Teures Hofheim: Der Gang ins Rathaus kostet ab sofort mehr Geld
Dass das Leben kein Schnäppchen ist, wissen wir. Vor allem in Hofheim: Die Immobilienpreise gehen durch die Decke, die Mieten kennen nur eine Richtung, dazu seit Wochen das Drehen an den Steuerschrauben… Alles bekannt, alles teuer. Doch wer dachte, das war’s, hat die Rechnung ohne das Rathaus gemacht.
Die Stadt braucht Geld. Und das werden die Bürger ab sofort bei jedem noch so kleinen Behördengang im Portemonnaie spüren. Wer künftig die Verwaltung um einen Gefallen bittet, wird freundlich, aber bestimmt zur Kasse gebeten. Frei nach dem Motto: „Das kostet jetzt extra – und zwar richtig.“
Die Stadtverordneten haben den Vorschlag der Verwaltung mit großer Mehrheit und ohne großes Zögern abgenickt. Einzig die FDP stellte sich quer und stimmte gegen die Verordnung: Ralf Weber kritisierte die Aufschläge als teils unverständlich sowie unsozial und prangerte insbesondere das Aus für die bisher kostenlose Bauberatung an. Aus den Reihen der SPD schlug Aaron Kowacs immerhin vor, die finanziellen Folgen für die Bürger nach einem Jahr auf den Prüfstand zu stellen und im Parlament darüber zu berichten.
Inzwischen wurde die sogenannte Verwaltungskostensatzung amtlich bekannt gemacht und ist damit in Kraft getreten. Die offizielle Begründung klingt wie aus dem Lehrbuch für Haushaltskonsolidierung: Die Modernisierung sei überfällig, Personal- und Sachkosten seien gestiegen. Mag sein. Doch für die Bürger summiert sich dies zusammen mit den allgemeinen Verteuerungen zu einem kräftigen Preissprung. Hier sind Beispiele für die neue Hofheimer Rathaus-Gebühren-Realität:
Der Papierkram: Wer eine Unterschrift beglaubigen lassen muss, zahlt statt 6 Euro nun 10 Euro. Die Bescheinigung über gezahlte Abgaben verdoppelt sich von 5 auf 10 Euro. Selbst die Kopie wird teurer: Ein simples Schwarz-Weiß-A4-Blatt kostet jetzt 0,60 Euro (vorher 0,50 Euro), Farbe schlägt mit dem doppelten Preis zu Buche.
Der teure Blick in die Akten: Schriftliche Auskünfte oder die Einsicht in amtliche Karteien für Unbeteiligte lagen bisher bei maximal 600 Euro. Künftig reicht die Spanne von 25 Euro bis zu satten 1.000 Euro. Das Gleiche gilt ab sofort auch für die Einsicht in Bauakten oder Baupläne. Immerhin ein kleiner Trost: Einfache Auskünfte per Telefon oder E-Mail bleiben auch weiterhin kostenlos.
Rund ums Bauen und Wohnen: Hier wird es schmerzhaft. Ein Zeugnis über das Nichtbestehen des Vorkaufsrechts kostete bisher 30 Euro – jetzt werden 80 Euro fällig. Genehmigungen für Sanierungs- oder Entwicklungsmaßnahmen klettern von 30 auf 95 Euro. Wer eine neue Hausnummer wegen eines Umbaus braucht, zahlt künftig 50 Euro. Und wer einen simplen Baumfällantrag stellt? 95 Euro, bitte sehr.
Für Hund, Finder und Holzmacher: Hat der Vierbeiner seine Marke verloren? Der Ersatz kostet statt 3 Euro nun 10 Euro. Wer bestelltes Brennholz aus dem Wald abholen will, muss für die Zufahrtsgenehmigung ab sofort 25 Euro berappen – mindestens. Immerhin: Wer etwas verliert, kommt bei Fundstücken bis 250 Euro glimpflich davon – die Preise bleiben stabil. Wer allerdings etwas im Wert von über 250 Euro verliert und wiederhaben will, zahlt künftig 5 % des Finderwerts an die Stadt.
Ferienwohnungen und Verkehr: Auch hier wird angezogen. Die Genehmigung einer Ferienwohnung mit Ersatzwohnraum steigt von 300 auf 360 Euro, die Ortsbesichtigung kostet nun 100 Euro statt 75 Euro. Und wer eine Ausnahmegenehmigung nach der StVO in einem „schwierigen Fall“ braucht, kann sich auf Gebühren zwischen 50 und 1.000 Euro einstellen.
Bei diesen Festpreisen bleibt es übrigens nicht: Wo nicht pauschal kassiert wird, richtet sich die Rechnung direkt nach dem verursachten Zeitaufwand – wobei jede angefangene Viertelstunde voll berechnet wird. Welches Preisschild am Behördengang hängt, entscheidet dabei auch die Besoldungsgruppe im Sessel gegenüber:
Wer einen Beamten des höheren Dienstes (oder vergleichbare Angestellte) beansprucht, zahlt pro 15 Minuten ab sofort 26,50 Euro statt der bisherigen 18 Euro. Im gehobenen Dienst klettert der Viertelstundensatz von 15 auf 21,50 Euro, bei allen übrigen Beschäftigten von 12,25 auf 18,50 Euro. Das entspricht satten Erhöhungen von 43 bis 51 Prozent.
Am Ende steht eine einfache Formel: Die Kasse im Rathaus ist klamm – und wer den Service bestellt, muss ab sofort dafür zahlen. Die Stadt holt sich die notwendigen Einnahmen konsequent dort, wo der Aufwand entsteht. Für die Hofheimer Bürger heißt das: Jeder Gang ins Amt wird zu einem teuren Vergnügen.
TR

