientel ist notorisch gegen eine Bebauung weiterer Ackerflächen, und mit denen will es sich die Stadt-Partei natürlich nicht verderben.

Die Stadtpolitik bewegt sich nun auf dünnem Eis: Die Entscheidung über Wallau Ost III soll möglichst erst nach der Wahl fallen – doch wie lässt sich das verzögern, ohne den Investor zu verärgern oder gar zu verlieren?

Quelle: HN/TR

© 2025 Hofheim-News | IMPRESSUM | DATENSCHUTZERKLÄRUNG