Gesund mit Felix (1): Wenn der Garten ruft – aber Rücken & Gelenke fit bleiben sollen
Die Gesundheitskolumne von Osteopath Felix Kammerlander (Folge 1)
In vier bis sechs Wochen sollten die meisten Gärten winterfest sein: Sträucher zurückschneiden, Laub harken, Beete vorbereiten, Geräte einlagern. Viele Hobbygärtner schieben diese Aufgaben allerdings lange vor sich her – und packen dann alles in ein einziges, intensives „Garten-Hau-Ruck-Wochenende“. Das Ergebnis ist zwar ein ordentlicher Garten – aber oft auch ein schmerzender Rücken, verspannte Schultern oder gereizte Knie. Dabei lässt sich das mit ein wenig Planung und Pausen leicht vermeiden.
Ein anschauliches Beispiel: Natürlich kann man mehrere Stunden am Stück laufen oder wandern. Doch wer acht Stunden ohne nennenswerte Pause unterwegs ist, muss sich nicht wundern, wenn Füße, Knie oder die Hüfte danach schmerzen. Es ist nicht das Laufen an sich, das schadet – sondern die Überlastung in zu kurzer Zeit.
Genauso verhält es sich mit der Gartenarbeit. Unkraut jäten, Erde umgraben oder Sträucher schneiden sind für den Körper kein Problem – wenn sie in kleineren Einheiten und mit regelmäßigen Pausen stattfinden. Werden dagegen fünf, sechs oder sogar acht Stunden am Stück durchgearbeitet, summiert sich die Belastung und hinterlässt deutliche Spuren.
Tipp 1: Früh anfangen, Druck rausnehmen
Statt alles in einer einzigen Großaktion anzugehen, lohnt es sich, schon jetzt zu beginnen.
Ein bis zwei Stunden Laub harken am Samstag.
Am Sonntag ein paar Sträucher schneiden.
Unter der Woche vielleicht nur 20 Minuten für Kleinigkeiten.
Wer frühzeitig anfängt, verteilt die Belastung über mehrere Wochen – und verhindert, dass sich im Oktober alles auf einmal stapelt.
Tipp 2: Kleine Einheiten statt Durchbeißen
„Nur noch schnell fertig machen“ – das ist einer der häufigsten Fehler.
Besser: klare Arbeitseinheiten festlegen (z. B. 45–60 Minuten) und danach eine Pause einplanen. In dieser Zeit: hinsetzen, Wasser trinken, durchatmen, kurz dehnen. Schon wenige Minuten reichen, damit Muskeln und Gelenke nicht überlasten.
Tipp 3: Mikropausen einbauen
Nicht nur die großen Pausen sind wichtig – auch zwischendurch lohnt es sich, kurz innezuhalten.
- Nach ein paar Minuten Harken: kurz aufrichten, Schultern lockern.
- Nach dem Umgraben von ein bis zwei Beeten: Spaten abstellen, Rücken strecken.
- Beim Schneiden: einmal tief durchatmen und Arme ausschütteln.
Diese Mini-Pausen sind Gold wert – sie unterbrechen die Dauerbelastung, verhindern einseitige Bewegungen und geben dem Körper die Chance, sich sofort zu erholen.
Tipp 4: Abwechslung tut gut
Statt stundenlang die gleiche Tätigkeit durchzuziehen, besser die Arbeiten abwechseln.
Beispiel: 30 Minuten Laub rechen → 20 Minuten Sträucher schneiden → 15 Minuten umtopfen. So werden verschiedene Muskelgruppen beansprucht und keine Region überlastet.
Tipp 5: Nachsorge nicht vergessen
Nach der Gartenarbeit lohnt sich ein kleines Ritual:
- Sanftes Dehnen der Beine und Arme
- Ein paar tiefe Atemzüge in aufrechter Haltung
- Warme Dusche oder Wärmekissen für den Rücken
So lässt sich verhindern, dass sich Verspannungen festsetzen.
Fazit
Der Garten soll Freude machen – nicht für tagelange Schmerzen sorgen.
Wer rechtzeitig beginnt, Arbeiten in kleinere Einheiten aufteilt und viele kleine Pausen einlegt, schont Rücken, Knie und Schultern spürbar.
Gartenarbeit soll Freude machen – und nicht auf Kosten der Gesundheit gehen. Mit ein wenig Planung und Aufmerksamkeit für den eigenen Körper bleiben Rücken und Gelenke auch nach größeren Gartenaktionen belastbar.
Denn genau wie bei einer langen Wanderung gilt auch hier: Nicht die Aktivität selbst ist das Problem, sondern die Überlastung ohne Unterbrechung. Mit ein wenig Umsicht und Pausen bleibt der Garten fit für den Winter – und der Körper ebenso.
Und falls Sie merken, dass Beschwerden häufiger auftreten oder nicht von alleine verschwinden, kann es sinnvoll sein, eine fachkundige Einschätzung einzuholen. So stellen Sie sicher, dass Sie langfristig mit Freude im Garten aktiv bleiben können.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Scheuen Sie sich nicht, Hilfsmittel wie Gartensitz oder Knieschoner zu verwenden. Sie erleichtern nicht nur die Arbeit, sondern schützen auch Ihre Gelenke.
© Felix Kammerlander / Praxis Angewandte Osteopathie
Der Autor

Felix Kammerlander hat Osteopathie studiert und betreibt seit acht Jahren die Praxis Angewandte Osteopathie in Marxheim. Ab sofort erscheint hier regelmäßig seine Kolumne „Gesund mit Felix” mit Gesundheitsinformationen und präventiven Tipps - eine verlässliche Anlaufstelle für Ratschläge zur Vorbeugung, Schmerzbewältigung und für einen ausbalancierten Körper. Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren neuer Wege zu mehr Wohlbefinden!

