Hofheim pflanzt Zukunft – Wie innovative Stadtnatur die Innenstadt verändert
Hofheim entwickelt seine Stadtnatur Schritt für Schritt weiter – nicht durch große Einzelaktionen, sondern durch kontinuierliche Projekte und bürgerschaftliches Engagement. Der folgende Gastbeitrag zeigt, wie sich grüne Infrastruktur, Klimaschutz und ehrenamtliche Initiativen in der Kreisstadt zunehmend verzahnen und neue Formen urbaner Natur entstehen lassen.
Ein Gastbeitrag von Norbert Preusche
Dass die Kreisstadt inzwischen mit einer kreativen und zukunftsweisenden Stadtnatur in Verbindung gebracht wird, verdankt sie nicht spektakulärem Aktionismus, sondern stetiger und nachhaltiger Projektarbeit. So verändert sich die grüne Infrastruktur unter anderem mit Lösungen, die nicht mit einem Griff ins Füllhorn dekorativer Möglichkeiten glänzen, sondern gezielt dem Klimaschutzkonzept dienen und immer wieder auch Menschen in ehrenamtlicher Tätigkeit mit einbinden.
Beispiele, die das unterstreichen:
- Besonders bei jungen Menschen weckte es die Aufmerksamkeit, als auf dem Kellereiplatz auf einmal Tomaten wuchsen. Auch vor dem Wasserschloss luden essbare Pflanzungen unterschiedlichster Art zum Verweilen ein. Sichtbar wurde, wie Natur in der Stadt wächst, wirkt, sogar zum Probieren einlädt und Anlass gibt, sich im lockeren Gespräch über die eine oder andere Pflanze auszutauschen.
- Einen Meilenstein markiert das erste Klimawäldchen, das in einer großen Pflanzaktion direkt neben der Steinbergschule angelegt wurde. Es entwickelt sich zu einem vielfältig nutzbaren Naturraum, in dem nicht nur kleine kulturelle Events möglich sind, sondern auch die unterschiedlichsten Pflanzen jungen Menschen nähergebracht werden können. Ein weiteres Wäldchen ist bereits in Planung.
Wenn aus Ideen konkrete Orte werden – Stadtnatur zum Anfassen
Wie immer begleiten auch Widerspruch und Infragestellung das Geschehen – gerade in Zeiten knapper Kassen. „Wir haben genug Grün, wir liegen doch direkt am Taunus“ ist dabei häufig zu hören. Dabei wird jedoch übersehen, dass die Klimakarte insbesondere in den dicht bebauten Kernbereichen Handlungsbedarf aufzeigt. Und oft gerät aus dem Blick, welche Bedeutung Stadtnatur gerade für die junge Generation und insbesondere für Familien hat.
- So hat sich eine Aktionsgemeinschaft gebildet, bestehend aus der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt, der Initiative Essbare Stadt und dem Gewerbeverein IHH. Gemeinsam mit der Stadt ruft sie derzeit dazu auf, Blütenpatenschaften für Kästen und Kübel in der Innenstadt zu übernehmen oder die Aktion finanziell zu unterstützen. Die finanziellen Spielräume der Kommune sind begrenzt – was durchaus auch positive Seiten hat: Denn während sich aus dem Vollen leicht gestalten lässt, zeigt sich gerade in Zeiten knapper Kassen, wie viel durch gemeinsames Engagement vor Ort entstehen kann.
- Ende Mai gibt es am Ambet-Brunnen sowie in der Unteren und Mittleren Hauptstraße anlässlich einer Pflanzaktion etwas wirklich Neues zu feiern: Partizipation unter dem Motto „Hofheim pflanzt“. Wer die Aktion unterstützen möchte – sei es mit einer Spende oder sogar mit einer Blütenpatenschaft für einen Kasten oder Kübel – kann dies über folgendes Konto tun: Bürgervereinigung Hofheim Altstadt, IBAN DE 52 5125 0000 0002 2224 42, Stichwort „Stadtgrün“. Eine Patenschaft zu verschenken, etwa für 50 Euro, ist dabei eine ebenso ungewöhnliche wie lobenswerte Idee.
Im Wohngebiet Hofheim-Nord hat die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass ein sogenanntes Mandala-Beet mit essbaren Pflanzen und Kräutern entstehen konnte. Es lädt die Bewohner der Nachbarschaft zum Mitpflanzen, Pflegen und Ernten ein. Sollten sich weitere geeignete Flächen finden, sind zusätzliche Pflanzungen geplant.
- In Marxheim lockt ein Kräutergarten nicht nur Insekten an, sondern auch so manchen Fußgänger. Einfach stehen bleiben und staunen, was alles den Kochtopf bereichern kann: Der „Mein-Dein-Unser Marxheimer Kräutergarten“ steht in bester Tradition für ehrenamtliches Engagement. Im Mai übernimmt ein neues Team die Pflanz- und Pflegestab vom bisherigen Team, das weiterhin beratend zur Seite steht.
- Nicht zu vergessen ist, dass – trotz angespannter Kassenlage – der Chinon-Platz in neuer Funktion klima- und umweltgerecht umgebaut werden soll. Die Stadt setzt damit ein wichtiges Signal – das sicher auch Vorbild für andere Plätze wird.
Zwischen Engagement und knappen Kassen: Ein Modell mit Zukunft
All das zeigt, dass in Hofheim Stadtnatur neu gedacht wird und zunehmend Zustimmung findet. Während früher eher Zierpflanzen am Wegesrand wie dekorative Beilagen wahrgenommen wurden, steht heute eine nachhaltig gestaltete Stadtnatur im Vordergrund, die vielfältige Funktionen erfüllt. Vor allem aber lädt sie Bürgerinnen und Bürger das ganze Jahr über zur Teilhabe ein.
Was sich in der Kernstadt erfolgreich entwickelt, kann auch in anderen Stadtteilen wachsen. Ein Leitgedanke, der das Miteinander betont und längst spürbar ist:
Gemeinsam, weil es Hofheim ist!
Der Autor
Norbert Preusche lebt inmitten der Hofheimer Altstadt und engagiert sich immer wieder als Mitinitiator von Stadtgrün- und Beteiligungsprojekten. Er wirkt als Ideengeber, Netzwerker und ehrenamtlicher Impulsgeber im Bereich nachhaltiger Stadtentwicklung und ist unter anderem in der Arbeitsgruppe „Essbares Klimawäldchen“ aktiv. Inhaltlich setzt er sich für eine ökologische Weiterentwicklung urbaner Grünflächen ein – weg von rein dekorativer Bepflanzung hin zu funktionaler, nutzbarer Stadtnatur.
Fotos: Essbare Stadt

