„Polar Mohr“ geht – Grüne fühlen sich beim Gewerbegebiet getäuscht
Ein Bericht – viele Reaktionen: Unter der Überschrift „Schock-Nachricht: ,Polar Mohr’ will Hofheim offenbar ganz verlassen“ berichteten wir über Hinweise, dass das Traditionsunternehmen – heute unter dem Namen PCT Maschinenbau GmbH – die Kreisstadt verlassen könnte. Als möglicher neuer Standort gilt Eschborn. Der Beitrag stieß auf großes Interesse: Innerhalb von nur drei Stunden wurde er mehr als 1.000 Mal aufgerufen. Nun meldeten sich die Grünen zu Wort: Sie sehen sich in ihren ursprünglichen Befürchtungen bestätigt.
Wir veröffentlichen im Folgenden die Pressemeldung der Partei im Wortlaut.
„In der Lach“ auf Grundlage falscher Voraussetzungen entwickelt
Die Ankündigung des neuen Geschäftsführers, andere Standorte in Erwägung zu ziehen, kommt nicht unerwartet. Aus unternehmerischer Sicht ist die Präferenz nachvollziehbar, lieber in ein bereits bestehendes Gebäude zu ziehen als zu warten, bis etwas auf der grünen Wiese entsteht.
Die Frage, die sich stellt, ist: Warum wird das erst jetzt bekundet?
Bereits im vergangenen Jahr deutete sich derartiges an: Warum wurde im Sommer 2025 nach der Kampfmittelsondierung das Gelände wieder für landwirtschaftliche Nutzung hergerichtet, wo doch ein knappes Jahr später die Infrastruktur für PCT an diesem Standort bezugsfertig sein sollte? Jeder der mit offenen Augen durch die Gemarkung gelaufen ist, hat sich diese Frage stellen können.
Der Wegzug von Polar Mohr aus dem Bereich Hattersheimer Straße ist schon lange geplant. Diese Veränderung ermöglicht eine städtebauliche Nachverdichtung und den Bau vieler in Hofheim so dringend benötigter Wohnungen. Diese Veränderung war und ist aber gekoppelt an die Notwendigkeit, einen neuen Standort für Polar Mohr bis Ende 2026 zu finden.
In der Anfrage STV2023/016 fragte die Grüne Fraktion schon frühzeitig, ob als Gewerbeerweiterungsgebiet ausgewiesene Flächen, wie z.B. in Wallau südlich der Diedenberger Straße (Wallau III), als neuer Standort für die Firma Polar Mohr in Erwägung gezogen werden könnten. Vom damaligen Ersten Stadtrat Wolfgang Exner wurde stets versichert, das sei weder am genannten Ort noch an anderer Stelle innerhalb des erforderlichen Zeitrahmens möglich. Als Standort in Hofheim käme einzig und allein der in Diedenbergen neu zu schaffende „Gewerbepark In der Lach“ in Frage. Dort hatte bis zum damaligen Zeitpunkt die Firma Krieger über Jahre Ackerflächen erworben, die mit landwirtschaftlicher Zweckbestimmung im Regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesen und daher nicht so teuer waren wie Bauerwartungsland.
Im Regionalen Flächennutzungsplan 2010 (RegFNP) war die Fläche „In der Lach“ überwiegend als „Vorranggebiet für die Landwirtschaft“ und als „Vorranggebiet Regionaler Grünzug“ ausgewiesen sowie teilweise als „Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen“. Daher war für die Verwirklichung des geplanten Gewerbegebietes ein Antrag auf Abweichung von den Zielen des RegFNP beim Regierungspräsidium Darmstadt erforderlich.
Diese Zielabweichung wurde beantragt, weil der Standort „In der Lach“ den Stadtverordneten von Bürgermeister Vogt und Erstem Stadtrat Exner als alternativlos für den Verbleib von Polar Mohr und den Erhalt der Arbeitsplätze in Hofheim dargestellt wurde. Diese Beantragung eines Zielabweichungsverfahrens wurde im März 2023 beschlossen, und zwar gegen die Stimmen der Grünen-Fraktion, die misstrauisch war. Die Bewilligung durch das Regierungspräsidium erfolgte im Dezember 2023.
Nach wie vor stellt sich uns die Frage, woher der Investor die Zuversicht nahm, dieses Zielabweichungsverfahren zu „bekommen“.
Während einer Sitzung des Planungsausschusses im Juni 2025 war von der Geschäftsführerin der Krieger Unternehmensgruppe, Edda Metz, zu erfahren, es gäbe bereits eine schriftliche Vereinbarung zwischen Krieger und Polar zur Nutzung durch Polar ab Ende 2026. Dies bewog die Fraktion der Grünen zur Aufgabe ihres Widerstandes gegen die Entwicklung des Gewerbegebietes „In der Lach“ in der Hoffnung, Polar bekäme dort nun doch tatsächlich einen neuen Standort in Diedenbergen und bliebe somit in Hofheim.
Nur vor diesem Hintergrund stimmte die Grüne Fraktion nicht mehr gegen den Abschluss des Städtebaulichen Vertrages im Juni 2025, sondern enthielt sich lediglich.
„Die Fraktion der Grünen fühlt sich, die Stadtverordnetenversammlung und die Hofheimer Bürgerinnen und Bürger getäuscht. Alles deutet darauf hin, dass das Gewerbegebiet ,In der Lach‘ auf der Grundlage falscher Voraussetzungen entwickelt wird“, so die Grüne Fraktionsvorsitzende Bettina Brestel.
Quelle: Grüne Hofheim

