Millionen Schulden – und Millionen für Externe: Hofheim legt die Berater-Akte offen

Millionen Schulden – und Millionen für Externe: Hofheim legt die Berater-Akte offen

Es sind ein Dutzend Seiten, eng bedruckt mit 375 Einzelposten. Erst vor Kurzem veröffentlichten wir einen Bericht zur Frage, wo das viele Geld der Stadt geblieben ist [hier] – jetzt liegt uns eine Rathaus-Akte vor, die eine erste Teilantwort liefert. Ausgewertet wurden alle Ausgaben für externe Berater, Gutachter und Rechtsanwälte aus den Jahren 2024 bis 2026. Die Tabellen zeigen ein drastisches Bild: Einerseits kämpft Hofheim mit teuren juristischen Altlasten und den Nachwehen einer IT-Umstellung, andererseits zeigt sich eine tiefe strukturelle Abhängigkeit von externem Know-how. Tauchen wir ein in diese Zahlenwüste – und schauen uns an, wohin das Hofheimer Geld im Detail geflossen ist.

Um die Dimensionen der Auswertung richtig einordnen zu können, hilft ein Blick auf den finanziellen Zustand der Kreisstadt: Hofheim hat in den vergangenen Jahren deutlich über seine Verhältnisse gelebt und einen beträchtlichen Schuldenberg angehäuft. Vor diesem Hintergrund muss jeder ausgegebene Euro für externe Dienstleister genau hinterfragt werden.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte deshalb im Juni auf Antrag der CDU den Magistrat beauftragt, alle externen Dienstleistungen, die pro Zahlungsempfänger und Jahr über 10.000 Euro kosteten, auf den Tisch zu legen. Dass dabei nicht nur Einzelrechnungen, sondern über das Jahr kumulierte Beträge erfasst wurden, macht den tatsächlichen Mittelabfluss klar erkennbar.

Die vorgelegten Zahlenkolonnen zeigen ein Bild, das stark von Großprojekten, juristischen Schieflagen und IT-Migrationen geprägt ist. Die jährlichen Gesamtsummen für fremde Beratungs- und Gutachterkosten verdeutlichen den enormen Aufwand:

  • 2024 wurden rund 922.378 Euro ausgegeben.
  • 2025 waren es stolze 2,07 Millionen Euro (vor allem getrieben durch den juristischen Vergleich zu Vorderheide II).
  • 2026 fielen bereits bis Jahresmitte rund 211.494 Euro an.

Damit summieren sich die ausgewiesenen Beträge auf rund 3,21 Millionen Euro. Der mit Abstand größte Posten schlägt im Jahr 2025 zu Buche. Allein im September 2025 wurde an die (inzwischen liquidierte) „Entwicklungsgesellschaft Hofheim mbH & Co.“ eine Vergleichszahlung von 1,3 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Schiedsverfahren „Vorderheide II“ überwiesen. Rechnet man die Verfahrenskosten des Deutschen Instituts für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) in Höhe von gut 99.400 Euro sowie weitere Anwaltskosten hinzu, verschlang allein dieser Komplex weit über 1,4 Millionen Euro.

Solche Summen zeigen, welches finanzielle Risiko juristische Auseinandersetzungen im städtebaulichen Bereich bergen – vor allem für eine ohnehin klamme Kommune. Ohne die Vergleichszahlung von 1,3 Millionen Euro hätte die ausgewiesene Summe 2025 bei rund 752.338 Euro gelegen und damit unter dem Wert des Jahres 2024.

Teure Systemwechsel: Fachkräftemangel treibt IT-Kosten

Im Jahr 2024 vollzog die Stadt den Wechsel ihrer Finanzsoftware auf DATEV Kommunal. Allein im Umstellungsjahr 2024 kostete die DATEV eG die Stadt knapp 171.912 Euro. Auch in den Folgejahren 2025/26 schlugen Supportleistungen mit rund 150.000 Euro zu Buche.

Hinzu kommt der Einsatz spezialisierter IT-Berater wie der One IT GmbH, die 2024 und 2025 weitere 200.000 Euro kosteten.

Hier wird ein massives strukturelles Problem erkennbar: Die Verwaltung räumt offen ein, dass ihre Stellenausschreibungen im IT-Bereich fehlschlugen – es konnte kein geeignetes Personal gefunden werden. Obwohl Mittel im Stellenplan vorhanden waren, mussten die Gelder für teure externe Dienstleister aufgewendet werden, um den laufenden Betrieb sicherzustellen.

Planungsmarathon: Rechtsberatung und städtebauliche Verträge

Komplexe Bauleitplanverfahren (wie die Bebauungspläne „Jungehag“ oder „Hattersheimer Straße“) sowie Konzeptvergabeverfahren (z. B. für die Alte Ländcheshalle) erfordern hochspezialisiertes Planungs- und Baurecht. Kanzleien wie Heuking Kühn Lüer Wojtek (rund 156.131 Euro in den Jahren 2024 und 2025) oder szk Partnerschaft (gut 47.500 Euro im selben Zeitraum) begleiten diese Prozesse laufend.

Auch die arbeitsrechtliche Beratung durch die Kanzlei Ritter & Spreter läuft seit über 20 Jahren stabil mit monatlichen Grund- und Verfahrenskosten (ca. 16.000 bis 21.000 Euro jährlich): Der städtische Fachdienst Recht ist personell nicht in der Lage, dieses Feld komplett allein zu beackern.

Gutachten und Umwelt: Notwendige Pflichten und Simulationen

Für Verkehrs- und Mobilitätsuntersuchungen durch das ZIV Zentrum für integrierte Verkehrssysteme wurden in den Jahren 2024 und 2025 rund 11.900 Euro bzw. 43.500 Euro ausgegeben. Darin enthalten sind unter anderem Untersuchungen zur L 3011, zum Parkhaus Salinenstraße, zur Anbindung der Hattersheimer Straße und zum Innenstadtring. Für 2026 weist die Aufstellung weitere rund 16.300 Euro für eine Radverkehrssimulation am Innenstadtring aus.

Auch die übrigen Posten summieren sich zu substanziellen Beträgen: Die Altlastenuntersuchung vor dem Abriss der alten Ländcheshalle kostete rund 12.270 Euro, geotechnische Baugrundprüfungen für den Radweg Wallau schlugen mit 13.058 Euro zu Buche, und das Wildverbiss-Gutachten im Stadtwald als zwingende FSC-Audit-Auflage lag bei 11.751 Euro.

Hinzu kommen regelmäßig wiederkehrende Pflicht- und Fachleistungen: Der Main-Taunus-Kreis verlangte von 2024 bis Mitte 2026 insgesamt knapp 115.000 Euro für Abschluss-, Kassen- und sonstige Prüfungen. Das Beratungsunternehmen Schüllermann und Partner erhielt 2024/25 fast eine halbe Million Euro – genauer gesagt 423.638 Euro – für rechtssichere Vergabeverfahren.

Die Verwaltung begründet diese Posten in den Unterlagen jeweils schlüssig damit, dass weder die erforderliche Spezialsoftware noch die Fachexpertise intern vorhanden sind.

Ausblick: Wie Hofheim das Ruder herumreißen will

Insgesamt unterstreicht die Auswertung eine neue, bemerkenswerte Transparenz der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Wilhelm Schultze – ein Engagement für Offenheit, wie es Hofheim bislang noch nicht erlebt hat und das ausdrücklich zu loben ist. Inhaltlich verdeutlichen die Zahlen, dass viele externe Kosten unvermeidbaren Zwängen entspringen: Gesetzliche Prüfungen, FSC-Auflagen, Kooperationen mit dem Land oder der akute IT-Fachkräftemangel lassen oft kaum Handlungsspielraum. Dennoch führen die Millionenbeträge bei Schiedsverfahren und Dauer-Beraterverträgen vor Augen, wie schnell externe Hilfe ins Geld geht.

Gleichzeitig zeigt sich ein spürbarer Wandel: Der Magistrat räumt unumwunden ein, dass externe Unterstützung „nicht zur bequemen Dauerlösung werden“ darf. Für das laufende Jahr greift deshalb ein verschärfter interner Genehmigungsprozess. Bereits ab einem Auftragswert von 500 Euro müssen der fachliche Bedarf, die haushaltsrechtliche Zulässigkeit und interne Alternativen streng geprüft werden.

Angesichts des massiv angehäuften Schuldenbergs ist diese Kontrolle dringend geboten. Denn langfristig kann sich eine klamme Kommune wie Hofheim den Luxus, fehlendes internes Know-how dauerhaft und im großen Stil teuer einzukaufen, schlichtweg nicht leisten.

TR

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