Interner Rathausbericht legt offen: So groß sind Hofheims Finanzprobleme
Am kommenden Dienstag wollen Bürgermeister Wilhelm Schultze und Erster Stadtrat Daniel Philipp im Rathaus die örtliche Presse über die Finanzlage der Kreisstadt Hofheim informieren. Die Situation ist offenbar deutlich ernster, als bisher öffentlich dargestellt. Ein internes Rathausdokument, das den Hofheim-News vorliegt, vermittelt ein alarmierendes Bild.
Der Bericht trägt den Titel „Finanzstatusbericht für das III. Quartal 2025“. Solche Berichte werden üblicherweise vierteljährlich von der Stadtverwaltung veröffentlicht und informieren sowohl Stadtpolitiker als auch die Öffentlichkeit über die städtische Finanzlage. Diesmal jedoch wurde der Bericht nicht wie gewohnt auf der Webseite der Stadt veröffentlicht, sondern zurückgehalten – offenbar aus nachvollziehbaren Gründen.
Gleich auf Seite zwei beschreibt die Verwaltung eine dramatische Lage: „Die finanzielle Lage der Kreisstadt Hofheim am Taunus stellt sich auch im weiteren Verlauf des Haushaltsjahres als sehr angespannt dar. (…) Das Rechnungswesen ist nach wie vor nicht in der Lage, alle offenen Forderungen fristgerecht zu begleichen.“
Etwas klarer formuliert heißt das: Hofheim hat kein Geld mehr. Schlimmer noch: Die Stadt konnte viele Rechnungen nicht oder nur verspätet bezahlen – genannt werden Forderungen von Lieferanten und Dienstleistern, die Betriebskostenabschläge an Kita-Träger sowie die monatlich fälligen Zahlungen an die Kreisverwaltung.
Kurz gesagt: Hofheim ist derzeit de facto zahlungsunfähig.“
Hofheim am Taunus – de facto zahlungsunfähig
Laut Bericht belasten schwache Konjunktur, strukturelle Aufwendungen und internationale Handelskonflikte die städtischen Kassen. Hinzu kommen Einnahmeverluste durch Steuererleichterungen. Selbst die Bundesvereinigung der Kommunalen Spitzenverbände warnt vor einer „katastrophalen Entwicklung der kommunalen Finanzen“.
Bereits vor Monaten wurde in Hofheim mit einer sogenannten „Nachtragssatzung“ der Rahmen für kurzfristige Kredite von 15 Millionen um 10 Millionen auf nunmehr 25 Millionen Euro erhöht. Doch auch dies reichte offenbar nicht aus: Die Stadtverwaltung war zuletzt nicht durchgehend handlungsfähig. Selbst grundlegende Pflichtzahlungen wurden mehrfach verspätet geleistet. In dem Bericht heißt es an anderer Stelle: „Die Kreisstadt Hofheim am Taunus bewegt sich auch im III. Quartal ausschließlich im Bereich der Liquiditätskredite. Zahlungszugänge (…) werden umgehend zur Begleichung offener Forderungen genutzt. Dennoch verbleiben zahlreiche Forderungen unausgeglichen.“
Kurzfristige Kredite können natürlich bei einem vorübergehenden Liquiditätsengpass helfen. Sie sind allerdings auch – ähnlich wie Dispositionskredite für Privatpersonen – sehr teuer. In Hofheim führen die hohen Kreditaufnahmen daher zu einem wachsenden Haushaltsloch.
Längst ist die Zinslast der Stadt deutlich höher als geplant – ein finanzieller Sprengsatz im Haushaltsplan. Der Rathausbericht heißt es dazu: Die Zinsaufwendungen übersteigen „um ein Vielfaches den ursprünglichen Haushaltsansatz.“ Konkret: An Zinszahlungen muss die Stadt bis Jahresende rund 375.000 Euro aufbringen. Dies stelle „eine Plan-/Ist-Überschreitung von 360.000 Euro“ dar.
Prekäre Finanzlage: Stadtverordnete müssen entscheiden
Die Folgen der Finanznot sind absehbar: Projekte müssen gekürzt oder verschoben, Steuern und Gebühren möglicherweise erhöht werden. Der Bericht formuliert es klar: „Priorisieren und Konsolidieren wird die Maxime sein.“ Die zentrale Frage der Verwaltung: „Was kann und will sich die Kommune noch leisten – und zu welchem Preis?“
Dabei hätte man die Krise kommen sehen und frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen können. Doch der bisherige Bürgermeister hat weder die Öffentlichkeit noch die Stadtverordneten ausreichend über die dramatische Lage informiert.
Bürgermeister Wilhelm Schultze, der das Rathaus erst Anfang September übernahm, steht nun vor der Aufgabe, die Folgen zu bewältigen. Müssen Ausgaben gestrichen werden. Und Gebühren steigen? Und auch noch Steuern erhöht werden?
Welche Schlüsse die Stadtspitze zieht, wird das Pressegespräch am Dienstag zeigen.
Am 17. Dezember wird Schultze dann den Haushaltsentwurf 2026 im Stadtparlament vorstellen. Danach müssen die Stadtverordneten Entscheidungen treffen. Für sie kommt das Thema allerdings zur Unzeit: Mitte März stehen Kommunalwahlen an. Im Vorfeld einer Wahl machen auch Lokalpolitiker oft und gerne großzügige Versprechen.
Hofheims Stadtpolitiker stehen vor einer klaren Herausforderung: Können sie Verantwortung übernehmen und die richtigen Entscheidungen treffen – oder riskieren sie, die Stadt durch falsche Entscheidungen noch tiefer in die Krise zu führen?
Quelle: HN/TR


