Lesung im Schönbornsaal: Hofheimer Altstadt lebendig erzählt
Es war ein Abend voller Erinnerungen, Fantasie und lebendiger Stadtgeschichte: Die Teilnehmenden der Schreibwerkstatt der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt präsentierten ihre selbst verfassten Texte vor rund 25 Gästen im Schönbornsaal des Kellereigebäudes.
Michael Oestreicher, der Initiator der Schreibwerkstatt, eröffnete den Abend mit einer Einführung in das Projekt, das er 2024 ins Leben gerufen hatte. Inspiriert vom Geschichtenwettbewerb des Jahres 1999 begleitet er seitdem Schreibinteressierte mit vielfältigen Angeboten auf dem Weg zum eigenen Text.
Auch inhaltlich knüpfte der Abend an diese Tradition an: Oestreicher selbst las die preisgekrönte Geschichte von 1999, verfasst von Horst Hüttmann. Sie entführt in das frühere Kultlokal „Nassauer Hof“ in der Hauptstraße 11 – von den Einheimischen liebevoll nach der Besitzerin „Die Bärbel“ genannt. Mit feinem Gespür für Atmosphäre und Charaktere schildert der Autor das bunte Miteinander von Stammgästen, jungen Leuten und Kurgästen, die wieder eindrucksvoll lebendig werden.
Horst Hüttmann setzte den erzählerischen Faden fort und präsentierte eine neue Geschichte, die unmittelbar an das frühere Werk anschließt. Darin beschreibt er unter anderem, wie in der „Bärbel“ der Vertrag zum Erwerb seines Hauses im Gänseck geschlossen wurde – per Handschlag – und wie es bei dessen Sanierung zu einem dramatischen Einsturz der Vorderfront kam. Schnörkellos, voller Respekt und zugleich spannungsvoll gelingt ihm ein weiterer Blick in die Hofheimer Vergangenheit.
Besonders bemerkenswert war die Vielfalt der Beiträge: Mit Oskar (11) und Lukeni (12) kamen auch sehr junge Autoren zu Wort. Während Oskar das Publikum mit einer spannenden Agentengeschichte fesselte – Ian Flemmings James Bond lässt grüßen –, entführte Lukeni in eine fantasievolle Welt in der Tradition J. R. R. Tolkiens. Beide schlossen mit „Fortsetzung folgt“ und arbeiten weiter an ihren Geschichten.
Zurück in die Hofheimer Altstadt führte die Geschichte von Gerolf Lemm, der von seinen ersten Eindrücken im legendären Jazzkeller in der Burgstraße berichtete. Einen ganz persönlichen Blick in die Vergangenheit bot auch Ernst Hofmann: Als geborener Erzähler ließ er an seiner Jugend teilhaben, als er mit 14 Jahren seine Ausbildung bei der Hofheimer Zeitung begann. Anschaulich und kurzweilig schilderte er frühe Arbeitszeiten, auch am Samstag, und den Alltag in der Werkstatt des nicht mehr existierenden Berufs des Schriftsetzers.

Mit feinem Humor und liebevollen Details bereicherten weitere Beiträge den Abend:
Doris Preusche, die als personale Erzählerin einen tierischen Blickwinkel wählte, las eine Geschichte über eine stolze Rassekatze, Anne Pollok-Müller schilderte in „Gassi gehen“ die besonderen Eigenheiten eines alten Hundes und seine vertrauten Wege durch die Stadt. Konstantin Oestreicher thematisierte in „Generationenvertrag“ die besondere Beziehung zwischen Vater und Sohn vor dem Hintergrund einer Fußballweltmeisterschaft.
Den Abschluss bildete eine persönliche Geschichte von Michael Oestreicher selbst, in der er seinen Weg als „Zugezogener“ beschreibt, der sich seiner neuen Heimat Hofheim nach und nach annähert.
Musikalisch wurde der Abend stimmungsvoll begleitet von einem Teil der Band „Wilma and the poor Boys“ – Wilma Glöckner-Hüttmann am Saxofon sowie Horst Hüttmann mit Gitarre und Gesang.
Die Lesung zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und lebendig Geschichten aus und über die Hofheimer Altstadt sein können. Ein rundum gelungener Abend, der Lust auf mehr macht – und der ermutigt, selbst zur Feder zu greifen. Renate Hofmann, die Vorsitzende der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt, verspricht: „Die Fortsetzung der Lesereihe ist bereits in Planung.“ Interesse an den weiteren Ausgaben der „Schreibwerkstatt“ kann unter info@bürgervereinigung-hofheim.de angemeldet werden.
Unser Foto oben zeigt Michael Oestreicher und Horst Hüttmann beim Vorlesen ihrer Geschichten.

