Zwischen Ampel-Flut und Radler-Frust: Nächste Protestdemo in Hofheim am Samstag
Es ist ein Trauerspiel in schier unendlichen Akten: Seit Jahren treten Hofheims Radfahrerinnen und Radfahrer auf der Stelle. Monat für Monat rollen sie protestierend durch die Kreisstadt, um die Lokalpolitik endlich aus ihrem verkehrspolitischen Tiefschlaf zu wecken. Am Samstag, 31. Oktober, steht mit der diesjährigen Abschlussdemonstration von „Hofheim bewegt sich“ der nächste Protest an – und der Anlass dafür könnte kaum aktueller sein. Denn passiert ist im vergangenen Jahr – Überraschung – fast nichts. Doch wer lange genug im Regen steht, freut sich bekanntlich schon über ein Dach, das Löcher hat…
Dabei heizt sich die Stimmung auf Hofheims Straßen gerade ordentlich auf: Erst vor wenigen Tagen gingen rund 200 Bürgerinnen und Bürger gegen die explodierende Grundsteuer B auf die Straße. Die Haushaltskrise ist das Thema der Stunde. Während die einen lautstark protestieren, weil ihnen die Stadt tief in die Tasche greift, positioniert sich die Initiative „Hofheim bewegt sich“ in ihrem aktuellen Newsletter wie gewohnt als konstruktive, aber spürbar ernüchterte Begleiterin. Galgenhumor dient dabei als Ventil für die anhaltende Frustration über im Schneckentempo verlaufende Fortschritte.
Wie sich Hofheims Verkehrspolitik in der Praxis anfühlt, veranschaulicht die Initiative in ihrem Schreiben anhand eines aktuellen Beispiels: Im Zuge der Baustellen im Verteilerring wurde in der Elisabethenstraße (Einmündung Richard-Zorn-Weg) eine neue Ampel aufgestellt. „Sie wird schon reichlich von Fußgängern genutzt“, freut sich das Orgateam im Newsletter. Für Fußgänger sei die Querung zur Innenstadt ein Stück einfacher geworden.
Und die Radler? Die dürfen schieben.
Denn was nützt eine nagelneue Ampel, wenn davor ein hoher Bordstein als Barriere thront? Die Posse dahinter zeigt das ganze Ausmaß der hiesigen Bürokratie- und Haushalts-Paralyse: Die Landesstraßenbaubehörde Hessen Mobil war nur für die Ampel zuständig, nicht aber für den Bordstein – der ist Hofheimer Stadtangelegenheit. Doch die städtischen Kassen sind, passend zum kalten Herbstwetter, frostig klamm. Eine Absenkung? Derzeit schlicht unbezahlbar.
So schaut moderne Radverkehrsförderung anno 2026 in Hofheim aus: Man baut eine Ampel für Radler, an der Radler absteigen müssen.

Dass auch die versprochene Radspur am Verteilerkreisel weiter auf sich warten lässt – Hessen Mobil und Stadtverwaltung haben bei der Planung der Baustelle die Radfahrer einfach vergessen –, passt da nur zu gut ins Bild. Die Enttäuschung sitzt tief, doch die Hofheimer Speichen-Community lässt sich den Humor nicht austreiben. Unter dem Motto „Wir lassen uns die Laune trotzdem nicht vermiesen“ ruft die Initiative nun zur Straße auf:
Wer den Verantwortlichen im Rathaus nach den Steuer-Protesten zeigen möchte, dass auch ein hoher Bordstein nicht das Ende der Debatte sein kann, muss am kommenden Samstag, 31. Oktober, Präsenz zeigen. Die diesjährige Abschlussdemonstration von „Hofheim bewegt sich“ startet um 11 Uhr auf dem Kellereiplatz.
Und noch ein wichtiger Zusatz-Tipp aus dem Newsletter für alle geplagten Pedaltreter: Bis zum 30. November läuft noch der ADFC-Fahrradklimatest. Eine gute Gelegenheit, der Hofheimer Radpolitik auf dem Papier genau das Zeugnis auszustellen, das sie sich über Jahre hinweg ehrlich verdient hat.
TR


Bennen wir die Stadt Hofheim einfach um in Ampelbach
Zur Zeit passt doch eher Autohausen!