Gesund mit Felix (27): Migräne – mehr als Kopfschmerz
Die Gesundheitskolumne von Osteopath Felix Kammerlander (Folge 27)
Wer noch nie eine Migräne erlebt hat, stellt sie sich oft wie einen starken Kopfschmerz vor. Wer betroffen ist, weiß: Migräne ist deutlich mehr als das. Neben pochenden Schmerzen können Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Konzentrationsprobleme oder ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis auftreten. Für viele bedeutet das eine erhebliche Einschränkung im Alltag.
Dabei ist Migräne kein Zufallsprodukt – sondern Ausdruck eines Nervensystems, das besonders sensibel auf bestimmte Reize reagiert.
Was bei Migräne im Körper passiert
Die genauen Mechanismen sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Klar ist jedoch: Migräne entsteht nicht einfach „im Kopf“, sondern ist das Ergebnis einer veränderten Reizverarbeitung im Nervensystem.
Das Gehirn reagiert dabei empfindlicher auf äußere und innere Einflüsse. Reize, die für andere Menschen unproblematisch sind, können bei Betroffenen eine Kettenreaktion auslösen. Typische Symptome sind:
- pulsierende, oft einseitige Kopfschmerzen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Übelkeit
- Rückzugsbedürfnis
- manchmal Sehstörungen (Aura)
Warum das Nervensystem eine zentrale Rolle spielt
Menschen mit Migräne haben häufig ein Nervensystem, das schneller „in den Überlastungsmodus“ geht. Dabei können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:
Stress oder emotionale Belastung
Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf
hormonelle Schwankungen
bestimmte Nahrungsmittel
Wetterveränderungen
Entscheidend ist weniger der einzelne Auslöser, sondern die Gesamtbelastung des Systems. Wenn zu viele Reize zusammenkommen, kann das Nervensystem in eine Art Schutzreaktion gehen – die sich als Migräne äußert.
Migräne als Schutzmechanismus
So belastend eine Migräne ist – sie kann auch als eine Form von „Notbremse“ verstanden werden. Der Körper signalisiert, dass die aktuelle Reizmenge zu hoch ist und eine Pause notwendig wird. Das erklärt auch, warum viele Betroffene während einer Migräne:
Ruhe und Dunkelheit suchen
sich zurückziehen
kaum belastbar sind
Das Nervensystem versucht, sich selbst zu regulieren.
Warum Migräne oft wiederkehrt
Ein häufiger Frustpunkt ist, dass Migräneattacken scheinbar unvorhersehbar auftreten.
Doch oft zeigt sich im Rückblick ein Muster: Phasen hoher Belastung, wenig Erholung oder viele parallele Anforderungen gehen den Beschwerden voraus.
Das Problem ist nicht nur der einzelne Auslöser, sondern die fehlende Balance zwischen Aktivität und Regeneration.
Was im Alltag helfen kann
1. Reizmenge im Blick behalten
Statt nur einzelne Auslöser zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Gesamtbelastung zu betrachten: Wie viel Stress, wie viele Termine, wie wenig Pausen?
2. Regelmäßigkeit schaffen
Ein stabiler Tagesrhythmus – besonders beim Schlaf – kann dem Nervensystem Orientierung geben.
3. Frühzeitig gegensteuern
Oft gibt es erste Anzeichen wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Nackenverspannungen. Wer diese wahrnimmt, kann früher reagieren.
4. Nervensystem gezielt beruhigen
Ruhige Atmung, Bewegung im moderaten Bereich oder kurze Rückzugsphasen können helfen, das System zu entlasten.
Die Rolle von Nacken und Spannung
Viele Migränepatienten berichten über begleitende Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich.
Diese Spannung ist meist nicht die Ursache der Migräne, kann aber das Gesamtbild verstärken. Ein dauerhaft erhöhtes Spannungsniveau kann zusätzliche Reize liefern, die das Nervensystem weiter belasten.
Die osteopathische Perspektive
In der osteopathischen Betrachtung steht nicht nur der Schmerz im Fokus, sondern das Zusammenspiel verschiedener Systeme. Mögliche Ansatzpunkte sind:
Spannung im Nacken- und Kopfbereich
Beweglichkeit der Halswirbelsäule
Atemmechanik und Zwerchfell
allgemeine Regulation des Nervensystems
Ziel ist es, den Körper zu unterstützen, Reize unbeschwerter zu verarbeiten und durch reduzierte Spannungen mehr Ressourcen zur Verfügung zu haben.
Fazit
Migräne ist mehr als ein Kopfschmerz – sie ist ein komplexes Zusammenspiel aus Nervensystem, Reizverarbeitung und Belastung. Wer versteht, dass nicht ein einzelner Auslöser entscheidend ist, sondern die Gesamtbalance, kann oft besser mit den Beschwerden umgehen.
Auch wenn Migräne nicht immer vollständig vermeidbar ist, kann ein bewusster Umgang mit Belastung, Erholung und Körpersignalen dazu beitragen, die Intensität und Häufigkeit zu beeinflussen.
© Felix Kammerlander / Praxis Angewandte Osteopathie
Der Autor

Felix Kammerlander hat Osteopathie studiert und betreibt seit acht Jahren die Praxis Angewandte Osteopathie in Marxheim. In den Hofheim-News erscheint regelmäßig seine Kolumne „Gesund mit Felix” mit Gesundheitsinformationen und präventiven Tipps - eine verlässliche Anlaufstelle für Ratschläge zur Vorbeugung, Schmerzbewältigung und für einen ausbalancierten Körper. Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren neuer Wege zu mehr Wohlbefinden!

