Verteilerring-Sanierung: Millionen für Autos, das Orakel für den Radweg

Verteilerring-Sanierung: Millionen für Autos, das Orakel für den Radweg

An diesem Samstag rollt wieder die Radler-Demo durch Hofheim – und der Anlass könnte treffender kaum sein. Der Verteilerring wird für Millionen generalüberholt, doch ein Radweg wurde schlichtweg vergessen. Das fiel wohl erst im Nachhinein auf; Hessen Mobil versprach damals auch zunächst Besserung, vertröstet nun aber auf eine neue Verkehrsuntersuchung und verweist auf „komplexe Rahmenbedingungen“. Ob da überhaupt noch etwas kommt, weiß im Grunde nur das Orakel.

Eigentlich fing alles ganz handfest an. Vor einem Jahr hatte das Organisationsteam von „Hofheim bewegt sich“ wieder zur Radfahrer-Demo geladen. Die Arbeiten im Verteilerring sollten wenige Tage später beginnen, die Frage nach Verbesserungen für den Radverkehr wurde laut. Zwei Varianten wurden genannt. Nummer eins: eine Umweltspur für Busse und Radfahrende rechts neben der Autospur, also außen um den Kreisel herum – ein Modell, das andernorts längst gut funktioniert. Nummer zwei: ein von der Fahrbahn abgesetzter, gemeinsamer Rad- und Fußweg innen im Verteilerring, also links von der Autospur – sicher nicht die allerbeste Idee, denn Radfahrende müssten dann gleich zweimal die Fahrbahn queren.

Wir haben im November letzten Jahres bei Hessen Mobil nachgefragt, wie weit die Planung für einen Radweg gediehen sei – und es hieß: Man sei „in Abstimmung mit der Stadt Hofheim, um hier eine gemeinsame Lösung zu entwickeln“.

Monate vergingen, der Sommer ist nahezu um, und wir haben noch einmal nachgefragt. Jetzt klingt die offizielle Auskunft eher nach vertröstender Endlosschleife: Derzeit laufe eine Verkehrsuntersuchung, teilt Hessen Mobil mit. Die Ergebnisse würden Mitte September erwartet und sollen „eine Grundlage für die weitere Planung der künftigen Radverkehrsführung bilden“. Eine abschließende Entscheidung über deren konkrete Ausgestaltung liege „zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor“.

Wer versteht das noch? Da wird eine millionenteure Straßensanierung geplant – das ist normalerweise ein Prozess, der Monate verschlingt. Die Arbeiten laufen seit gut einem Jahr, man befindet sich aktuell im vierten von sieben Bauabschnitten. Und erst jetzt – die halbe Baustelle ist bereits Geschichte – soll eine Verkehrsuntersuchung den Weg für eine Radspur aufzeigen?

Radweg
Die Fotos dokumentieren den aktuellen Baufortschritt am Verteilerkreis. Die Straße Alte Bleiche ist für den Verkehr gesperrt werden.

Hessen Mobil betont in seiner Stellungnahme die Komplexität des Projekts. Eine Lösung für den Radverkehr könne „nicht isoliert betrachtet werden“. Die Rahmenbedingungen vor Ort seien anspruchsvoll: „Auf engem Raum treffen ein hohes Verkehrsaufkommen, zwei Bahnhöfe, mehrere Kreuzungsbereiche und Fahrstreifen sowie die topografischen Gegebenheiten entlang des Schwarzbachs aufeinander.“

Gut, das alles ist allerdings hinreichend bekannt. Die eigentliche Kernfrage bleibt: Warum wurde der Radweg nicht direkt mitgeplant, als die Großbaustelle auf dem Reißbrett entworfen wurde?

Die Antwort der Behörde liest sich wie ein Klassiker administrativer Selbstverteidigung. Anders als bei Standard-Projekten lasse sich die Radverkehrsführung hier aufgrund der Örtlichkeiten „nicht unmittelbar aus den bestehenden Verhältnissen ableiten“. Daher brauche es eben „weitergehende Untersuchungen“.

Vor allem aber habe die Zeit gedrängt, wie die Behörde betont: Bei der Fahrbahn im Verteilerring habe „dringender Sanierungsbedarf“ bestanden. „Um die Verkehrssicherheit dauerhaft zu gewährleisten und eine weitere Verschlechterung des Fahrbahnzustands zu vermeiden, konnte die Sanierung nicht bis zum Abschluss der Planungen für die künftige Radverkehrsführung aufgeschoben werden.“

Zwar verfolge man bei Hessen Mobil stets das Ziel, „Synergieeffekte zu nutzen und Maßnahmen, wo immer möglich und sinnvoll, miteinander zu verbinden“. Doch im vorliegenden Fall habe man die Notbremse ziehen müssen, weil eine kurzfristige Vollsperrung drohte: „Bei einer weiteren Verschlechterung des Fahrbahnzustands hätte im ungünstigsten Fall eine kurzfristige Sperrung erforderlich werden können. Dies galt es zu vermeiden.“

Kurzum: Ein Radweg im Verteilerring wird noch länger auf sich warten lassen – falls er überhaupt jemals kommt. Wer nach dem ausführlichen Behördendeutsch noch Fragen hat, geht am besten dorthin, wo Antworten traditionell auf die Straße getragen werden:

Am morgigen Samstag, 29. August, findet die nächste Radfahrer-Demo von „Hofheim bewegt sich“ statt. Treffpunkt ist wie immer um 11 Uhr am Kellereiplatz. Es wirkt fast so, als seien diese Demos dringender denn je.

TR

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