Gesund mit Felix (28): Schlafstörungen – wenn Ein- oder Durchschlafen zur Herausforderung wird

Die Gesundheitskolumne von Osteopath Felix Kammerlander (Folge 28)

Schlechter Schlaf gehört für viele Menschen inzwischen zum Alltag. Manche liegen abends lange wach und finden nicht in den Schlaf. Andere schlafen zwar ein, wachen aber nachts immer wieder auf oder fühlen sich morgens nicht erholt. Schlafstörungen können sehr unterschiedlich aussehen – und genauso vielfältig sind ihre Ursachen. Wichtig ist dabei: Nicht jede unruhige Nacht ist gleich ein Problem. Aber wenn Schlaf dauerhaft gestört ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Einschlafen – wenn der Kopf nicht zur Ruhe kommt

Einschlafstörungen entstehen häufig dann, wenn das Nervensystem noch im „Aktivmodus“ ist. Gedanken kreisen, der Tag wird innerlich weitergeführt, To-do-Listen tauchen auf – der Körper liegt zwar im Bett, ist aber noch nicht bereit für Ruhe. Typische Ursachen können sein:

  • mentale Überlastung oder Stress
  • spätes Arbeiten oder Bildschirmzeit
  • unregelmäßige Schlafzeiten
  • innere Anspannung

Hier zeigt sich ein zentrales Prinzip: Schlaf lässt sich nicht erzwingen – er entsteht, wenn das Nervensystem in einen ruhigen Zustand wechseln kann.

Durchschlafen – wenn der Körper nicht in der Tiefe bleibt

Durchschlafstörungen fühlen sich oft anders an. Man schläft zunächst ein, wacht aber nachts mehrfach auf oder liegt längere Zeit wach. Mögliche Gründe dafür sind:

  • körperliche Spannungen (z. B. im Nacken oder Rücken)
  • hormonelle Einflüsse
  • Stressverarbeitung in der Nacht
  • ungünstige Schlafumgebung
  • späte Mahlzeiten oder Alkohol

Auch hier spielt das Nervensystem eine zentrale Rolle. Wenn es nachts nicht stabil in den Regenerationsmodus wechselt, bleibt der Schlaf oberflächlich und unterbrochen.

Warum Schlaf so entscheidend ist

Schlaf ist die wichtigste Regenerationsphase für den Körper. In dieser Zeit

  • werden Gewebe repariert
  • das Nervensystem reguliert
  • Erinnerungen verarbeitet
  • hormonelle Prozesse ausgeglichen

Fehlt diese Erholung, kann sich das auf viele Bereiche auswirken:

  • erhöhte Muskelspannung
  • geringere Belastbarkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • erhöhte Stressanfälligkeit

Was im Alltag unterstützen kann

1. Regelmäßigkeit schaffen

Der Körper liebt Rhythmus. Feste Schlafenszeiten helfen dem Nervensystem, sich auf Ruhe einzustellen.

2. Den Abend „herunterfahren“

Ein abrupter Wechsel von Aktivität zu Schlaf funktioniert selten gut. Besser ist ein Übergang:

  • Licht dimmen
  • Bildschirmzeit reduzieren
  • ruhige Tätigkeiten wählen

3. Atmung und Körper einbeziehen

Ruhige, tiefe Atmung kann helfen, den Aktivitätszustand zu senken. Auch leichte Bewegung oder Dehnung am Abend kann Spannungen reduzieren.

4. Gedanken entlasten

Wenn der Kopf aktiv bleibt, kann es helfen, Gedanken aufzuschreiben oder bewusst „abzulegen“, bevor du ins Bett gehst.

Was normal ist – und was nicht

Es ist völlig normal, nachts kurz aufzuwachen. Auch gelegentliche unruhige Nächte gehören zum Leben dazu. Aufmerksamkeit ist jedoch sinnvoll, wenn:

  • Schlafprobleme über Wochen bestehen
  • starke Tagesmüdigkeit auftritt
  • du dich dauerhaft erschöpft fühlst
  • Schmerzen oder innere Unruhe den Schlaf regelmäßig stören

In solchen Fällen lohnt sich eine genauere Abklärung.

Wann eine medizinische Abklärung sinnvoll ist

Bestimmte Symptome sollten nicht einfach hingenommen werden, sondern ärztlich untersucht werden:

  • starkes Schnarchen mit Atemaussetzern
  • ausgeprägte nächtliche Unruhe
  • häufiges nächtliches Schwitzen
  • anhaltende Schlaflosigkeit
  • Schmerzen, die den Schlaf regelmäßig unterbrechen

Auch psychische Belastungen oder hormonelle Veränderungen können eine Rolle spielen und sollten entsprechend berücksichtigt werden.

Die osteopathische Perspektive

Aus osteopathischer Sicht wird Schlaf als Teil der gesamten Körperregulation betrachtet. Spannungen im Körper – etwa im Nacken, im Rücken oder im Zwerchfell – können den Übergang in die Entspannung erschweren.

Mögliche Ansatzpunkte sind:

  • Verbesserung der Atemmechanik
  • Reduktion von Muskelspannung
  • Unterstützung des Nervensystems
  • Förderung von Beweglichkeit

Ziel ist es, dem Körper zu helfen, leichter in einen Zustand zu finden, in dem Schlaf möglich wird.

Fazit

Schlafstörungen sind häufig – aber nicht immer gleich problematisch. Entscheidend ist, ob sie vorübergehend auftreten oder dauerhaft bestehen. Der Schlüssel liegt oft darin, dem Nervensystem regelmäßig den Wechsel von Aktivität zu Ruhe zu ermöglichen. Mit kleinen Anpassungen im Alltag lässt sich häufig schon viel erreichen.

Wenn Beschwerden jedoch anhalten oder sich verstärken, ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen und mögliche Ursachen abklären zu lassen.

© Felix Kammerlander / Praxis Angewandte Osteopathie

Der Autor

Felix Kammerlander

Felix Kammerlander hat Osteopathie studiert und betreibt seit acht Jahren die Praxis Angewandte Osteopathie in Marxheim. In den Hofheim-News erscheint regelmäßig seine Kolumne „Gesund mit Felix” mit Gesundheitsinformationen und präventiven Tipps - eine verlässliche Anlaufstelle für Ratschläge zur Vorbeugung, Schmerzbewältigung und für einen ausbalancierten Körper. Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren neuer Wege zu mehr Wohlbefinden!

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