Gesund mit Felix (34): Unsere Füße – warum wir sie unterstützen sollten
Die Gesundheitskolumne von Osteopath Felix Kammerlander (Folge 34)
Unsere Füße tragen uns oft Jahrzehnte lang durch den Alltag – und bekommen dabei erstaunlich wenig Aufmerksamkeit. Viele Menschen beschäftigen sich erst mit ihren Füßen, wenn Beschwerden auftreten: Schmerzen unter dem Fuß, müde Beine, Probleme beim Gehen oder Diagnosen wie Knick-, Senk- oder Spreizfuß. Dabei spielen die Füße eine deutlich größere Rolle, als viele vermuten. Sie bilden das Fundament des gesamten Bewegungsapparates und beeinflussen, wie Belastungen durch Knie, Hüfte, Becken und Wirbelsäule weitergeleitet werden.
Der Fuß – mehr als nur eine Standfläche
Jeder Fuß besteht aus 26 Knochen, zahlreichen Gelenken, Bändern und Muskeln. Gemeinsam bilden sie ein komplexes System, das gleichzeitig stabil und flexibel sein muss. Der Fuß hat mehrere wichtige Aufgaben:
- Körpergewicht tragen
- Stöße beim Gehen und Laufen abfedern
- Gleichgewicht sichern
- Bewegungen an den Untergrund anpassen
- Kraft auf den gesamten Körper übertragen
Besonders wichtig ist dabei das Fußgewölbe. Es funktioniert ähnlich wie ein natürlicher Stoßdämpfer und verteilt Belastungen gleichmäßig.
Was passiert bei Knick-, Senk- oder Spreizfüßen?
Diese Begriffe beschreiben unterschiedliche Veränderungen der Fußstatik:
Senkfuß: Das Längsgewölbe des Fußes flacht ab.
Knickfuß: Die Ferse kippt nach innen, wodurch sich die Belastung verändert.
Spreizfuß: Das Quergewölbe im Vorfuß verliert an Stabilität und die Mittelfußknochen spreizen sich auseinander.
Wichtig ist: Nicht jeder Knick-, Senk- oder Spreizfuß verursacht automatisch Beschwerden. Viele Menschen haben solche Veränderungen und sind dennoch beschwerdefrei.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn die Belastbarkeit des Systems abnimmt oder andere Bereiche kompensieren müssen.
Warum der Fuß Auswirkungen auf Knie, Hüfte und Rücken haben kann
Der Körper arbeitet als zusammenhängende Bewegungskette. Wenn der Fuß beim Gehen stärker nach innen einsinkt, verändert sich häufig auch die Stellung von:
- Sprunggelenk
- Knie
- Hüfte
- Becken
Dadurch können Bewegungsmuster entstehen, die sich über Jahre hinweg auf andere Körperregionen auswirken. Das bedeutet nicht, dass jedes Knie- oder Rückenproblem vom Fuß kommt. Der Fuß kann jedoch ein wichtiger Baustein im Gesamtbild sein
Kann man das Fußgewölbe selbst trainieren?
Klare Antwort: In vielen Fällen ja.
Wie bei anderen Bereichen des Körpers spielt auch im Fuß die Muskulatur eine wichtige Rolle. Ein Teil der Stabilität entsteht nicht durch Knochen oder Bänder, sondern durch die kleinen Muskeln innerhalb des Fußes. Diese Muskulatur kann trainiert werden.
Übung 1: Das Fußgewölbe aktivieren
Eine einfache Übung besteht darin, den Fuß auf dem Boden stehen zu lassen und zu versuchen, das Längsgewölbe leicht anzuheben, ohne die Zehen einzukrallen. Der Fuß wird dabei etwas „kürzer“, bleibt aber vollständig am Boden. Diese Übung trainiert gezielt die kleinen stabilisierenden Fußmuskeln.
Übung 2: Barfußgehen
Soweit es der Untergrund zulässt, kann Barfußgehen ein wertvoller Trainingsreiz sein. Dabei werden:
- Gleichgewicht
- Wahrnehmung
- Fußmuskulatur
gleichzeitig gefordert. Schon wenige Minuten täglich können einen Unterschied machen.
Übung 3: Zehenkontrolle verbessern
Viele Menschen können ihre Zehen kaum noch unabhängig voneinander bewegen. Versuche:
- die große Zehe anzuheben, während die anderen unten bleiben
- anschließend die kleinen Zehen anzuheben
Das wirkt zunächst ungewohnt, verbessert aber die Ansteuerung der Fußmuskulatur.
Übung 4: Waden und Fußsohle beweglich halten
Nicht jede Fußproblematik entsteht durch Schwäche. Manchmal tragen auch Spannungen in:
- Wadenmuskulatur
- Achillessehne
- Fußsohle
dazu bei, dass der Fuß seine Funktion schlechter erfüllen kann. Sanfte Mobilisations- und Dehnübungen können hier unterstützend wirken.
Schuhe – Hilfe oder Hindernis?
Moderne Schuhe bieten oft viel Komfort, nehmen dem Fuß aber auch Arbeit ab. Das bedeutet nicht, dass jeder nur noch barfuß laufen sollte. Vielmehr lohnt es sich, darauf zu achten, dass der Fuß regelmäßig selbst arbeiten darf.
Abwechslung ist meist wichtiger als Extreme.
Die osteopathische Perspektive
In der osteopathischen Praxis wird der Fuß selten isoliert betrachtet. Fragen können sein:
- Wie arbeitet die gesamte Beinachse?
- Wie verteilt sich die Belastung im Körper?
- Welche Rolle spielen Knie, Hüfte oder Becken?
- Gibt es Bewegungsmuster, die den Fuß dauerhaft überfordern?
Der Fuß ist häufig Teil eines größeren Zusammenhangs und nicht nur der Ort, an dem Beschwerden auftreten.
Fazit
Unsere Füße leisten täglich Schwerstarbeit und beeinflussen weit mehr als nur das Gehen. Veränderungen des Fußgewölbes können Auswirkungen auf die gesamte Bewegungskette haben und sich bis zu Knie, Hüfte oder Rücken auswirken.
Die gute Nachricht: In vielen Fällen lässt sich die Funktion des Fußes durch einfache Übungen, mehr Wahrnehmung und regelmäßige Bewegung unterstützen.
Oft braucht es keine komplizierten Maßnahmen – sondern vor allem die Bereitschaft, dem Fundament des Körpers wieder etwas Aufmerksamkeit zu schenken.
© Felix Kammerlander / Praxis Angewandte Osteopathie
Der Autor

Felix Kammerlander hat Osteopathie studiert und betreibt seit acht Jahren die Praxis Angewandte Osteopathie in Marxheim. In den Hofheim-News erscheint regelmäßig seine Kolumne „Gesund mit Felix” mit Gesundheitsinformationen und präventiven Tipps - eine verlässliche Anlaufstelle für Ratschläge zur Vorbeugung, Schmerzbewältigung und für einen ausbalancierten Körper. Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren neuer Wege zu mehr Wohlbefinden!

