Haushaltsstreit in Hofheim: Linke kritisieren CDU-Berechnungen zur „KlimaWildnis“

Haushaltsstreit in Hofheim: Linke kritisieren CDU-Berechnungen zur „KlimaWildnis“

Es gibt ein Förderprogramm namens „KlimaWildnis“: Damit unterstützt der Bund den Ankauf oder die Sicherung kleinerer Flächen, auf denen sich die Natur ohne wirtschaftliche Nutzung eigendynamisch entwickeln kann. Es war ein Vorschlag der Hofheimer Linken, einen Teil des Stadtwaldes für dieses Programm anzubieten – Hofheim könnte Millionen kassieren und die drückende Schuldenlast etwas verkleinern.

Aber das Vorhaben kommt nicht voran. Lokalpolitiker wehren sich gegen das Vorhaben. Sie legen neue Berechnungen vor, wonach die Stadt deutlich weniger Geld erhalten würde, und lehnen eine Übertragung von Stadtwaldflächen an den Bund grundsätzlich ab.

Die Diskussion zieht sich seit Monaten hin. Jetzt kritisieren die Linken in einer Pressemitteilung die aus ihrer Sicht fragwürdigen Zahlen sowie eine vorschnelle Ablehnung der KlimaWildnis. Wir veröffentlichen den Beitrag im Wortlaut:

WaldWildnis: CDU rechnet sich Verluste zurecht

Es ist erfreulich, dass sich nun auch die CDU im Ortsbeirat Kernstadt mit der Klima-Wildnis beschäftigt. Weniger erfreulich ist, zu welchen Ergebnissen sie dabei kommt. Mit einer höchst fragwürdigen Modellrechnung versucht sie, den dauerhaften Nutzungsverzicht auf Teile des Hofheimer Stadtwaldes als finanzielles Risiko darzustellen. Dabei werden Gewinne unterstellt, die der Hofheimer Forstbetrieb seit Jahren nicht erwirtschaftet.

Die CDU rechnet bei einer angenommenen Fläche von 50 Hektar mit jährlich 4.750 Euro entgangenem Reinertrag aus dem Holzverkauf. Dieser soll zudem jedes Jahr um vier Prozent steigen. Als Quelle für den angenommenen Reinertrag von 95 Euro je Hektar nennt sie ausdrücklich „laut KI“. Eine bemerkenswerte Grundlage für einen Antrag, mit dem eine mögliche Millioneneinnahme für die Stadt verhindert werden soll.

Ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen hätte genügt, um Zweifel an dieser Annahme zu wecken. Der Hofheimer Forstbetrieb schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. Allein 2025 betrug das Defizit rund 667.000 Euro. Auch für 2027 werden die Einnahmen aus dem Holzverkauf mit lediglich 290.000 Euro veranschlagt. Dem stehen allein für Holzernte und Personal rund 590.000 Euro gegenüber.

Zwar lassen sich die Gesamtausgaben des Forstbetriebs nicht vollständig der Holzproduktion zurechnen. Umso wichtiger wäre aber der Nachweis, dass die von der CDU betrachteten Waldflächen tatsächlich den behaupteten Reinertrag erwirtschaften.

Einseitige Kalkulation – Kosten angesetzt, Einsparungen ignoriert

Damit nicht genug: Zusätzlich belastet die CDU ihre Rechnung mit jährlich 3.333 Euro Verkehrssicherungskosten. Diese fallen jedoch bereits heute an. Ob und in welcher Höhe durch den Holzverzicht zusätzliche Kosten entstehen, wird überhaupt nicht untersucht. Gleichzeitig bleiben mögliche Einsparungen bei der Holzernte und der Bewirtschaftung unberücksichtigt.

Besonders eigenwillig ist der Umgang mit der Inflation. Während die angenommenen Holzerträge jährlich um vier Prozent und die Verkehrssicherungskosten um drei Prozent steigen sollen, bleibt die Einmalzahlung von einer Million Euro über Jahrzehnte unverzinst. Eine Verwendung zum Schuldenabbau und die damit verbundenen Zinsersparnisse kommen in der Rechnung ebenso wenig vor. So lässt sich die Million bis zum Jahr 2074 rechnerisch aufzehren – lediglich rechnerisch, wohlgemerkt, und weit entfernt von einer realistischen Erwartung. Und selbst die angebliche 30-Jahre-Bilanz umfasst tatsächlich 31 Jahre!

KlimaWildnis – Millionenpotenzial für den städtischen Haushalt

Dabei bietet die Klima-Wildnis gerade für das hoch verschuldete Hofheim eine ernsthaft zu prüfende Perspektive. Bei einem Nutzungsverzicht auf rund 500 Hektar Stadtwald könnten nach bisherigen Schätzungen etwa 12 bis 15 Millionen Euro aus dem Bundesförderprogramm fließen. Die tatsächliche Förderfähigkeit und die Höhe der Zahlung müssen anhand der konkreten Flächen ermittelt werden. Die Stadt bliebe Eigentümerin des Waldes.

Hinzu kämen Einsparungen bei den laufenden Bewirtschaftungskosten. Die Linke hält eine jährliche Entlastung von rund 120.000 Euro für möglich. Auf 30 Jahre gerechnet wären das weitere 3,6 Millionen Euro, ohne künftige Kostensteigerungen. Auch diese Schätzung muss anhand der tatsächlichen Ausgaben überprüft werden. Angesichts der bisherigen Defizite wäre es allerdings fahrlässig, dieses Einsparpotenzial nicht ernsthaft zu untersuchen.

Eine solche Einnahme könnte den städtischen Haushalt erheblich entlasten. Sie ersetzt keine dauerhafte Haushaltskonsolidierung, könnte aber zur Schuldentilgung beitragen und damit Zinsausgaben verringern. Geld, das die Stadt nicht aufbringen muss, braucht sie auch nicht über weitere Belastungen der Bürgerinnen und Bürger zu erwirtschaften.

Völlig ausgeblendet wird im CDU-Antrag zudem der ökologische Nutzen. Ein Naturwald bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zusätzliche Lebensräume. Er kann zur Sicherung natürlicher Kohlenstoffspeicher beitragen und wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt übernehmen. Auch die Erholungsmöglichkeiten bleiben grundsätzlich erhalten. Die Stadt verzichtet auf die forstwirtschaftliche Nutzung, nicht auf den Wald.

Ortsbeirat entscheidet – Prüfauftrag statt pauschaler Ablehnung

Immerhin fand der ursprüngliche CDU-Antrag zur pauschalen Ablehnung der KlimaWildnis im Ortsbeirat keine Mehrheit. Stattdessen wurde ein Prüfantrag beschlossen: Der Magistrat soll untersuchen, welche Waldflächen der Kernstadt für Klima-Wildnis oder die Vermarktung von Ökopunkten infrage kommen. Sechs Mitglieder stimmten dafür, die beiden CDU-Vertreter dagegen, die FDP enthielt sich. Damit hat sich der Ortsbeirat für eine Prüfung der Möglichkeiten ausgesprochen, statt sie von vornherein auszuschließen.

Die Linke erwartet nun, dass die Stadtverwaltung die finanziellen und ökologischen Auswirkungen beider Modelle auf der Grundlage belastbarer Zahlen gegenüberstellt. Dabei dürfen nicht allein mögliche Einnahmen zählen, sondern ebenso die langfristigen Bewirtschaftungskosten und die unterschiedlichen Auswirkungen auf den Naturhaushalt.

Angesichts der desaströsen Haushaltslage und der drastisch gestiegenen Grundsteuer B ist es kaum nachvollziehbar, dass die CDU eine mögliche Millioneneinnahme von vornherein ausschließen wollte, ohne die wirtschaftlichen Grundlagen ausreichend geprüft zu haben.

Quelle: Die Linke Hofheim

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