Waldgaststätte Meisterturm: Die erste Abrissgenehmigung liegt jetzt vor

Waldgaststätte Meisterturm: Die erste Abrissgenehmigung liegt jetzt vor

Die Stadtverwaltung hat den Hofheim-News bestätigt: Für zwei Gebäude am Meisterturm liegt nun die Abrissgenehmigung vor. Das stark beschädigte Wohnhaus und die alte Scheune sollen demnach demnächst zurückgebaut werden. Doch was danach mit dem Areal passiert – und insbesondere mit dem Gebäude der Waldgaststätte – ist weiterhin völlig offen. Wir waren vor Ort, haben uns umgesehen und berichten, wie sich die Lage vor Ort darstellt.

Lost Place – aber alles andere als romantisch

Es gibt Orte, die trägt man wie Postkarten im Kopf. Man besucht sie besser nicht erneut, weil die Wirklichkeit die Erinnerung nur beschädigen würde. Der Meisterturm ist inzwischen genau so ein Ort.

Wer heute den Kapellenberg hinaufsteigt, findet keinen romantischen „Lost Place“, sondern ein Symbol dafür, wie eine Stadt einen ihrer beliebtesten Orte verloren hat – langsam, achtlos, beinahe widerstandslos.

Was jahrzehntelang Ausflugsziel und Treffpunkt war, ist heute nur noch ein trauriger Schatten früherer Tage: eine verfallene Waldgaststätte, dahinter ein windschiefes Wohnhaus und eine Scheune am Rand des Zusammenbruchs.

All das wäre vielleicht hinzunehmen, wenn klar wäre, was danach kommen soll.

Doch genau daran fehlt es.

Meisterturm-Zukunft: Abriss? Ja. Plan? Nein.

Nun heißt es wieder einmal, es werde nicht mehr lange dauern. Dann sollen die Bagger anrücken, und die Abbrucharbeiten beginnen. Das Rathaus teilt auf Nachfrage mit: „Die Abbruchgenehmigung für die Gebäude am Meisterturm liegt nun vor.“

Es betrifft das Wohnhaus, das diese Bezeichnung längst nicht mehr verdient, und auch die angrenzende Scheune, die eher ein Schuppen ist. Beide liegen etwas versteckt hinter der eigentlichen Waldgaststätte. Sie können schon lange nicht mehr genutzt werden. Niemand wird ihnen nachweinen. Sie sind zwei von vielen sichtbaren Zeichen einer Stadt, die ein Filetstück des Stadtwaldes Stück für Stück dem Verfall überließ.

Die Stadtverwaltung: „Eine Firma wurde bereits beauftragt.“

Meisterturm
Das Wohnhaus hinter der Waldgaststätte. Seit Jahren lässt die Stadt es verfallen.

Und die Waldgaststätte? Dasselbe Bild. Wiederholt kritisierten Stadtpolitiker den Zustand. Doch der Magistrat reagierte bestenfalls mit wohlfeilen Worten.

Schon vor fast drei Jahren hieß es, man sei „an einer Fortführung des Gaststättenbetriebs interessiert“ und wolle „sorgfältig und nicht schnell“ vorgehen.

Die Verantwortlichen sind nicht mehr im Amt. Das Ergebnis ihres Wirkens ist heute sichtbar: Vermoderte Holzverkleidungen, ausgeräumte Fensterhöhlen, eine Stimmung wie nach einer überstürzten Flucht.

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Das langjährige Pächter-Ehepaar Markus und Barbara König, über viele Jahre das Gesicht und Herz des Meisterturms, erhielten von einem Rathausjuristen schriftlich die Aufforderung, „die Pachtsache (inklusive sämtlicher Schlüssel) spätestens am 30.06.2025 zurückzugeben“.

Sachlich formuliert, gefühlt herzlos. Ein Akt der Verwaltung, kein Akt der Wertschätzung.

Den Stadtverordneten wurde gleichzeitig versprochen: „Die Erstellung eines Gesamtkonzeptes für das gesamte Areal/Ensemble ist bis Sommer 2024 in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Bauvoranfrage vorgesehen.“

Heute steht fest: Es existiert kein Gesamtkonzept.

Wenn nach dem Auszug der Königs wenigstens schnell gehandelt worden wäre! Doch nichts geschah. Seit Mitte dieses Jahres herrscht oben am Meisterturm Stillstand. Ein halbes Jahr Totentanz – abgesehen von einer gelegentlichen Pop-up-Bewirtung aus dem Container.

Warum durfte das bewährte Pächterteam nicht einfach weitermachen, bis klar ist, wie es weitergehen soll? Eine Frage, auf die es wohl keine Antwort mehr gibt.

Wg. Amprion: Behelfsstraßen durchziehen Kapellenberg

Fest steht: Bis heute liegen weder konkrete Planungen noch Kostenaufstellungen für eine neue Waldgaststätte in der Stadtverwaltung vor.

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Die leerstehende Waldgaststätte vom Meisterturm aus fotografiert. Rechts im Bild ist der Schuppen zu sehen, der bald abgerissen werden soll. Oben im Bild sind die provisorischen Straßen zu erkennen, die Amprion im Stadtwald angelegt hat.

Fairerweise muss gesagt werden, dass Bürgermeister Wilhelm Schultze erst seit September im Amt ist – sein Erster Beigeordneter Daniel Philipp übernahm das Thema vor wenigen Wochen, nachdem der damalige SPD-Stadtrat ausgeschieden war.

Schultze wie Philipp ist also kein Vorwurf zu machen. Gleichwohl wird – nicht heute, aber alsbald – von ihnen verlangt, das sie Antworten liefern.

Im Rathaus heißt es jetzt, dass der Abriss des Gaststättengebäudes „nun in Planung“ sei. Dass es allerdings auch Auflagen gebe, die beachtet werden müssen – beispielsweise eine „archäologische Begleitung“ bei allen Abbrucharbeiten. zudem sind, was die Sache bestimmt nicht einfacher macht, die Arbeiten „hinsichtlich Logistik und Anfahrt mit den Tätigkeiten der Amprion zu koordinieren“.

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Nur einen Steinwurf vom Meisterturm entfernt: Eine Amprion-Bohrstelle mitten im Stadtwald.

Das muss man kurz erklären: Amprion bereitet aktuell bekanntlich die Verlegung eines Stromkabels von der Nordsee bis in die Rhein-Main-Region vor. Der Kapellenberg steht im Weg – für die Stromtrasse müsste viel Wald geopfert werden. Um herauszufinden, ob das Kabel auch unterirdisch durch den Berg geschoben werden könnte, finden aktuell Bohrungen statt. Dafür wurden bereits Schneisen geschlagen, viele Fahrzeuge durchqueren den Wald, für Spaziergänger sind Wege abgesperrt…

Auch rund um den Meisterturm wurden provisorische Straßen quer durch den Stadtwald angelegt. Und direkt neben dem Gelände des Meisterturms wurde eine Bohrstelle eingerichtet.

Was kann aus den einst großen Plänen noch werden?

Die entscheidende Frage bleibt: Wenn demnächst das einst beliebte Ausflugsziel endgültig dem Erdboden gleichgemacht ist – wie geht es dann weiter?

Im Rathaus verweist man auf eine Mitteilung des Magistrats, die bereits im Mai verschickt worden war. Damals hieß es: „Ein Haus der Michelsberger Kultur, ein Haus des Waldes und ein brandneues Ausflugslokal – das alles wird in den kommenden Monaten auf dem Hofheimer Kapellenberg entstehen.“

Es klang nach Aufbruch. Doch das war nur die Vision des alten Bürgermeisters. Die Stadtkasse, die er hinterließ, ist leer. Ein Millionenloch klafft. Niemand weiß, was sich Hofheim in den kommenden Jahren überhaupt noch leisten kann – geschweige denn am Kapellenberg.

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Verfall, wohin man schaut. Auch der Meisterturm selbst, 1930 eingeweiht und ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Kreisstadt, wirkt heruntergekommen und vernachlässigt.

So steht der Meisterturm heute da: als Mahnmal einer verpassten Chance. Als Symbol für groß gedachte Pläne, die im Nebel der Finanznot verschwimmen.

Es ist ein Ort, der einst Lebensfreude ausstrahlte – und nun vor allem eines zeigt:

Ratlosigkeit.

Quelle HN/TR – Foto: Raimund Rupp, Gerd Frönd

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