Von Klinik zu Wohnpark: Die Zukunft der Luft-Klinik – hier ist sie!

Von Klinik zu Wohnpark: Die Zukunft der Luft-Klinik – hier ist sie!

Alle Jahre wieder die gleiche Frage: „Was wird aus der altehrwürdigen Luft-Klinik?“ Schon 2018 beschäftigte das Thema die Lokalzeitung, und auch am vergangenen Wochenende machte es erneut Schlagzeilen, diesmal kurz und knapp: „Was wird aus der Luft-Klinik?“ Die Hofheim-News liefern die Antwort – und präsentieren dazu beeindruckende Visualisierungen eines Frankfurter Planungsbüros. Geplant sind 77 Wohnungen, eingebettet in eine herrliche Grünanlage, nur einen Katzensprung von der Innenstadt entfernt. Mal ehrlich: Geht’s noch besser?

Doch bevor wir einsteigen, ein kurzer Blick auf die Ausgangslage: Es geht um ein mehr als 10.000 Quadratmeter großes Parkgrundstück, das sich von der Kurhausstraße bis hinunter zu den Kargeswiesen am Schwarzbach zieht. Da steht noch die frühere Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik – seit Jahren leer, seit Jahren am Verfallen, und das ausgerechnet in einer der schönsten Grünlagen ganz nah bei der Innenstadt.

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Das Grundstück mitsamt dem Klinikgebäude gehört dem Kreis bzw. dessen 100-prozentiger Tochtergesellschaft, einem Unternehmen namens Gesellschaft für Gesundheits- und soziale Infrastruktur. Diese GSIM wurde gegründet, um Infrastruktur-Projekte voranzutreiben. Jetzt hat sie eine Machbarkeitsstudie vorgeleitet, die zeigt, was aus den alten Klinikgebäuden und dem großzügigen Areal werden könnte.

Die Unterlagen, erstellt von der Frankfurter Planungsgesellschaft Wentz, liegen den Hofheim-News vor. An diesem Dienstag, 2. Dezember, wird der Hofheimer Bau- und Planungsausschuss darüber beraten (ab 18 Uhr, Stadthalle). Die Sitzung ist öffentlich – wer neugierig ist, kann gerne vorbeischauen und zuhören.

Noch ist alles offen und nichts entschieden. Wie gesagt: Es handelt sich um eine Studie, die aufzeigt, was machbar ist. Aber es ist schon recht wahrscheinlich, dass es so kommt.

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Zum Vergrößern anklicken: Ein Luftbild (Google Maps) von der Kurklinik und der großzügigen Parkanlage. Unten im Bild die Wilhelmstraße, oben die Evgl. Johanneskirche.
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So könnte die Parkanlage nach Vorstellung der Planer bebaut werden. Die rote Linie kennzeichnet die Grundstücksgrenze, die gelbe die Grenze des Bebauungsplanes.

Der Gebäudekomplex der ehemaligen psychiatrischen Tagesklinik umfasst einen vier- und einen dreigeschossigen Bau mit Dachgeschoss, verbunden durch einen zweigeschossigen Mitteltrakt. Das Ensemble hat sichtbar Patina angesetzt – doch genau dieser historische Charakter soll künftig zum Vorteil werden: Das Gebäude soll behutsam zu einem Ort für gemeinschaftliches Wohnen weiterentwickelt werden.

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Eine Zeichnung aus der Machbarkeitsstudie: das ehemalige Klinikgebäude, in dem ein Projekt für gemeinschaftliches Wohnen realisiert werden könnte (von HN orange markiert).

In den Obergeschossen könnten auf rund 1.800 Quadratmetern etwa 30 barrierefreie Wohnungen entstehen. Erdgeschoss und Souterrain sollen Raum für gemeinschaftliche Nutzung bieten – Platz für Begegnungen, vielleicht auch für Praxen oder therapeutische Angebote. Das großzügige Grün rund um das Gebäude bleibt erhalten und soll den Bewohnern als Erholungs- und Begegnungsort dienen.

Das Grundstück selbst ist rund 4.000 Quadratmeter groß und sollte laut Studie in Erbpacht vergeben werden. Geplant sind hier 13 Parkplätze, davon vier für Carsharing.

Hinter dem heutigen Klinikbau wäre Platz für drei neue Wohnblöcke: Auf einem etwa 3.000 Quadratmeter großen Areal könnten zwei Gebäude mit zusammen rund 1.600 Quadratmetern Wohnfläche entstehen, die Platz für 22 seniorengerechte Mietwohnungen bieten – jede durchschnittlich 65 Quadratmeter groß.

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Auf dem zweiten Grundstück sind drei Gebäude vorgesehen. Die oberen zwei Wohnblöcke stellen sich die Planer als „seniorengerechte Mietwohnungen“ vor, sie sollten in klimafreundlicher Holzbauweise errichtet werden, natürlich mit Photovoltaikanlage. Im dritten Gebäude sollen geförderte Mietwohnungen entstehen.

Bevor diese Neubauten errichtet werden, müssten die alten Nebengebäude der Klinik weichen. Eine neue Tiefgarage könnte Stellplätze für 20 Autos schaffen.

Im dritten Gebäude, rund 720 Quadratmeter groß, sind nach der Studie 11 geförderte Mietwohnungen möglich, ebenfalls jeweils 65 Quadratmeter. Hier sind vier Parkplätze in einer Tiefgarage geplant.

Ein weiteres Baugrundstück von rund 2.000 Quadratmetern wäre demnach für den freien Wohnungsbau vorgesehen. Möglich wären zwei dreigeschossige Häuser mit Dachgeschoss, die Platz für 14 Wohnungen zwischen 77 und 97 Quadratmetern bieten. Hinzu kommen 15 Außenstellplätze.

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Das dritte Baugrundstück, ungefähr 2000 Quadratmeter groß. Hier könnten nach Vorstellung der Planer 14 neue Wohnungen entstehen. In der Studie ist von „hochwertiger Architektur“ die Rede mit einem hohen Energiestandard. Die Stellplätze sind oberirdisch und können „bei Bedarf als Carports überdacht werden“.

Insgesamt könnten auf dem Gelände so 77 neue Wohnungen entstehen: Die Planer rechnen mit 30 Einheiten für gemeinschaftliches Wohnen, 14 Eigentumswohnungen, 16 Mietwohnungen und 17 geförderten Wohnungen. Rund 80 Prozent aller Wohnungen wären barrierefrei. Es entstünde ein bunter Mix, der unterschiedliche Lebensformen und Altersgruppen miteinander verbindet.

Besonders attraktiv ist der historische Baumbestand auf dem Gelände. Neben den Neubauten sieht die Machbarkeitsstudie einen öffentlich zugänglichen Park vor. Ein neuer Fußweg soll die Kurhausstraße und den Schwarzbachweg miteinander verbinden.

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Drei- bis viergeschossige Wohngebäude sollen auf dem Gelände der heutigen Kurklinik entstehen.
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Eine Übersicht aus der Machbarkeitsstudie – so stellen sich die Planer die fünf Wohngebäude hinter der Klinikgebäude vor.

Die Machbarkeitsstudie fasst die wichtigsten Leitgedanken so zusammen: Erhalt des Altbaus als städtebauliches Identifikationsmerkmal, behutsame Nachverdichtung, minimale Versiegelung, vielfältige Wohnformen für soziale Durchmischung, Flächen für Praxen und medizinische Versorgung sowie nachhaltige Bauweise durch die Nutzung der bestehenden Substanz.


Es war mal ein Traum: „Bad Hofheim am Taunus“

Die Geschichte der Kurklinik reicht über 150 Jahre zurück. Im Schnelldurchlauf: Ein Konsortium aus Hofheimer, Lorsbacher und Krifteler Honoratioren gründete im Jahr 1861 die „Kaltwasserheilanstalt“: Auf einem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück, das sich oberhalb der vom Schwarzbach gesäumten Kargeswiesen befand, wurde ein erstes Gebäude errichtet.

Auf der Webseite der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt e.V. ist die Geschichte des ehemaligen Kurhauses nachzulesen: „Neben dem Heilbetrieb nebst Restauration wurde Mineralwasser vertrieben“, heißt es dort über die Gründungsphase. Und weiter: „In Zeitungen wurde für das Kurhaus z.B. im Karlsruher Tageblatt 1877 mit ,Bad Hofheim am Taunus’ geworben.“

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Das alte und neue Kurhaus, aufgenommen um 1910. Diese historischen Aufnahmen stammen sus dem Hofheimer Stadtarchiv.
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Das Kurhaus im Jahr 1930. Die Altstadt-Freunde haben die Geschichte des Hauses auf ihrer Webseite dargestellt (hier)

Nach mehrmaligem Besitzerwechsel wurde aus dem Kurhaus eine Nervenheilanstalt. 1996 erwarb der Main-Taunus-Kreis die Klinik vom damaligen Inhaber und Chefarzt Dr. Helmut Luft. Es entstand eine Rehabilitationsklinik für neurologische, psychiatrische, psychosomatische sowie rheumatologische und gastroenterologische Erkrankungen. 

2003 stellte der Main-Taunus-Kreis große Pläne vor: Dazu gehörte der Neubau des Hofheimer Krankenhauses, in dem die Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik unterkommen sollte. An der Kurhausstraße sollte ein modernes Reha-Zentrum entstehen.

2016 zog die Klinik in das neu erbaute Hofheimer Kreiskrankenhaus in der Lindenstraße. Teile des Kurhauses wurden anschließend immer wieder für medizinische Aufgaben genutzt.


Quelle: HN/TR – Zeichnungen: Planungsgesellschaft Wentz – Fotos: Raimund Rupp, Stadtarchiv

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