Hofheimer Wahlkampf: Zwischen Grundsteuer-Schock und Schlagloch-Show

Hofheimer Wahlkampf: Zwischen Grundsteuer-Schock und Schlagloch-Show

Es ist nicht mehr zu übersehen: Der Wahlkampf hat begonnen. Die ersten Plakate hängen, am Samstagvormittag wurde bereits ein Infostand in der Innenstadt gesichtet, und auch die ersten frischen Wahlfilmchen sind online gegangen.

Unisono berichten Lokalpolitiker, die Bürgerinnen und Bürger seien plötzlich wieder auffallend gesprächig. Keine Überraschung: Es geht schließlich ans Portemonnaie. Gerade erst haben Haus- und Wohnungsbesitzer die neuen Bescheide für die Grundsteuer B bekommen. Noch wirkt alles harmlos: Der Bescheid nennt den Hebesatz von 658,23 Prozent – und den Betrag, der vierteljährlich zu zahlen ist.

Gruene Hofheim
Die Grünen waren am Wochenende die ersten mit einem Stand in der Innenstadt.

Doch dabei wird es nicht bleiben – das ist so sicher wie das nächste Schlagloch. Bürgermeister Wilhelm Schultze, 30 Jahre jung und politisch noch im Stadium der Adoleszenz, hatte zunächst vorgeschlagen, den Hebesatz auf satte 2 230 Prozent hochzuschrauben. Ein Griff in die Vollen: Millionen-Einnahmen, Haushaltsloch gestopft, Problem erledigt.

Inzwischen wurde etwas zurückgerudert. Die Verwaltung hat Sparideen gesammelt, gerechnet, gestrichen. Ergebnis: rund 1900 Prozent. Klingt nur etwas erträglich – ist immer noch eine Verdreifachung. Haus- und Wohnungseigentümer können anhand ihres aktuellen Bescheids schon jetzt recht exakt ausrechnen, was da auf sie zurollt.

Die Mieter hingegen leben noch in trügerischer Ruhe. Sie erfahren später, was Sache ist. Mit der Nebenkostenabrechnung. Denn die Grundsteuer darf vollständig umgelegt werden. Dann wird das Wehklagen groß sein.

Mit netten Internet-Filmchen lockt SPD-Chef Aaron Kowacs die Wähler.

Aber jetzt ist erst mal Wahlkampf. Die Wählergemeinschaft „Bürger für Hofheim“ setzt auf kreatives Design: Acht Kandidaten prangen auf dem Plakat – sechs Männer, zwei Frauen. Wählen darf man sie alle, doch einer wird das Mandat garantiert nicht antreten. Bürgermeister Wilhelm Schultze hat sich den ersten Platz gesichert – für die einen ein cleverer Stimmenfänger, für die anderen pure Wählertäuschung. Satire oder Strategie? Die Hofheimer diskutieren, das Plakat lächelt stumm.

Wahlkampf BfH
Transparent und bürgernah – oder eher Show? Einer der Kandidaten der BfH, das steht fest, wird sein Mandat garantiert nicht annehmen.

Wahlkampf ist ja bekanntlich die Zeit, in der man sagen kann, was man will – selbst wenn es mit dem eigenen Lebenslauf kollidiert. Ein besonders hübsches Beispiel liefert derzeit die FDP – sehr zur Erheiterung anderer Hofheimer Lokalpolitiker.

Eines der Plakate, die am Wochenende aufgehängt wurden, zeigt Thomas Jung – Versicherungsvertreter, Stadtrat und seit sechs Jahren ehrenamtlicher Nahmobilitätsbeauftragter. Sein neuer Slogan: „Mehr Parkplätze statt mehr Schlaglöcher.“

Moment mal.

War es nicht derselbe Thomas Jung, der einst dafür warb, Radwege sicherer, schneller und umweltfreundlicher zu machen? Der Fußverkehr, Rad und ÖPNV als Zukunft beschrieb? Der von moderner Mobilität sprach?

Wahlkampf CDU
Die CDU wünscht auf ihren Plakaten noch immer eine „Frohe Weihnachtszeit“
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FDP-Nahmobilitätsdezernent Jung plädiert auf einem Parkplatz für mehr Parkplätze.

Heute also Parkplätze. Möglichst viele. Die Schlaglöcher sind dabei offenbar eher rhetorisches Beiwerk. Denn faktisch wurde der nächste Etat für Straßensanierungen bereits gekürzt – mit Billigung des Magistrats. Das Ergebnis ist absehbar: weniger Reparaturen, mehr Löcher.

Unterm Strich bleibt: Wahlkampf in Hofheim ist viel Show. Große Worte, kurze Erinnerung. Und wenn der letzte Slogan verblasst ist, wissen wir wieder, wo wir stehen: im Schlagloch. Mit freundlicher Unterstützung der kommunalen Haushaltspolitik.

HN / TR

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