Fast 5 Milliarden für hessische Daten: Reicht der Amazon-Segen bis Diedenbergen?
Dass die Würfel für das Gewerbegebiet „In der Lach“ in Diedenbergen gefallen sind, steht seit Kurzem fest: Die Amazon-Tochter Amazon Web Services (AWS) hat gleich das komplette Areal von der Krieger Grundstücksgesellschaft (KGG) gekauft und prüft dort gerade die technische, rechtliche und wirtschaftliche Eignung für ein mögliches Rechenzentrum. Wie groß die Dimensionen der dahinterstehenden Ausbaupläne sind, verdeutlichen zwei Pressemitteilungen, die das US-Unternehmen und die hessische Landesregierung heute nahezu zeitgleich veröffentlicht haben. Wir fassen die wichtigsten Fakten und Hintergründe zusammen.
Danach plant Amazon im nächsten Jahr weitere 4,8 Milliarden Euro in den Ausbau, die Modernisierung und den Neubau von Rechenzentren in Frankfurt und der Rhein-Main-Region zu investieren. Das wurde heute beim Investitionsgipfel in Berlin mitgeteilt. Diese Summe schließt direkt an die gewaltigen Vorinvestitionen an: Allein zwischen 2024 und 2026 flossen knapp 8,9 Milliarden Euro in die hessischen Standorte des Cloud-Riesen.
Stefan Höchbauer, Vice President von AWS Global Sales Germany und Europe Central, betont die langfristige Ausrichtung des Konzerns: „Unsere fortgesetzten Investitionen in Deutschland spiegeln ein tiefes Engagement für die digitale Zukunft des Landes wider. Seit 2014 haben wir mehr als 18 Milliarden Euro investiert, Tausende qualifizierter Arbeitsplätze unterstützt und erheblich zum Wirtschaftswachstum beigetragen.“

Auch die Landespolitik in Wiesbaden begrüßt in ihrer heutigen Mitteilung die erneute Milliarden-Offensive. Ministerpräsident Boris Rhein sieht darin eine Bestätigung für den Wirtschaftsstandort: „Hessen ist das digitale Herz Europas. Alle großen Player wollen nach Hessen. Die geplante Milliarden-Investition von Amazon stärkt unsere Spitzenposition als digitales Powerhouse in Europa weiter.“
Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus verwies dabei auf die strengen Anforderungen an neue Infrastrukturprojekte: „Gleichzeitig kommt es darauf an, den Ausbau ressourcenschonend und nachhaltig zu gestalten. Energieeffizienz, erneuerbare Energien und die Nutzung von Abwärme sind zentrale Voraussetzungen für eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur.“
Amazon investiert – Was bedeuten die Milliardenpläne für die Stadt?
Mit den frischen Milliarden im Rücken erscheint der Grundstückskauf „In der Lach“ in Diedenbergen nun in einem ganz neuen Licht. Zwar läuft die Prüfung des Geländes durch AWS noch, und die Pläne stehen nicht fest. Doch alles deutet auf einen kräftigen Ausbau in der Region hin.

Sollte auf dem Areal in Diedenbergen tatsächlich ein Rechenzentrum entstehen, könnte Hofheim in mehrfacher Hinsicht profitieren:
Hohe Gewerbesteuereinnahmen: Hessen setzt sich auf Bundesebene für eine Reform des Gewerbesteuer-Zerlegungsmaßstabs ein. Darauf weist die Landesregierung heute ausdrücklich hin. Steuererträge aus Rechenzentren sollen künftig nicht mehr primär nach Lohnkosten, sondern überwiegend nach der elektrischen Nennanschlussleistung aufgeteilt werden – was den Standortgemeinden direkte und hohe Einnahmen bescheren würde.
Qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort: Im laufenden Betrieb entstehen laut Amazon hochspezialisierte Arbeitsplätze für Elektriker, HLK-Techniker, Projektingenieure, Netzwerkspezialisten und Sicherheitsfachkräfte.
Nachhaltigkeit, Umweltprojekte: Über den reinen Bau von Datenzentren hinaus betont AWS ein breites Engagement vor Ort. Um die lokale Akzeptanz zu stärken und ökologische Bedenken auszuräumen, setzt der Konzern auf drei Säulen: Man investiere gezielt in nachhaltige Kühltechnologien sowie in lokale Projekte zur Wassereinsparung und CO₂-Kompensation, um den ökologischen Fußabdruck der Rechenzentren zu minimieren. Im Einklang mit den Forderungen der hessischen Digitalministerin Sinemus stünden ressourcenschonende Bauweisen, der Einsatz erneuerbarer Energien sowie Konzepte zur Auskopplung von Abwärme im Fokus, von denen umliegende Netze profitieren können.
Community-Förderung: Und nicht zuletzt investiert der Tech-Riese nach eigenen Angaben in Cloud-Qualifizierungsprogramme und fördert lokale Initiativen. Dadurch sollen vor Ort digitale Kompetenzen aufgebaut und Anwohner sowie Schulen direkt in Förderprojekte eingebunden werden.
Nach dem vollzogenen Grundstückskauf in Diedenbergen heißt es für die Hofheimer Kommunalpolitik nun warten – und hoffen: auf die Ergebnisse der Standortprüfung und die Antwort darauf, wie viel von den angekündigten Milliarden konkret nach Diedenbergen fließen wird.
Quellen: Pressemitteilung von Amazon, Pressemitteilung des Hess. Ministeriums für Digitalisierung und Innovation


Hört sich für mich ziemlich wischi waschi an. Ich würde mir, als Stadt Hofheim, das alles mal schriftlich geben lassen.