Gewerbeverein stellt sich hinter Wallau Ost III: „Jetzt braucht es Lösungen“
Wer am lautesten trommelt, bestimmt meist den Takt. Das zeigt sich seit Monaten in Wallau, wo die Diskussion um das geplante Gewerbegebiet die Gemüter erhitzt. Bislang dominierten vor allem die Skeptiker die Arena: Da ist von planierten Landschaften die Rede, von unklaren Gewinnversprechen, von Lawinen aus Blech und der Sorge, dass am Ende außer Spesen nichts gewesen ist. Es sind Argumente in der Dauerschleife. Obwohl Investor und Befürworter beharrlich dagegenhalten, dreht sich die Debatte im Kreis – ohne jeden Erkenntnisgewinn. Doch jetzt regt sich lautstarker Widerstand gegen die reine Bedenkenträgerei. Der Wallauer Gewerbeverein – erst unlängst von Michael Ströhmann aus dem Dornröschenschlaf geweckt – meldet sich im Ring zurück.
Die Fakten liegen eigentlich auf dem Tisch: Der Frankfurter Investor Lang & Cie hat sich die Grundstücke gesichert und plant den Bau zweier großer Hallen. Steuereinnahmen winken – und außerdem soll die Stadt ein Areal erhalten, auf dem sich regionales Gewerbe ansiedeln kann. Eine echte Chance für den lokalen Mittelstand. Nach der politischen Sommerpause fallen die endgültigen Entscheidungen. Der Gewerbeverein bezieht vor dem Showdown im Rathaus klar Stellung – wir dokumentieren im Wortlaut:
Es fällt auf, dass in der öffentlichen Diskussion immer wieder dieselben Argumente vorgetragen werden, obwohl zentrale Fragen in den vergangenen Wochen und Monaten bereits ausführlich beantwortet wurden. Anstatt die inzwischen vorliegenden Erkenntnisse in die Debatte einzubeziehen, werden bereits geklärte Sachverhalte erneut infrage gestellt.
Dies gilt insbesondere für die Behauptung, die Stadt habe keinen Einfluss darauf, welche Unternehmen sich im geplanten Gewerbegebiet Wallau III ansiedeln könnten und es bestehe deshalb die Gefahr großflächiger Logistikbetriebe.

Genau dieser Punkt wurde in der gemeinsamen Sondersitzung der Ortsbeiräte Wallau und Diedenbergen ausführlich behandelt. Der Investor erläuterte dort nachvollziehbar, dass das flexible Flächenkonzept sowohl die Ansiedlung eines einzelnen Gesamtnutzers als auch mehrerer kleiner und mittelständischer Unternehmen ermöglicht. Logistiknutzungen sind grundsätzlich zwar denkbar, hochfrequente Logistik oder reine Speditionsbetriebe sind an diesem Standort jedoch weder wirtschaftlich realistisch noch Gegenstand der Planung. Wallau III ist vielmehr auf hochwertige Gewerbebetriebe und mittelständische Unternehmen ausgerichtet. Diese Erläuterungen erfolgten öffentlich und sind dokumentiert.
Auch die Aussage, in Hofheim stünden ausreichend Gewerbeflächen zur Verfügung, entspricht nach Auffassung des Gewerbevereins nicht der Realität. Aus zahlreichen Gesprächen mit Unternehmen wissen wir, dass insbesondere expandierende mittelständische Betriebe seit Jahren vergeblich nach geeigneten Erweiterungsflächen suchen.
Unternehmen suchen Flächen – und finden nichts
Unternehmer wie Holger Helmiss, Wallau, die Firma V+P GmbH, Wallau sowie die Firma Kolb haben ihre Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Erweiterungsflächen mehrfach öffentlich geschildert. Ihre Erfahrungen stehen stellvertretend für zahlreiche mittelständische Betriebe, die in Hofheim investieren, Arbeitsplätze sichern und Gewerbesteuer vor Ort zahlen möchten, dafür aber keine geeigneten Entwicklungsmöglichkeiten finden.
Der Gewerbeverein würde deshalb gerne erfahren, welche konkreten und realistischen Alternativen Herr Hausmann den heimischen Unternehmen anbietet, die seit Jahren vergeblich nach Erweiterungsflächen suchen.
Wer die Entwicklung neuer Gewerbeflächen ablehnt, sollte zugleich aufzeigen, wo bestehende Betriebe künftig wachsen können. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Investitionen, Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen in Nachbarkommunen verlagert werden.
Um Hofheim als modernen Wirtschaftsstandort weiter zu stärken und im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen bestehen zu können, begrüßt der Gewerbeverein ausdrücklich die Entwicklung eines MultiBusinessHub. Das Konzept schafft ein hochwertiges und homogenes Unternehmensumfeld für mehrere Unternehmen unterschiedlicher Größe und ermöglicht eine flexible sowie zukunftsorientierte Flächennutzung. Damit erhalten sowohl expandierende mittelständische Betriebe als auch neue Unternehmen die Möglichkeit, sich langfristig in Hofheim anzusiedeln oder am Standort zu wachsen. Gleichzeitig stärkt ein solcher Unternehmenscampus das wirtschaftliche Profil der Stadt und erhöht ihre Attraktivität im regionalen Wettbewerb.
Tragfähige Lösungen für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt müssen her
Für den Gewerbeverein ist deshalb klar: Die wirtschaftliche Entwicklung Hofheims benötigt zusätzliche Gewerbeflächen. Sie sind eine wesentliche Voraussetzung, um den Mittelstand zu stärken, bestehende Arbeitsplätze zu sichern, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die kommunalen Einnahmen langfristig zu stabilisieren.
Ebenso selbstverständlich ist, dass bei der Entwicklung neuer Gewerbeflächen die Belange von Verkehr, Umwelt und Anwohnerschaft angemessen berücksichtigt werden. Der Gewerbeverein setzt sich deshalb seit Beginn des Verfahrens ausdrücklich für die Umsetzung der notwendigen Verkehrsentlastungsmaßnahmen ein.
Eine konstruktive Diskussion lebt vom Austausch unterschiedlicher Positionen. Sie setzt jedoch voraus, dass neue Erkenntnisse und belastbare Fakten in die Bewertung einfließen. Wer bereits beantwortete Fragen immer wieder neu aufwirft, trägt nicht zu einer lösungsorientierten Debatte bei.
Hofheim braucht jetzt keine immer wiederkehrenden Grundsatzdebatten über bereits geklärte Sachverhalte, sondern tragfähige Lösungen für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt. Der Gewerbeverein wird diesen konstruktiven Weg auch weiterhin aktiv begleiten.


Endlich!
Der Erklärung des Gewerbevereins Wallau ist nichts – gar nichts – hinzuzufügen.
Nicht die Großen fressen die Kleinen, die Schnellen fressen die Langsamen und Hofheim gehört seit langen Jahren zu Letzteren.
Sehr geehrter Herr Ströhmann, auch auf die Gefahr hin, dass auch ich – so wie Sie auch – „keine neuen Erkenntnisse und belastbare Fakten in die Bewertung einfließen“ lasse, etwas Grundsätzliches vorweg:
Für die Ausweisung neuer Gewerbegebiete im Flächennutzungsplan ist der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main zuständig. Und der achtet darauf, dass das ausgewiesene Flächenangebot die zu erwartende Nachfrage nicht allzu stark übersteigt. Für welche der im Regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesenen Bauflächen dann auch Planungsrecht geschaffen wird, also ein Bebauungsplan verabschiedet wird, das bestimmen die Gemeinden.
Die Ausweisung neuer Gewerbegebiete bringt zunächst mal weder neue Gewerbegrundstücke für Betriebserweiterungen und -neuansiedlungen noch Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt, denn dazu müssten diese Flächen erst erschlossen und sich dort möglichst steuerträchtige Betriebe ansiedeln. Aber die gibt es kaum, im Gegenteil: Auch in Hofheim werden – wie überall im Lande – mehr Gewerbeflächen freigesetzt als neue genutzt werden, s. Homburger und Hattersheimer Straße. Und auch In der Lach scheint die Nachfrage nach Gewerbeflächen nicht gerade überbordend zu sein. Auch Ihr Gewerbeverein hatte nichts dagegen, dass an der Hattersheimer Straße 5 ha Gewerbegebiet zu einem Wohngebiet umgewandelt wurden.
Von Aachen bis Zwickau: Dass Gemeinden sehr viel mehr Gewerbeflächen in petto haben als jemals gebraucht werden, ist ein bundesweites Phänomen, auch in Hofheim und ganz Südhessen. Allein: Es mangelt an Nachfrage. Und das nicht erst in den letzten Jahren, sondern bis zurück ins letzte Jahrtausend. Auch für die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen und nunmehr zurückgegebenen Gewerbeflächen in Marxheim und in Hofheim-Nord gab es in all den Jahren keine ernsthaften Interessenten.
Auf dem Markt für Gewerbeflächen gibt es sehr viele Anbieter und recht wenige Nachfrager. Und erst recht wenige gewerbesteuerträchtige Nachfrager. Um die buhlen alle Gemeinden, in einer ruinösen Konkurrenz.
Klar, die Ansiedluung von Unternehmen, die in Hofheim Gewerbesteuer zahlen, ist wünschenswert, genau so wie ein Lottogewinn. Aber wir sollten auch wissen, dass die Chancen dafür genau so groß sind wie beim Lotto und dies somit auf keinen Fall eine erfolgversprechende Strategie zur Haushaltskonsolidierung ist.
Sie haben Recht: Um neues Gewerbe anzusiedeln oder ansässiges mit Expansionsbedarf zu halten, benötigt man vor allem Flächen. Aber gleichzeitig zwei Gewerbeflächen nur wenige hundert Meter auseinander auf diesen übersättigten Markt zu bringen, das war sicher keine gute Idee.
In der Lach haben wir nunmehr einen rechtskräftigen Bebauungsplan, aber keinerlei erkennbare Bemühungen seitens des Grundstückseigentümers, seine Ackerflächen für die dort vorgesehene gewerbliche Nutzung zu erschließen.
Somit gibt es in Hofheim in den beiden geplanten Gewerbegebieten In der Lach und Wallau Ost III mehr als genug Flächen. Nur: Die Stadt kann nicht über sie verfügen, denn sie gehören privaten Projektentwicklern, die damit vor allem eines wollen: Geld verdienen. Die Stadt hat kaum Einfluss, wer sich dort wann und zu welchen Konditionen ansiedeln kann. Als Instrumente der kommunalen Wirtschaftsförderung taugen sie somit kaum. Aber bevor sie nicht zum größten Teil nicht nur ausgewiesen, sondern auch als Gewerbeflächen genutzt werden, verhindern sie, dass die Regionalplanung der Ausweisung weiterer zusätzlicher Gewerbeflächen in Hofheim zustimmt.
Hinzu kommt: Die von Lang & Cie. in Wallau vorgesehenen Gebäude eignen sich ausschließlich für Hochregale. Mit 16 m hohen Hallen (so hoch wie ein fünfstöckiges Haus) kann kein Handwerksbetrieb, auch keine Fertigung von Computerkomponenten (die ja genannt wurde) etwas Vernünftiges anfangen. Wie erklärte der Vertreter des Investors Lang & Cie: „Wir haben bereits einen potenziellen Hauptmieter für die Hallen: eine Tochtergesellschaft des Medien- und Dienstleistungskonzerns Bertelsmann aus Gütersloh. Bertelsmann ist ein sehr seriöser Steuerzahler – das passt gut. Diese Tochtergesellschaft wäre ein idealer Nutzer: Sie verursacht nur wenig Verkehr, weniger als 100 Schwerlastfahrzeuge pro Tag.“ Und diese Bertelsmann-Tochter heißt arvato. Sie betreibt Hochregallager und vermietet sie an Internethändler. Sie bietet auch den entsprechenden Service an: Vom Einlagern bis zum versandfertigen Verpacken und der Übergabe an die Speditionen. Die Waren werden in „Schwerlastfahrzeugen“ angeliefert und – das wird nicht erwähnt – in Kleinlastern verteilt.
Eines ist jedoch sicher: Die Stadt hat keinen Einfluss darauf, welche Unternehmen sich im geplanten Gewerbegebiet Wallau III ansiedeln. Wenn man einen Bebauungsplan aufstellt für Hochregallagerhallen, dann ist es höchst wahrscheinlich, dass sich dort auch Logistiker ansiedeln. Da die nirgendwo erwünscht sind, sind solche großflächigen Logistikbetriebe auch (notgedrungen) bereit, auch verhältnismäßig hohe Standortkosten zu akzeptieren. Auch wenn der Investor dies mit Entrüstung zurückweist, dass sich in Wallau Logistikunternehmen ansiedeln: So blauäugig, ihm dies zu glauben, sollte kein Lokalpolitiker sein. Denn auch der Investor Lang & Cie. hat keinerlei Einfluss darauf, wer sich in diesen Giga-Hallen einmieten wird. Denn nach Fertigstellung des Projektes wird die Firma Lang & Cie., wie sie erklärte, das Projekt verkaufen. Und dann bestimmt nicht Lang, sondern der Immobilienfonds, die Versicherung, die Landesärztekammer oder wer immer die Hallen als Kapitalanlage erwirbt, wer dort einzieht. Ausschlaggebend für die Auswahl der Mieter (so es denn eine Wahlmöglichkeit gibt) ist ganz sicher nicht, ob sie auch viel Gewerbesteuer für die Stadt erwarten lassen oder ob sie sichere, qualifizierte Arbeitsplätze anbieten oder schon lange erweitern wollen. Ausschlaggebend für die Kapitalanleger ist die Miethöhe und deren Sicherheit.
Den heimischen Unternehmen, die seit Jahren vergeblich nach Erweiterungsflächen suchen, kann ich nur empfehlen, sich an die Fa. Krieger zu wenden. Die sucht ebenso intensiv nach Nutzern für ihr neues Gewerbegebiet In der Lach. Und auch im bestehenden Wallauer Gewerbegebiet auf der gegenüber liegenden Straßenseite gibt es freie bzw. frei werdende Grundstücke. Die sind sogar verhältnismäßig preiswert: 190 Euro pro qm weist die aktuelle Bodenwertkarte aus. In den abgeschlossenen Vorverträgen hat Lang & Cie. den Eigentümern für deren unerschlossene Ackerflächen 280 Euro pro qm geboten..
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Herr Hausmann.
so eine Ausführung über die Bedingungen des Gewerbegebietes Wallau Ost III kann nur jemand geschrieben haben der Zeit seines Lebens Staatsbeamter war. Ihre Ausführungen über die rechtlichen Bestimmungen und die Gesetzeslage mögen sicher richtig sein.
Wer aber sind Sie, der über „Aachen bis Zwickau“ die Deutungshoheit hat? Hier ist Hofheim am Taunus. Halten Sie sich doch einfach aus der Wirtschaftspolitik heraus, schwärmerische und auf Krawall gebürstete Linke wie Sie sind doch nicht wirklich sprachfähig in dieser Sache.
Herr Hausmann legt hier eine vernünftige und sachliche Analyse aller wichtigen Aspekte, Vor- und Nachteile über die Gebiete Wallau und Diedenbergen vor, die seitens der Kreisstadt Hofheim zu keiner Hauruckentscheidung, schon gar nicht aufgrund leerer Kassen führen darf.
Von einer Hauruck-Entscheidung kann hier nun wirklich keine Rede sein. Der Prozess zieht sich längst wie Kaugummi. Natürlich kann man jede Chance kleinreden, Fakten ignorieren und hinter jeder Ecke das nächste Risiko wittern. Genau das, was der Gewerbeverein kritisiert, findet sich in den Zeilen von Herrn Hausmann schwarz auf weiß: die immer gleichen Schreckensszenarien, garniert mit Themen, die längst geklärt sind – etwa das angebliche Hochregallager.
Und dann der eigentliche Skandal: Unternehmen wollen mit ihrer Tätigkeit tatsächlich Geld verdienen. Welch ungeheuerlicher Vorgang! Dabei ist die Rechnung ziemlich simpel: Lasst Unternehmen investieren und Geld verdienen, dann verdient auch die Kommune mit – durch Steuern, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung. Und dann ist auch Geld für jene Sozialausgaben vorhanden, die die Linke so gerne großzügig verteilt. Man kann den Kuchen eben erst verteilen, wenn ihn vorher jemand gebacken hat.
Hallo Herr Vogt,
nachdem der neu konstituierte Gewerbeverein Wallau vom langjährigen Parlamentarier Herrn Bernd Hausmann „gerne erfahren wollte, welche konkreten und realistischen Alternativen er den heimischen Unternehmen anbietet, die seit Jahren vergeblich nach Erweiterungsflächen suchen“, kommen Sie verunglimpfend daher und verstehen „Bahnhof“. Herr Hausmann hat einen ordentlichen Beitrag zum Thema von A bis Z geleistet, der es nicht verdient, so abgebürstet zu werden. Hätten Sie sich früher mehr einschlägig informiert, dann wüssten Sie Bescheid, wohin der Hase läuft. Angefangen hat das Gewerbesterben im letzten Jahrtausend in den USA, dort werden mittlerweile verlassene Fabrik- und Gewerbeflächen in Wohnungen, günstige Kojen-Hotels, in Kulturhallen für Modenschauen, Musikveranstaltungen, Hundeausstellungen, kirchliche Veranstaltungen usw. kreativ umgewandelt, um keinen weiteren Leerstand zu produzieren. Produktionsstätten sind nicht mehr gefragt, die Werkbank steht bekanntlich anderswo. Vielleicht wäre es eine Option, wenn Sie sich als „alter Mediävist“ etwas mehr an der Neuzeit orientierten, denn Ihre Leidenschaft und Engagement weiß man grundsätzlich zu schätzen.