Machtwechsel in Hofheim: Tulatz führt jetzt das Stadtparlament
In der konstituierenden Sitzung des Hofheimer Stadtparlaments ist Alexander Tulatz am Mittwochabend zum neuen Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. Die Personalentscheidung steht exemplarisch für die verschobenen Mehrheitsverhältnisse in der Stadt. Die CDU ist raus aus der ersten Reihe der Hofheimer Kommunalpolitik.
BfH, Grüne und SPD verfügen gemeinsam über 23 der 45 Sitze – eine knappe, aber entscheidende Mehrheit, die sie nun auch bei dieser zentralen Personalie nutzten. Die CDU ging leer aus: Amtsinhaber Andreas Hegeler verzichtete kurzfristig auf eine erneute Kandidatur, stattdessen trat Armin Thaler an.
Für ihn warb Michael Müller, der künftig als Co-Fraktionschef zusammen mit Hegeler die Christdemokraten im Stadtparlament führt. Müller erinnerte an die bisherige Praxis, wonach in der Regel die stärkste Fraktion den Stadtverordnetenvorsteher stellt. Angesichts schwieriger Haushaltslagen sei Zusammenarbeit wichtiger denn je. Mehrfach rief Müller die anderen Fraktionen auf, mit der Wahl Thalers ein gemeinsames Signal zu setzen – und sprach sich gegen Entscheidungen mit knappen Mehrheiten gleich zu Beginn der Wahlperiode aus.
Der Appell verhallte. Denn die neue Mehrheit nutzt ihr Mandat. Und sie hatte sich entschieden, die Machtfrage nicht aufzuschieben, sondern zu klären.
BfH-Fraktionsvorsitzende Tanja Lindenthal sagte, es gebe keinen Automatismus zugunsten der größten Fraktion. Tulatz sei fachlich und persönlich geeignet: Jurist, Verwaltungserfahrung, lokal verankert und im Vereinsleben engagiert.
Entscheidend war am Ende aber nicht nur die Qualifikation, sondern die politische Konstellation. Das Ergebnis der geheimen Wahl fiel entsprechend der Mehrheitsverhältnisse aus: 23 Stimmen für Tulatz.
Für die CDU ist die Niederlage mehr als eine Personalie. Nach Bürgermeister und Erstem Stadtrat verliert sie nun auch den Vorsitz im Stadtparlament – und damit den letzten sichtbaren Hebel an der Spitze der Stadt. Eine Entwicklung, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war.
Dass Tulatz noch vor Monaten als Beigeordneter vorgeschlagen wurde, die CDU das Amt jedoch nicht besetzen wollte und eine Wahl ablehnte, verleiht der aktuellen Wahl eine zusätzliche politische Note. Die Kräfteverhältnisse haben sich gedreht – und mit ihnen die Möglichkeiten.
Tulatz selbst setzte in seiner Antrittsrede auf Ausgleich. Respekt, Zusammenarbeit, Vertrauen – die üblichen Vokabeln. Sie werden sich nun im politischen Alltag beweisen müssen. Denn klar ist auch: Die knappe Mehrheit trägt Verantwortung. Und sie wird liefern müssen.
Das Bild oben zeigt Alexander Tulatz als neuen Stadtverordnetenvorsteher. Vor ihm Bürgermeister Willi Schultze (li.) und Erster Beigeordneter Daniel Philipp.
HN/TR

