Kassensturz im Rathaus: Der 5.404-Euro-Schock für Hofheim

Kassensturz im Rathaus: Der 5.404-Euro-Schock für Hofheim

Der Arbeitskreis Haushaltskonsolidierung hat mal wieder getagt – erstmals öffentlich. Gebracht hat es: reichlich wenig. Auch nach Monaten harter Debatten sind Hofheims Stadtverordneten in Sachen Konsolidierung keinen Schritt weiter. Immerhin gab es eine winzige Beruhigungspille, verabreicht von Bürgermeister Wilhelm Schultze: Ein Ende der haushaltslosen Zeit zeichnet sich ab. Doch der Rest des Abends? Ein einziges finanzielles Grauen.

Im Zentrum der Sitzung stand ein fast dreistündiger Vortrag eines Vertreters des Hessischen Rechnungshofs. Dessen unbestechliche Analyse der Haushaltszahlen wirkte wie eine kalte Dusche: 1.975 Euro Schulden hat die Stadt pro Einwohner aufgetürmt. Im Vergleich ähnlicher hessischer Städte ist das der zweite Platz – nur Maintal ist klammer.

Richtig düster wird es allerdings, wenn man den Blick auf den „Konzern Kommune“ weitet und die städtischen Eigenbetriebe sowie Beteiligungen (HWB, Musikschule etc.) hinzurechnet: Dann steht Hofheim mit sagenhaften 5.404 Euro Schulden pro Kopf da. Ein trauriger Spitzenplatz in ganz Hessen! Da verblasst selbst Bad Vilbel (5.163 Euro), und Maintal landet weit abgeschlagen auf Platz drei (3.282 Euro).

Die Stadtverordneten mussten erst einmal schlucken. Doch es ging weiter: Zur Bewertung der finanziellen Fitness nutzt der Rechnungshof das „Kommunale Auswertungssystem“ (KASH). Acht Kriterien von der Liquiditätsreserve bis zum Finanzergebnis fließen ein. Bestnote sind 100 Punkte.

Hofheim schafft gerade einmal mickrige fünf Punkte – tiefroter geht der Ampelstatus kaum.

Hofheim
Zum Vergrößern anklicken: Für die finanzielle Leistungsfähigkeit Hofheims gibt der Rechnungshof gerade mal fünf Punkte – von 100 möglichen.

Der Rechnungsprüfer legte noch mehr Finger in die Wunden: Im Hofheimer Rathaus leistet man sich im interkommunalen Vergleich eine auffällig üppige Führungsriege. Und während den Bürgern bei den großen Steuern ordentlich in die Tasche gegriffen wird, lässt die Stadt kleinere Steuern – etwa die Spielapparatesteuer – unbeachtet liegen.

Ein besonders unangenehmer Moment: In den Jahren 2017 bis 2025 schienen die Haushaltsplanungen der Verwaltung eher von Wunschdenken als von Realismus geprägt. In fünf Jahren schlossen die Bilanzen am Ende deutlich schlechter ab als angekündigt. Die Frage aus dem Arbeitskreis, wie so etwas passieren könne und wer dafür die Verantwortung trage, stieß im Saal auf beredtes Schweigen. Die anwesenden Vertreter aus der Finanzabteilung des Rathauses duckten sich weg. Der Mann vom Rechnungshof riet trocken: Man möge sich künftig doch bitte an den Grundsatz des „vorsichtigen Kaufmanns“ halten – und an Haushaltswahrheit und -klarheit.

Praesentation 2
Wunschdenken als Methode: 2017, 2020 und dann drei Jahre in Folge (2023–2025) fielen Hofheims Zahlen am Ende deutlich schlechter aus als zuvor geplant. Ein eklatanter Mangel an Rechenkunst – oder gezielte Mogelpackungen für die Haushaltsgenehmigung? (Zum Vergrößern aufs Bild klicken).

Seine Kernbotschaft war unmissverständlich: Der ständige Ergebnisausgleich ist Pflicht, um keine unbezahlbaren Erblasten auf künftige Generationen abzuwälzen. Sämtliche freiwilligen Angebote gehören auf den Prüfstand, und bei der Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen müssen mindestens 15 Prozent Einsparpotenzial gehoben werden.

Hofheimer Etat 2026: Genehmigung kommt wohl – mit einem Haken

Im Nachgang zu dieser Sitzung verschickte das Rathaus an diesem Mittwoch eine Pressemitteilung, die sich naturgemäß ganz anders liest. Keine Spur von Zahlen-Schock. Stattdessen das übliche PR-Sprech: Die Beratung liefere „konkrete Anregungen für die weitere Arbeit in Hofheim“. Man müsse nun prüfen, was sich umsetzen lasse. Dazu gewohnt weiche Worte vom Bürgermeister: „Der Blick von außen hilft uns, mögliche Entlastungen für den Haushalt gezielter zu prüfen.“ Und man wolle die Belastungen für die Bürger „so weit wie möglich begrenzen“.

Immerhin, einen Etappensieg kurz vor Torschluss konnte er verkünden: Die Finanzabteilung hat es knapp zwei Monate vor Jahresende hinbekommen, einen Etatentwurf vorzulegen, der vom Regierungspräsidium als genehmigungsfähig eingestuft wird.

Ein dicker Haken bleibt allerdings: Den zwingend geforderten Korrektur-Haushalt – den sogenannten Nachtragshaushalt, mit dem das aufgelaufene Millionen-Loch für dieses Jahr offiziell geflickt werden muss – haben die Stadtverordneten noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Sie sollen dieses im Grunde schon abgelaufene Zahlenwerk demnächst im Eiltempo abnicken, damit die Stadt überhaupt wieder legal Geld ausgeben darf.

Immerhin gibt es beim Konsolidierungszeitraum etwas Luft: Ursprünglich sollte die Stadt ihren Haushalt bereits bis 2029 ins Lot bringen – was den Druck auf die Grundsteuer drastisch erhöht hatte. Nun heißt es plötzlich, man habe Zeit bis 2031. Die Linken hatten diese Verlängerung schon lange gefordert, waren aber stets abgeblitzt. Im Rathaus erklärte bislang unter Verweis auf die Gesetzeslage, eine solche Fristverlängerung sei als absolut unmöglich. Geht nun doch.

TR

Ein Gedanke zu “Kassensturz im Rathaus: Der 5.404-Euro-Schock für Hofheim”

  1. Da ist mein Geburtsort ja noch gering verschuldet. Ich wohne jetzt in Monheim am Rhein (in Nordrhein-Westfalen), und wir haben seit 2024 eine kommunale Gesamtverschuldung von rund einer Milliarde Euro. Nach aktuellen Prognosen könnte dieser Betrag bis 2028 auf etwa zwei Milliarden Euro anwachsen.
    Gruß aus Monheim am Rhein

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