Ein heißer Plan elektrisiert die Politik: Kommt die Altstadt-Wärme aus der Tiefe?

Ein heißer Plan elektrisiert die Politik: Kommt die Altstadt-Wärme aus der Tiefe?

Das Thema kam wie Kai aus der Kiste über Hofheim. Anfang April stellten die Hofheim-News das Projekt exklusiv vor – und seitdem beschäftigt der „heiße Plan“ alle Fraktionen des Stadtparlaments: Geothermie für die Altstadt. Einfach formuliert soll dabei Wärme aus der Tiefe der Erde durch ein neues Fernwärmenetz direkt in die Altstadt geführt werden, um die historischen Häuser zu beheizen. Weg von der immer teurer werdenden fossilen Energie, hin zu einer krisensicheren Versorgung. Vielleicht wird’s ja was mit dem Plan: Am Mittwoch beschäftigt sich das Stadtparlament mit dem Thema.

Hinter der Idee steht Andreas Walter – wohnhaft in der Hauptstraße, mit Kanzlei in Frankfurt. Der Jurist und Finanzexperte treibt das Projekt voran, das die Wärmeversorgung der Innenstadt völlig neu denken würde: klimafreundlich, nachhaltig, effizient – und wirtschaftlich attraktiv. Es geht um ein Millionen-Invest. Mehr als eine Million Euro könnten allein für Vorbereitungen und Studien anfallen, gefolgt von vier bis fünf Millionen Euro für Probebohrungen.

Am Ende summieren sich die Kosten auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Walter will dafür staatliche Förderprogramme nutzen und private Investoren einbinden. Auch die Stadt könnte sich finanziell beteiligen – etwa mit den rund elf Millionen Euro, die demnächst aus dem Sondervermögen „Infrastruktur“ fließen. Muss sie aber nicht, sagt Walter. Nur würde sie dann später eben auch nicht bei den Erträgen partizipieren oder über eine Sperrminorität Einfluss auf die Preisgestaltung behalten.

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Jetzt wird erst einmal ein kleiner, formeller Schritt gemacht. Nach Walters Werbetour durch die Fraktionen haben vier Parteien – Grüne, BfH, SPD und FWG – einen gemeinsamen Prüfantrag für die Stadtverordnetenversammlung eingereicht. Die findet am Mittwoch, 10. Juni, ab 18 Uhr in der Stadthalle statt.

Wärme
So funktioniert Geothermie. Illustration: KFW

In ihrem Antrag verweisen die Fraktionen pflichtbewusst darauf, dass Hofheim bis 2045 die Klimaneutralität erreichen wolle. Eine zentrale Rolle spiele dabei der Wärmesektor, der aktuell noch stark von fossilen Energieträgern abhängig ist und einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch sowie an den Treibhausgasemissionen verursacht. Langfristig bestehe ein hoher Bedarf an zentral bereitgestellter Wärme. Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten sei der Aufbau einer lokal verfügbaren und erneuerbaren Wärmeversorgung ein wesentlicher Baustein für die zukünftige Versorgungssicherheit.

Der Name Walter und sein konkretes Projekt werden im Antragstext zwar vornehm verschwiegen – aber natürlich wissen alle Beteiligten genau, worum es geht. Denn ausdrücklich werden die „besonderen Herausforderungen“ in der Hofheimer Altstadt hervorgehoben: Dort ist eine energetische Sanierung der meist denkmalgeschützten Gebäude nur sehr eingeschränkt möglich, und in den engen Gassen fehlt schlicht der Platz für dezentrale Lösungen wie Luft-Wärmepumpen. Auch der kommunale Wärmeplan der Stadt hat die 516 Gebäude der Altstadt wegen dieser Kniffligkeit bislang nur als „Prüfgebiet“ ausgewiesen.

Weil zugleich die Stadtkasse gähnend leer ist – in dem Antrag ist elegant von einer „angespannten Haushaltslage“ die Rede –, fordern die Fraktionen eine kreative Finanzierung. Es sollten „auch Umsetzungsmodelle in Betracht gezogen werden, die Investitions-, Betriebs- und Projektrisiken außerhalb des städtischen Haushalts verorten“. Das deckt sich exakt mit Walters Vorschlag, das Risiko primär auf institutionelle Geldgeber abzuwälzen.

Wenn das Stadtparlament grünes Licht gibt, wird der Magistrat beauftragt, die Realisierungsoptionen für die Erschließung und Nutzung der Geothermie in der Hofheimer Innenstadt offiziell zu prüfen. Die Ergebnisse müssen dann der Stadtverordnetenversammlung sowie dem Ortsbeirat Kernstadt vorgelegt werden.

Wie es danach weitergeht? Die Politik behält das Heft des Handelns fest in der Hand: Weitere projektrelevante Schritte, so heißt es ausdrücklich im Antrag, bedürfen immer einer erneuten Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung, und sämtliche Aktivitäten stehen unter einem strikten Finanzierungsvorbehalt.

Auf jeden Fall ist das Thema angekommen – der Ball liegt nun im Feld der Kommunalpolitik. Für Hofheim läuft es am Ende auf die von Walter formulierte Kernfrage hinaus: Weiter gemütlich im alten Trott „schlofem“ – oder mutig aufbrechen und beim Klimaschutz durchstarten?

TR

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