Stillstand auf dem stillen Örtchen – das Klo-Dilemma im Hofheimer Rathaus

Stillstand auf dem stillen Örtchen – das Klo-Dilemma im Hofheimer Rathaus

Das Hofheimer Rathaus hat schon viele Debatten erlebt – kühne Baupläne, hitzige Anträge, auch dramatische Haushaltszahlen. Doch zuletzt beschäftigte die Verwaltung am Chinon-Platz ein Thema, das zunächst banal klingt, intern aber erstaunlich konkrete Folgen hat: das Klo-Dilemma im Hofheimer Rathaus.

Die Verwaltungszentrale der Kreisstadt wurde 1974 bezogen, ist damit ein halbes Jahrhundert alt – und ein Sanierungsfall. Für dieses Jahr waren eigentlich rund 500.000 Euro für die Instandsetzung vorgesehen, doch die Haushaltslage ist prekär, der Rotstift radikal – 200.000 Euro wurden gestrichen, übrig blieben 300.000 Euro. Und dann drückte die FDP auch noch einen Prüfantrag durch: Bevor der erste Hammer fällt, müsse eine „vollständige Erhebung der Arbeiten mit validen Kostenschätzungen“ her.

Rathaus 1
Ein Sanierungsfall: das Rathaus in Hofheim.

Während die Politik noch auf die Daten wartet, hat die Realität die politischen Debatten eingeholt. Der Grund: Ein jahrelanges Versäumnis im Abwassersystem des Rathauses.

Das Desaster, so wird in der Stadtverwaltung erzählt, bahnte sich mit einer Rohrreinigungsspirale an: Vor einigen Jahren wurde damit eine Verstopfung gelöst, wobei allerdings der Bürstenkopf abbrach. Eine Bergung wäre teuer und aufwendig gewesen – also ließ man das Teil im Rohr. Eine riskante Altlast, die lange gutging.

Bis jetzt.

Plötzlich ging nichts mehr. Erst traf es die oberen Etagen, dann fast das gesamte Haus. Zeitweise mussten die Beschäftigten auf den Anbau ausweichen, was zu langen Schlangen vor den Kabinen führte.

In einer internen Rundmail wurde offen über „lange Wartezeiten und eine erhebliche Geruchsbelastung“ geklagt: „Unter solchen Bedingungen wird der Arbeitsalltag schnell zur Belastungsprobe“, heißt es in dem Schreiben, das Hofheim-News vorliegt. Die Behördenleitung wird eindringlich vor einer akuten hygienischen Gefährdung der Mitarbeitenden gewarnt.

Klo Rathaus
Das Foto wurde aus dem Rathaus an Hofheim-News geschickt: Vor den Toiletten im 2. Stock – der „Chefetage“ – hängt ein Schild. Darauf steht: „Die Toilette kann zurzeit nicht benutzt werden. Bitte benutzen sie die Toiletten im Anbau.“

Die Stadt bestätigte die Misere auf Anfrage: Mitte April seien Probleme mit verstopften Rohrleitungen aufgetreten, zuletzt waren dann noch die Herren-WCs in drei Stockwerken sowie eine Damentoilette gesperrt. Betont wird, dass „jederzeit eine Toilette zur Verfügung stand“. Bevor jedoch die Handwerker anrücken, so ließ der Rathaussprecher wissen, müsse erst die Gebäudeversicherung grünes Licht geben.

So trifft im Hofheimer Rathaus politische Planung auf die Tücken alter Gebäudetechnik. Manchmal genügt ein einziges vergessenes Bauteil, um den gesamten Betrieb lahmzulegen. Bevor die große Sanierung kommt, muss erst einmal im Kleinen aufgeräumt werden – auch weit unterhalb der offiziellen Sitzungsordnung.

HN/TR

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