Mehr Sicherheit am Bahnhof: FDP sieht Fortschritte und hat Graffiti-Idee
Bessere Sauberkeit, mehr Kontrollen und eine neue Idee für die Bahnhofsunterführung: Die FDP Hofheim sieht in den aktuellen Sicherheitsberichten der Stadt einen Erfolg ihrer parlamentarischen Arbeit – spart jedoch nicht mit Kritik am langen Anlauf der Verwaltung. Lesen Sie dazu die Pressemitteilung der FDP-Fraktion:
Sicherheit bedeutet Freiheit, und für Freiheit schlägt das Herz der Freien Demokraten. Da ist es nicht verwunderlich, dass die FDP Hofheim die Erhöhung der Sicherheit von Bürgerinnen und Bürgern im Stadtgebiet im November letzten Jahres erneut zum Gegenstand eines Antrages machte. Dieser Antrag war wiederholt vertagt worden – nun stand er auf der Agenda für die Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschusses.
Für die Stadt bedeutete die wiederholte Vertagung ein Zeitgewinn, und so hat sie schließlich ihre Hausaufgaben gemacht, wie es die Liberalen sehen. Denn mit dem Antrag hat die Stadt nunmehr den Abschlussbericht des Pilotprojektes KOMPASSbahnhof sowie einen Auszug aus dem KOMPASS-Abschlussbericht zur Kenntnisnahme vorgelegt.
Die Unterführung am Hofheimer Bahnhof war lange Zeit eine wenig rühmliche Visitenkarte der Kreisstadt. Eine Tatsache, der sich die Partner des Projektes KOMPASSbahnhof bereits bei Vertragsunterzeichnung im Dezember 2023 bewusst waren und die die FDP Hofheim gemeinsam mit CDU und FWG im November 2024 in einem Antrag thematisiert hatte. Doch gut Ding will Weile haben, und was lange währt, wird endlich gut:
Längst überfällige Reinigungsmaßnahmen der Stadt, offensichtlich in Vergessenheit geratene Instandsetzungsmaßnahmen der Deutschen Bahn, präventive und ordnungsbehördliche Maßnahmen sowie polizeiliche Maßnahmen haben maßgeblich zu einer Verbesserung der Situation beigetragen.
Das für die Wandgestaltung der Bahnhofsunterführung geplante Graffiti kann angesichts der angespannten Haushaltssituation zwar nicht umgesetzt werden. Doch die in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport, Kultur, Soziales und Integration spontan entwickelte Idee der FDP-Fraktionsvorsitzenden Michaela Schwarz, die Wände im Rahmen der städtischen Jugendarbeit von den Jugendlichen mit Graffiti gestalten zu lassen, wurde von Bürgermeister Wilhelm Schultze freudig aufgenommen und dürfte die Wände möglicherweise vor irgendwelchen Schmierereien bewahren.
Bekanntlich hilft es, miteinander zu reden, und so haben die Beteiligten des KOMPASSbahnhof-Projektes die Zusammenarbeit sehr positiv gewertet und wollen auch in Zukunft am Erhalt dieser Ergebnisse arbeiten. Da fragt man sich natürlich, warum man es so weit hat kommen lassen.
Miteinander geredet haben auch die Mitglieder des Präventionsrates, im Dezember 2024 legten sie einen umfassenden Bericht vor. Und wie die Kriminalstatistik zeigt, gilt Hofheim als sichere Stadt. Wie der Vorlage des Magistrats zu entnehmen ist, seien eine weitere Erörterung und ein weiteres Sicherheitskonzept nicht vorgesehen. Die FDP Hofheim hat ihren Antrag daher als erledigt zurückgezogen. Dass es zur Erlangung dieser Informationen allerdings eines wiederholten Antrages bedurfte, ist aus Sicht der Liberalen bezeichnend. Sie werden die Sicherheit in Hofheim weiterhin aufmerksam verfolgen und bei Bedarf ein weiteres Mal einen entsprechenden Antrag stellen. Die Kriminalstatistik, so wurde es im Ausschuss vereinbart, soll zukünftig wieder jedes Jahr dort vorgestellt werden.
Quelle: FDP Hofheim



Von welchem Bahnhof reden die? Wer auch immer das geschrieben hat, dürfte nicht oft mit der Bahn unterwegs sein. Bis auf dass vor etlichen Monaten mal jemand das Dach abgestützt hat und inzwischen manchmal zwei Männer irgendwas an der Tunnelwand herumbohren, vielleicht, um mal irgendwann wieder eine Wandverkleidung anzubringen, sehe ich wenig Veränderung. Und dass der Bodenbelag im Tunnel bei Regen lebensgefährlich ist und inzwischen sogar die Treppengeländer weggeflext wurden, scheinen die sich lobpreisenden Liberalen auch nicht gemerkt zu haben.
So langsam bekomme ich das Gefühl, es muss noch einen anderen, schönen, funktionierenden Bahnhof in irgend einem ebensolchen Parallel-Hofheim geben.
Was die FDP hier über den Hofheimer Bahnhof verbreitet, ist Mumpitz. Von einer „maßgeblichen Verbesserung“ kann keine Rede sein. Neue Verschalungen sind bereits wieder beschmiert, der Spiegel zur Entschärfung eines toten Winkels ist zerstört, an einem Sonntagvormittag waren kürzlich alle drei Aufzüge außer Betrieb. Zersplitterte Bierflaschen in den Aufzügen und Zigarettenkippen überall runden das Bild negativ ab.
Wer regelmäßig Bahn fährt und viele Bahnhöfe kennt, weiß: Der Hofheimer Bahnhof ist in seinem Zustand für eine Kreisstadt bemerkenswert – allerdings nicht im positiven Sinne.
Gegen Graffiti-Projekte mit Jugendlichen ist nichts einzuwenden. Daraus aber eine Erfolgsgeschichte über Sicherheit und Aufenthaltsqualität zu stricken, ist schon eine bemerkenswerte Schönzeichnung der tatsächlichen Verhältnisse. Das Programm KOMPASSbahnhof des Hessischen Innenministeriums mit einer seiner Pilotkommunen Hofheim versucht die Sicherheitslage an Bahnhöfen nachhaltig zu verbessern und setzt dabei auf „Ordnungspartnerschaften“ der Kommunen mit den jeweils zuständigen hessischen Polizeipräsidien, der Deutschen Bahn und der Bundespolizei. Von Maßnahmen wie „gemeinsamen Streifenkonzepten, städtebaulichen Beratungen durch Experten der kriminalpolizeilichen Beratung zur schnellen Beseitigung von festgestellten Mängeln sowie Prüfungen über die Einrichtung von Videoschutzbereichen“ ist dabei die Rede. Wann erfolgen diese beispielhaften Maßnahmen?
Kurzum: Realitätsferne und Schönfärberei sind keine Kategorien von „Sicherheit bedeutet Freiheit“ und helfen den Bürgern garantiert nicht. Vielleicht sollte die FDP ihre Pressemitteilung einmal mit der Wirklichkeit vor Ort abgleichen. Denn wer Verbesserungen verkündet, sollte sich zunächst vergewissern, ob sie am Bahnhof auch tatsächlich angekommen sind.
Der Vermutung meines Vorkommentators hinsichtlich eines wohl existierenden „Parallel-Hofheims“ kann ich mich nur anschließen.