Glossiert: Blitzer-Blues in Hofheim – neun Jahre Warten auf Nichts
Fünf Jahre herrschte Schweigen im Walde – und plötzlich, wenige Wochen vor den Kommunalwahlen, taucht es wieder auf wie ein längst vergessener Bekannter: das legendäre Blitzer-Thema. Die FWG im Hofheimer Stadtparlament hatte es einst ausgepackt, sich dann aber in eine kuschelige Minderheitskoalition mit der CDU begeben. Dazu ein CDU-Bürgermeister im Rathaus – Thema erledigt. Praktisch vergessen. Politisches Mauerblümchendasein.
Jetzt aber sitzt da ein Rathauschef ohne Parteibuch – und siehe da: Ein Beschluss von 2016 wird aufgewärmt wie eine sensationelle Nachricht.
Breaking News: Blitzer immer noch nicht da!
Zur Erinnerung: Am 14. Dezember 2016 – also vor ziemlich genau neun Jahren – beschlossen die Stadtverordneten Geschwindigkeitsmessgeräte für zwei Straßen in Hofheim: an der Reifenberger Straße und an der Oranienstraße in Langenhain. Auch ein Blitzer für die L3011 in Lorsbach sollte geprüft werden, Ecke Hofheimer Straße/Am Bahnhof. 25.000 Euro legte man dafür beiseite.
In der Reifenberger Straße und in Langenhain passierte anschließend tatsächlich etwas. Und in Lorsbach? Nichts. Rein gar nichts. FWG-Fraktionschef Andreas Nickel, selbst Lorsbacher, hat jetzt ein Schreiben an den Magistrat verfasst und moniert: „Seit nunmehr 9 Jahren wird dieser Beschluss nicht umgesetzt.“ Immer wieder hätten Magistratsvertreter den Lorsbachern neue Zusagen gemacht, neue Perspektiven aufgezeigt. Ergebnis: null, nada, niente. „Der Vertrauensschaden ist immens“, schreibt Nickel. Man könnte auch sagen: episch.
Nickel möchte nun wissen, warum der Blitzer nie aufgestellt wurde, warum niemand informiert – und wer dafür verantwortlich sei. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass der damalige Beschluss „auch auf unsere Initiative zurückzuführen ist“. Warum die FWG dann neun Jahre lang nicht nachfragte, bleibt eines der schöneren Rätsel der Hofheimer Kommunalpolitik. Ein Lehrstück in strategischem Wegsehen, könnte man sagen.
Dann die Pointe: Nickel fragt, ob das damals eingeplante Geld eigentlich noch existiert und abrufbar ist. Man kann sich die Antwort angesichts der jüngsten Berichte aus dem Rathaus denken.
Am Ende offenbart die Anfrage vor allem eins: Manchmal hält die Geduld der Bürger länger als jeder politische Vorsatz. Und wenn die Kasse leer ist, werden selbst alte Versprechen zu dem, was sie hier offenbar schon lange sind: gute Unterhaltung.

