Trockene Brunnen: Bürgermeister rudert beim Bachlauf halb zurück
Die Debatte um die stillgelegten Brunnen und Bachläufe in Hofheim reißt nicht ab. Nun signalisiert Bürgermeister Willi Schultze erstmals Bewegung: In einem Video, das er übers Internet verbreitete, stellt er in Aussicht, zumindest den Bachlauf am Untertorplatz wieder in Betrieb zu nehmen – im heißen Sommer, für kurze Zeit.
Die Entscheidung der Stadt, aus Kostengründen sämtliche Brunnen abzuschalten, war zuvor auf breite Kritik gestoßen. Die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt warnt, ein Sommer ohne Wasser mache die Innenstadt „noch ärmer“ [hier]. Auch Stadtverordnete der Linken äußerten Sorgen um den lokalen Handel und sehen die Stadt durch den Kurs des Rathauses „ein Stück unattraktiver“ werden [hier].
Für zusätzlichen Unmut sorgte, dass die Sparmaßnahme zeitlich mit einer anderen Entscheidung zusammenfällt: Beim städtisch organisierten Feierabendmarkt verzichtet die Stadt bewusst auf Einnahmen, während nur ausgewählte Anbieter profitieren.
Schultze reagierte auf den wachsenden Druck jetzt nicht mit einer klassischen Pressemitteilung, sondern mit einem Videostatement vom Untertorplatz. Darin verteidigt er die Abschaltung aller Brunnen – nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Stadtteilen – mit der angespannten Haushaltslage. Betriebskosten für Strom, Wasser, Abwasser und Reinigung sowie notwendige Sanierungen summieren sich demnach angeblich auf bis zu 80.000 Euro in nur sieben Monaten. Einzelne Brunnen müssten zudem renoviert werden, was zusätzlich 30.000 bis 50.000 Euro kosten soll.
Als kleines Zugeständnis kündigte der Bürgermeister an, den beliebten Bachlauf am Untertor zumindest im Hochsommer wieder ans Laufen zu bringen. Er selbst, so Willi Schultze, verbinde den Ort mit persönlichen Erinnerungen: Dort habe er früher Eis gegessen und den Becher anschließend „als kleines Bötchen“ schwimmen lassen.
HN

