Immer länger, immer teurer: Fuß- und Radbrücke soll schon 21,2 Millionen kosten
Vor über zwei Jahren beschloss das Hofheimer Stadtparlament, die Kernstadt und Marxheim mit einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer zu verbinden. Jetzt liegen die neuesten Planungszahlen vor – und sie überraschen: Die Brücke könnte bis zu 400 Meter lang werden, deutlich mehr als die ursprünglich geplanten 263 Meter. Gleichzeitig steigen die Kosten rapide: Von zunächst fünf Millionen Euro auf 20 Millionen, inzwischen sind es schon 21 Millionen. Selbst mit Landeszuschüssen bleibt die Frage offen: Kann sich die Stadt dieses Projekt angesichts leerer Kassen überhaupt noch leisten?
Das Thema steht am Dienstag, 2. Dezember, auf der Tagesordnung des Bau- und Planungsausschusses, der ab 18 Uhr in der Stadthalle tagt. Eine Vorlage des Magistrats fasst zusammen, was eine Arbeitsgruppe aus Fraktionsvertretern und Interessenverbänden gemeinsam mit den Planern unter Ausschluss der Öffentlichkeit erarbeitet hat:

Demnach soll die Brücke als Stahlkonstruktion gebaut werden, „die wie ein schwebendes Band wirkt und auf neun filigranen Stützen ruht“. Für Fußgänger ist ein zwei Meter breiter Weg vorgesehen, Radfahrer sollen eine drei Meter breite Spur nutzen.
„Dezente LED-Leuchten im Handlauf sorgen für Sicherheit bei Dunkelheit“, heißt es in dem Magistratspapier.
Die Brücke soll im kleinen Richard-Zorn-Park hinter Rathaus und Tankstelle beginnen. Radfahrer gelangen über eine 3,5 Meter breite Schleife nach oben, Fußgänger können eine Treppe nutzen, um den rund 7,5 Meter hohen Höhenunterschied zu überwinden.

Danach verläuft die Brücke zunächst leicht geschwungen, bevor sie die Hattersheimer Straße, die Bahngleise und die L3011 überquert.
Neue Brücke: Stadt rechnet mit Hunderttausenden Nutzern im Jahr
Auf Marxheimer Gebiet soll die Brücke an die Straße Am Hochfeld angeschlossen und damit in das Radroutennetz des Main-Taunus-Kreises integriert werden. Ursprünglich war eine fast gerade Linienführung geplant, die wenig Fläche beansprucht hätte. Anwohnerproteste führten jedoch offenbar zu einer Kurve: Die Brücke würde nun auf einer unbebauten Hangfläche enden.
Zitat aus der Magistratsvorlage: „Die Länge der Brücke variiert je nach endgültiger Linienführung zwischen 361 und 400 Metern. Der Höhenunterschied beträgt insgesamt 18,26 Meter, die mittlere Neigung liegt bei 4,6 Prozent.“
Die Berechnungen gehen von täglich 750 bis 1.500 Fußgängern und Radfahrern aus – das bedeute, schreibt die Stadtverwaltung, jährlich 400.000 bis 800.000 Nutzern*. Mit einer direkten Anbindung an den Mittelbahnsteig des Bahnhofs könnte diese Zahl theoretisch sogar verdoppelt werden. Aufgrund aufwendiger Abstimmungen mit der Deutschen Bahn ist eine solche Verbindung allerdings vorerst nicht vorgesehen.
Die Kosten werden derzeit auf rund 21,2 Millionen Euro geschätzt. Der Bau- und Planungsausschuss soll an diesem Dienstag in öffentlicher Sitzung darüber entscheiden, ob die Planungen weitergeführt werden: Der nächste Schritt würde 1,07 Millionen Euro kosten, wovon das Land Hessen bis zu 60 Prozent übernehmen würde.
Noch ist offen, ob die Stadt dieses große Projekt überhaupt noch stemmen kann. Die Kassen sind, wie berichtet, völlig leer. Endgültig entscheiden muss das Plenum der Stadtverordneten: Es tagt am Mittwoch, 10. Dezember.
*Die Rechnung passt irgendwie nicht: 1.500 Nutzer pro Tag ergeben bei 365 Tagen gerade mal 550.000 Nutzer. Laut Stadtverwaltung sollen nur die Werktage zählen – also 250 × 1.500 = 375.000. Auffällig: Nur ein einziger Lokalpolitiker hat das bemerkt. Wie die Verwaltung die 800.000 erklärt und welcher Trick dabei zum Einsatz kam: hier.
Quelle: HN/ Stadt – Planung: Büros NEY & Partners I Weihermüller & Vogel


