Es ist entschieden: Polar Mohr packt die Koffer – Eschborn gewinnt
Nun ist es endgültig klar: Polar Mohr verlässt die Kreisstadt und zieht nach Eschborn um. Definitiv. Hofheim und der Weltmarktführer – das war einmal. Schon bald ist alles aus und vorbei.
Das einstige Familienunternehmen firmiert heute als Polar Cutting Technologies (PCT), gehört einem österreichischen Investor – und hat an diesem letzten Märztag mitgeteilt: Die Uhr in Hofheim läuft ab. PCT-Geschäftsführer Yorck Richter, der in der Schweiz lebt, machte die Entscheidung öffentlich – an diesem Mittwoch wird sie in den Zeitungen zu lesen sein. Überraschend ist die Nachricht allerdings nicht mehr, die Signale hatten sich in den vergangenen Wochen längst verdichtet.
Dabei war der Weg für ein Verbleiben in Hofheim eigentlich schon bereitet: Für Polar Mohr wurde das Baugebiet „In der Lach“ in Diedenbergen entwickelt – verbunden mit der Hoffnung, rund 300 Arbeitsplätze zu sichern. Doch vor Ort herrscht bis heute Stillstand. Kein Bauantrag, kein Fortschritt, keine Perspektive.
Gleichzeitig drängt die Zeit: Das Firmengelände an der Hattersheimer Straße muss bis Jahresende geräumt sein. Der Kelkheimer Projektentwickler Horn will dort entlang der Bahn rund 500 Wohnungen bauen. Baubeginn: nächstes Jahr.
Dass PCT nun nach Eschborn geht, hat handfeste Gründe. Dort steht eine Immobilie bereit, die bis 2023 vom japanischen Robotikunternehmen Yaskawa Electric Corporation genutzt wurde. Die Herrichtung des Gebäudes soll laut Richter bereits abgestimmt sein, der Umzug bis Ende des Jahres machbar.
Hinzu kommt ein Faktor, der selten laut ausgesprochen wird, aber umso stärker wirkt: Geld. Die Miete in Eschborn sei deutlich günstiger als in Diedenbergen.
Und nicht zuletzt ist die Nachbarstadt auch steuerlich attraktiver: Hofheim hat den Hebesatz für Gewerbebetriebe erst kürzlich von 370 auf 400 Punkte angehoben. Dagegen wirkt Eschborn mit 330 Punkten wie ein Steuerparadies. Ein Unterschied, der für einen Investor durchaus Gewicht hat.
Von Polar Mohr ist nicht mehr viel übrig
Was verliert Hofheim? Der Schaden ist überschaubar. Vom einstigen Traditionsunternehmen ist nicht mehr viel übrig.
Gegründet wurde Polar Mohr 1906 als Adolf Mohr Maschinenfabrik. Über Jahrzehnte wuchs das Unternehmen und nannte sich viele Jahre selbstbewusst „Weltmarktführer für Schneidsysteme“. 2022 folgte der Absturz in die Insolvenz. Der Wiener Investor SOL Capital Management übernahm.
Die wertvollsten Teile gingen inzwischen andere Wege: Markenrechte, Patente und geistiges Eigentum landeten 2025 bei der Heidelberger Druckmaschinen AG. Die zuletzt in Polar Cutting Technologies umbenannte Restfirma gehört weiterhin SOL Capital und entwickelt Maschinen.

Die politische Geschichte dahinter liest sich heute wie aus einer anderen Zeit. Als die Übernahme durch einen Investor bekannt wurde, präsentierte der damalige CDU-Bürgermeister Christian Vogt eine Lösung: In Diedenbergen hatte der Berliner Milliardär Kurt Krieger („Möbel Höffner“) rund 100.000 Quadratmeter Ackerflächen eingesammelt. Seine Idee: Wenn die Stadt das Land in Gewerbegebiet umwandelt, reserviert er 20.000 Quadratmeter für Polar Mohr.
Vogt sprach von einer „einmaligen Chance“, machte Tempo – und setzte die Stadtverordneten unter Druck. Kritische Stimmen? Gab es, wurden aber überhört. Alternativen? Spielten keine Rolle mehr. Vogts Botschaft damals: Wer nicht zustimmt, riskiert Arbeitsplätze.
Bis zuletzt hieß es, es gebe konkrete Vereinbarungen für den PCT-Umzug nach Diedenbergen, der Zeitplan stehe. Doch das Kapitel ist nun endgültig geschlossen.
Die Kreisstadt Hofheim verliert – und die finanzstarke Nachbarstadt gewinnt.
Oder, wie Geschäftsführer Richter es knapp formuliert: „Wir gehen in jedem Fall nach Eschborn.“
HN

