Windelzuschuss, Theaterförderung – wofür die Stadt alles Geld hat!
Vier Wochen noch – dann kommen Hofheims Stadtverordnete zusammen und müssen entscheiden: Wo sparen wir Millionen, wo lassen wir die Bürger bluten? Jungbürgermeister Schultzes Vorschlag klingt brutal: Grundsteuer B verdreifachen – und der Haushalt wäre im Lot. Andere Ideen? Gebühren hoch, Steuern hoch, vielleicht ein Immobilien-Flohmarkt – alles soll auf dem Prüfstand. Die Lage ist dramatisch, heißt es. Die Stadtgesellschaft zittert schon.
Und doch fließt noch immer Geld, hier ein Zuschuss, dort ein Fördertopf. Manchmal kleinere Beträge, die in der Realität kaum ins Gewicht fallen – aber auf dem Papier wirken sie wie großzügige Gesten. Kleinvieh macht eben auch Mist.
Hier geht es heute nicht um die Millionen, die fehlen. Es geht darum, dass ausgewählte Vorlieben weiter bedient werden – mit kleineren Summen, aber maximaler Symbolkraft.
Und ja: Die Zahlen sind keine Satire, sondern offiziell belegt. Beispiele gefällig?
Geld aus der Stadtkasse für Kleinkinder
Seit zwei Jahren gibt es in Hofheim den sogenannten „Windelzuschuss“. 50 Euro, mehr nicht – aber die Stadt macht daraus ein Mammutprojekt. Angekündigt wurde der Zuschuss 2023 von Altbürgermeister Christian Vogt. Nur ein Zufall, dass er gerade Vater von Zwillingen geworden war? Natürlich, heißt es.
Eltern mit Kindern unter drei Jahren können den Zuschuss beantragen – allerdings nicht ohne Hindernisse. Der Antrag: zwei Seiten, mit einem Titel, der länger ist als mancher Roman: „Antrag zur Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten der umweltfreundlichen Verwendung von Mehrwegwindeln für Kleinkinder bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres“.
Danach folgt eine Identitätsprüfung: Das Kind muss via Geburtsurkunde offiziell nachgewiesen werden.
Sodann müssen Ausgaben von mindestens 50 Euro für Mehrwegwindeln nachgewiesen werden – mit einer „persönlich adressierten Quittung, einem Kaufbeleg oder einer Rechnung“.
Wer dachte, Windeln seien privat, merkt schnell: Das Rathaus will alles haarklein dokumentiert. Wird angeblich auch alles akribisch geprüft.
Jetzt sind zwei Jahre um – das Ergebnis: 30 Anträge wurden nach Angaben der Stadt eingereicht – also insgesamt 1.500 Euro ausgeschüttet.
Der Verwaltungsaufwand? Offiziell unbekannt. Realistisch: ein Vielfaches der Fördersumme.
Winzige Summen, gewaltiger Aufwand. Der Windelzuschuss in der Kreisstadt ist zu einem Paradebeispiel für grassierende Bürokratie und teure Symbolpolitik geworden.
Theater-Abos: Hofheims teures Vergnügen – bezahlt vom Rathaus
Wer öfter eine Theatervorstellung in der Stadthalle besucht, bekommt von der Stadt richtig viel Geld geschenkt. Offiziell heißt das in Hofheim „Theater-Abonnement“.
Ein reguläres Ticket im Vorverkauf kostet 28 Euro (26 Euro plus 2 Euro Servicegebühr). Das Abo gilt für fünf Vorstellungen und kostet 108 Euro – also 21,60 Euro pro Karte inklusive Servicegebühr. Klingt nach einem fairen Deal? Nicht, wenn man weiß, dass die Stadt jedes Abo großzügig bezuschusst.
Angesichts leerer Kassen meldete sich jüngst offenbar das Gewissen im Rathaus: Künftig sollen nur noch vier statt fünf Stücke im Abo bezuschusst werden, heißt es. Laut Unterlagen würde die Stadt dadurch 10.000 Euro sparen.
Die Stadtverordneten nickten anerkennend – 10.000 Euro gespart! Hört sich nach einer tollen Einsparung an, nicht wahr?
Aber wie viele Abos gibt es überhaupt? Tagelang wollte das Rathaus eine Antwort nicht herausrücken, dann die Offenbarung: 250 Abonnenten.
Und jetzt rechnen wir: 250 Abos × 5 Vorstellungen = 1.250 Karten. Wird das Abo künftig nur noch für vier Vorstellungen bezuschusst, entfallen 250 Karten – genau für diese Karten ergibt sich die angekündigte Einsparung von 10.000 Euro.
Daraus folgt: Die Stadt legt für jede Karte rund 40 Euro drauf (10.000 Euro ÷ 250 Karten).
Zehntausende Euro aus der Stadtkasse für ein Abo, dessen Nutzen niemand genau prüft – und gerade mal 250 Personen profitieren, darunter übrigens nicht nur Hofheimer, sondern auch Abonnenten aus den umliegenden Gemeinden. Wir haben’s ja…
Ob die Rechnung in der Praxis funktioniert? Ein anderes Kapitel. Wenn das Abo künftig nur noch für vier Vorstellungen gilt und weiterhin 108 Euro kostet, steigt der Preis pro Karte auf 27 Euro – das ist uninteressant, etliche Abonnenten könnten abspringen. Die Einsparung von 10.000 Euro dürfte den Verwaltungsaufwand kaum aufwiegen.
Wir lernen: Die Stadt zahlt für Theater, das niemand genau zählt, für Abos, deren Nutzen niemand prüft – und das Publikum darf raten, wer hier eigentlich subventioniert wird.
Premiere ist jeden Tag. Der Eintritt: frei.
HN / TR

