Zu teuer, zu groß, zu still: Wallauer Bahnhof wird jetzt geschrumpft

Zu teuer, zu groß, zu still: Wallauer Bahnhof wird jetzt geschrumpft

Es ist eines der größten Bauprojekte, an denen Hofheims Stadtpolitik seit Jahren tüftelt – doch in der Öffentlichkeit fristet es ein Schattendasein. Viel Geld wurde dafür bereits ausgegeben, Millionen sollen noch folgen. Jetzt aber ist klar: So wird das nichts. Der geplante Bahnhof „Wallauer Spange“, einst ganz groß gedacht, muss deutlich kleiner werden. Und nein: Das liegt ausnahmsweise nicht an der klammen Stadtkasse.

Die Politik taufte das Projekt „Wallauer Spange“. Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Züge aus Wiesbaden sollen künftig ohne Umweg über Mainz direkt zum Flughafen und weiter nach Frankfurt fahren können. Dafür ist eine rund vier Kilometer lange Trasse geplant – mit einer neuen Haltestelle in Wallau.

„Haltestation“ klingt nach kleinem Dorfbahnhof – gedacht war allerdings etwas ganz anderes. Auf bestem Ackerboden zwischen Delkenheim, Massenheim und Wallau sollte ein ausgewachsener Verkehrsknoten entstehen: ein gigantisches Park-&-Ride-Parkhaus für bis zu 500 Autos sowie ein großer Busbahnhof mit acht bis zehn Haltestellen, praktisch unter dem Parkhaus versteckt. Dazu diverse Straßenanbindungen.

Die Kosten? 2020 war noch von 7 Millionen Euro die Rede, 2022 bereits von rund 15 Millionen. Neuere Zahlen gibt es nicht, man kann sie nur erahnen. Bezahlen wollen Wiesbaden und Hofheim je 40 Prozent, Hochheim 20 Prozent.

Wallau
Ein riesiges Parkhaus sollte am geplanten Bahnhof mitten in der Wallauer Wallachei entstehen. Jetzt aber ist klar: Ausgeträumt – das Parkhaus wird aus Kostengründen gestrichen.

Politisch galt die Spange lange als Prestigeprojekt. „Erheblich verkehrsrelevant und wirtschaftlich bedeutsam“, schwärmten CDU, FWG und FDP im Hofheimer Stadtparlament. Auch Wilhelm Schultze, heute Bürgermeister, war Feuer und Flamme. Kritiker bügelte er ab: „Wir wollen die Stadt voranbringen.“

Wallauer Spange: Bereits über halbe Million Euro für Planung

Vor allem die Linken mahnten zur Vorsicht – und kassierten dafür reichlich Gegenwind. 

Nun kommt die Ironie des Ganzen: Genau jene abgespeckte Variante, die die Linken immer gefordert hatten, wird jetzt Realität. Der Grund ist simpel: Die Landesregierung will das Projekt zwar mit Fördergelder unterstützen – aber nur, wenn Kosten und Nutzen zusammenpassen. Jüngste Bewertungen zeigten jedoch: Das Projekt ist zu teuer, der Nutzen zu gering. Zwei Optionen standen im Raum: Förderung streichen – oder Kosten massiv drücken.

Es dürfte klar sein, welche Lösung die Politik favorisiert. Der Bahnhof wird geschrumpft. Imim Hofheimer Stadtparlament wurde jetzt vorgestellt: 

Das Parkhaus wird gestrichen. Stattdessen soll ein einfacher ebenerdiger Parkplatz ausreichen.

Der Busbahnhof entfällt. Haltestellen am Rand der Zufahrtsstraßen, eine Wendeschleife, Toiletten und ein Sozialraum für Fahrer – das soll nun reichen.

Mit den großen Ambitionen mancher Lokalpolitiker hat dieser geschrumpfte Paket wenig zu tun. Freuen dürfen sich dafür die Planungsbüros: Ihre Arbeit geht weiter, bezahlt wird sie ohnehin. Bislang verschlang die Planung bereits 546.747,47 Euro.

Hofheims Anteil liegt bei 40 Prozent: Exakt 218.698,99 Euro gab die Stadt aus. Bisher…

Und es geht weiter – wenn auch langsamer als geplant. Die Stadtverordneten stimmten am Mittwochabend einstimmig dafür, die Planungen gemeinsam mit Hochheim und Wiesbaden zu überarbeiten.

Ursprünglich sollten die Bauarbeiten in 2025 starten, letztes Jahr wurde der Start auf 2026 verschoben. Ob dieser Termin noch zu halten ist, steht in den Sternen.

Von der ursprünglich angekündigten Inbetriebnahme Ende 2028 wagt inzwischen kaum noch jemand zu träumen.

Quelle: HN/TR

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