Diskussionsabend für alle: Untere Hauptstraße – Wie wollen wir sie künftig nutzen?
Es ist ein Verkehrsversuch, den niemand geplant hat: Wegen der Bauarbeiten am Innenstadtring ist die Ausfahrt aus der unteren Hauptstraße für mehrere Wochen gesperrt. Die untere Hauptstraße präsentiert sich also vorübergehend ohne Durchgangsverkehr. Damit ist ein Zustand entstanden, über den in Hofheim seit Jahrzehnten diskutiert wird. Dieser besonderen Situation möchten die Arbeitsgruppe Nachhaltige Mobilität der Hofheimer Lokalen Agenda 21 (HLA) und die Stadt Hofheim am Montag, 9. November, einen Raum geben, in der die Stadtgesellschaft konstruktiv diskutieren darf und soll.
Hofheim-News hatte kürzlich darüber berichtet: Der Diskussionsabend wurde ausgerechnet für den 9. November terminiert – jenen Abend, an dem der Opfer der Novemberpogrome gedacht wird. Die Gedenkstunde beginnt um 18 Uhr auf dem Tivertonplatz, direkt im Anschluss startet um 19:30 Uhr die Debatte in der Stadthalle. Dazu lädt die Hofheimer Lokale Agenda jetzt per Pressemitteilung ein, in der es heißt:
Das Podium setzt sich zusammen aus Vertretern und Vertreterinnen der Fraktionen des Stadtparlaments, dem Einzelhandelsverband IHH und der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt. „Wir freuen uns ganz besonders, dass viele wichtige Persönlichkeiten unserer Stadtgesellschaft ihre Teilnahme zugesagt haben!“ so Dr. Uwe Conrad, Leiter der AG Nahmobilität der HLA. Jetzt hoffen er und sein Team auf rege Teilnahme interessierter Bürgerinnen und Bürger aus Hofheim.
Bereits bei der Altstadtsanierung in den 1970er Jahren war die Erweiterung der Fußgängerzone bis zur Alten Bleiche ein Thema. Auch der aufwendig erarbeitete Stadtentwicklungsplan von 2005 und der Verkehrsentwicklungsplan von 2009 hatten diese Maßnahme empfohlen. Umgesetzt wurde sie bislang nicht. Nun schafft ausgerechnet eine Baustelle die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, bevor erneut über die Zukunft der unteren Hauptstraße entschieden wird.
Was verändert sich für die Innenstadt und den Einzelhandel? Ist es angenehmer geworden, durch die Straße zu schlendern oder sich vor einem Café aufzuhalten? Können Kinder sich sicherer bewegen? Wie erleben ältere Menschen und Personen mit Rollator oder Rollstuhl die neue Situation? Und wie kommen Radfahrende damit zurecht?
Ebenso wichtig sind die wirtschaftlichen Fragen: Welche Erfahrungen machen die Einzelhandelsbetriebe? Verändern sich Kundenfrequenz und Umsätze? Wie beurteilen die Gastronomiebetriebe und ihre Gäste die Situation? Was sagen die Anwohnerinnen und Anwohner? Und wie sehen es diejenigen, die die untere Hauptstraße bisher als kurze Verbindung zum Innenstadtring genutzt haben?
Bürger dürfen mitreden: Wem gehört der öffentliche Raum?
Einen Blick über die konkrete Hofheimer Situation hinaus eröffnet Professor André Bruns von der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Der Experte für Mobilitätsmanagement und Verkehrsplanung wird in einem Impulsvortrag das Thema Flächengerechtigkeit aufgreifen. Dahinter steht eine grundsätzliche Frage: Wie gerecht ist der öffentliche Straßenraum zwischen Autofahrenden, Radfahrenden und Menschen zu Fuß verteilt? Und wie viel Platz bleibt für Menschen, die sich dort begegnen, miteinander ins Gespräch kommen oder einfach verweilen möchten?
Mit solchen Fragen beschäftigt sich die AG Nachhaltige Mobilität schon seit mehreren Jahren. Bereits 2023 machte sie in einem Positionspapier auf Probleme des Fußverkehrs in Hofheim aufmerksam. Gerade die untere Hauptstraße fiel damals durch hohes Verkehrsaufkommen, zu hohe Geschwindigkeiten und eingeschränkte Bewegungsflächen für zu Fuß Gehende auf.
Die Veranstaltung soll keine reine Diskussion unter Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Institutionen werden. Auch das Publikum erhält Gelegenheit, seine Erfahrungen und Vorstellungen einzubringen. Über eine digitale Befragung können die Teilnehmenden die gegenwärtige Situation bewerten und Vorschläge für die künftige Nutzung der unteren Hauptstraße machen.
Die HLA möchte damit ein Meinungsbild gewinnen, das über die bekannten Positionen aus Politik und Interessenverbänden hinausgeht. Unterschiedliche Interessen sollen offen zur Sprache kommen und Argumente ausgetauscht werden, bevor Entscheidungen fallen.
Die vorübergehende Sperrung bietet dafür eine besondere Gelegenheit: Statt nur über mögliche Veränderungen zu spekulieren, können die Hofheimerinnen und Hofheimer ihre eigenen Erfahrungen zur Diskussion stellen. Die HLA und die Stadt Hofheim laden alle Interessierten ein, sich am 9. November zu beteiligen und ihre Vorstellungen von einer lebenswerten Hofheimer Innenstadt einzubringen.
Quelle: HLA

