Schock im Rathaus: Landrat genehmigt Haushalt nicht – und verlangt mehr Sparen
In Hofheim zieht sich die wirtschaftliche Schlinge dramatisch zu. Die Kreisverwaltung hat ein Schreiben ans Rathaus geschickt, das an unmissverständlicher Härte kaum zu überbieten ist: Unterzeichnet am 20. August 2026 von Landrat Michael Cyriax (CDU) und adressiert an den Magistrat der Stadt Hofheim. Der Ton der Kommunalaufsicht ist eisig. Wiederholt drängt Cyriax unmissverständlich: „Ich fordere Sie auf“ – und zieht schließlich die Reißleine. Weil Steuereinnahmen wegbrechen und Finanzprognosen in den Keller rasen, verweigert der Kreis die Genehmigung für den Etat 2026. Für eine Kommune, die sich ohnehin im permanenten Sparmodus befindet, ist der Brief das vernichtende Zeugnis einer verfehlten Finanzpolitik.
Auf dem Papier fing das Haushaltsjahr noch so harmlos an: Die Stadtverordneten hatten im März dieses Jahres einen Haushaltsplan nebst Haushaltssicherungskonzept (HSK) beschlossen, der anfangs sogar einen geringen Überschuss auswies.

Doch die Realität schlägt das Wunschdenken. Aktuelle Finanzstatusberichte und vorläufige Hochrechnungen offenbaren das wahre Ausmaß des Defizits: Allein für 2026 wird ein Jahresfehlbetrag von rund 8,27 Millionen Euro erwartet. Rechnet man die Altlasten hinzu – 749.137 Euro aus 2024 und über 17,35 Millionen Euro aus 2025 –, summiert sich der Konsolidierungsbedarf im Ergebnisbereich zum Jahresende auf astronomische 26.379.046 Euro. Obendrauf türmen sich prognostizierte Kassenkredite in Höhe von 35.336.437 Euro.
Besonders bitter muss diese Entwicklung all jenen aufstoßen, die im Alltag längst die Zeche zahlen. Die Hofheimer Stadtgesellschaft wird bereits mit enormen Sparanstrengungen, steigenden Grund- und Gewerbesteuern sowie spürbaren Gebührenerhöhungen konfrontiert. Bürger und lokale Wirtschaft werden belastet, um die städtischen Finanzen im Gleichgewicht zu halten – und jetzt zeigt sich:
All die Zumutungen haben nicht einmal ansatzweise gereicht. Das Rathaus hat über seine Verhältnisse geplant, während an der Basis jeder Cent zweimal umgedreht werden musste.
Der Landrat reagiert mit harten Auflagen. Die geplante Netto-Neuverschuldung über eine ermächtigte Summe von 7,2 Millionen Euro stuft er angesichts der dauerhaften Leistungsschwäche der Stadt schlicht als unzulässig ein.
In seinem Schreiben liest sich das so: „Vor dem Hintergrund der sehr gefährdeten Haushaltssituation der Stadt Hofheim am Taunus (sehr hohe Fehlbeträge im Ergebnishaushalt sowie sehr hohe Liquiditätskredite) ist der Gesamtbetrag der Kreditaufnahme zu begrenzen, um die Netto-Neuverschuldung zu vermeiden.“ Cyriax verlangt massive Kürzungen und ein radikal eingedampftes Investitionsprogramm: Es sei „festzulegen, welche Investitionsmaßnahmen zeitlich gestreckt, aufgeschoben oder nicht durchgeführt werden sollen“.
Pikant dabei: Der Landrat weist darauf hin, dass im Zahlenwerk noch Einsparpotenziale aus dem bestehenden HSK schlicht nicht umgesetzt wurden. Auch den auf 50 Millionen Euro festgesetzten Höchstbetrag für Liquiditätsmittel bewertet die Kreisverwaltung als nicht plausibel.
„Aufgrund der noch nicht genehmigten Haushaltssatzung nebst Haushaltsplan befindet sich die Stadt Hofheim am Taunus noch in der vorläufigen Haushaltsführung. Nach § 99 HGO darf die Kommune nur die finanziellen Leistungen erbringen, zu denen sie rechtlich verpflichtet ist oder die für die Weiterführung notwendiger Aufgaben unaufschiebbar sind.“
Landrat Michael Cyriax im Schreiben vom 20.08.2026
Was bedeutet das Stopp-Signal konkret? Da der Etat-Entwurf auch weiterhin keine offizielle Genehmigung erhält, verbleibt Hofheim in der bereits seit Jahresbeginn andauernden vorläufigen Haushaltsführung. Das kommt einer fortwährenden administrativen Vollbremsung gleich: Das Rathaus darf weiterhin nur Gelder ausgeben, zu denen es gesetzlich absolut verpflichtet ist oder die zur Aufrechterhaltung unaufschiebbarer Pflichtaufgaben unabweisbar gebraucht werden.
Besonders unangenehm für die Stadtspitze: Der Landrat rügt am Ende des Schreibens, dass sich die Gesamtaufwendungen im Vergleich zum ursprünglichen Plan trotz aller Sparzwänge „nur minimal“ verbessert haben. Er mahnt hierzu einen gesonderten Bericht an. Zudem muss der Magistrat das Parlament umgehend über die harte Aufsichtsverfügung unterrichten.
Für Hofheim heißt das: Die Quittung für jahrelanges Durchwursteln liegt schwarz auf weiß auf dem Tisch. Nun muss das Rathaus liefern – nicht mit schönen Worten, sondern mit drastischen Taten.
TR


Bei 26 Millionen Euro Haushaltsdefizit und 35 Millionen Euro Kassenkrediten liegt politische Insolvenzverschleppung vor.
Die Hofheimer Wohnungsbau GmbH (HWB) ist kein unantastbares Heiligtum, sondern die letzte verbliebene Rettungsinsel.Ein Verkauf bringt unter dem Strich bis zu 90 Millionen Euro. Das bedeutet: Alle Altlasten weg, die Kassenkredite pulverisiert und die Stadt ist sofort wieder handlungsfähig. Wer den HWB-Verkauf jetzt noch blockiert, opfert die Zukunft der gesamten Stadt für ideologische Romantik. Die Schlinge ist zugezogen – die HWB zu verkaufen ist die einzige Option, die Hofheim noch bleibt.