Gesund mit Felix (26): Warum Multitasking dein Gehirn überlastet – und wie du gegensteuerst

Die Gesundheitskolumne von Osteopath Felix Kammerlander (Folge 26)

Eine E-Mail ploppt auf, das Telefon klingelt, eine Nachricht kommt rein, der nächste Termin steht an – und eigentlich wolltest du gerade konzentriert an einer Aufgabe arbeiten. Für viele gehört dieses ständige Hin und Her zum Büroalltag. Es wirkt produktiv, weil „viel passiert“. In Wirklichkeit ist es für dein Gehirn jedoch eine der anstrengendsten Arbeitsweisen überhaupt. Denn was oft als Multitasking bezeichnet wird, ist in Wahrheit ständiges Task-Switching – also das schnelle Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben. Und genau das kann dein Stressniveau deutlich erhöhen.

Was im Gehirn beim Task-Switching passiert

Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, mehrere komplexe Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten. Stattdessen schaltet es sehr schnell zwischen ihnen hin und her. Jeder Wechsel bedeutet:

  • den aktuellen Gedankengang abbrechen
  • einen neuen Kontext aufbauen
  • Informationen neu sortieren
  • Aufmerksamkeit neu ausrichten

Das kostet Energie. Und zwar jedes Mal. Diese sogenannten „Wechselkosten“ summieren sich im Laufe eines Arbeitstags erheblich. Das Gehirn muss immer wieder neu „hochfahren“, statt in einem stabilen Arbeitsfluss zu bleiben.

Daueraktivierung des Nervensystems

Das ständige Wechseln zwischen Aufgaben hält dein Nervensystem in einem Zustand erhöhter Aktivität. Jede neue Aufgabe bedeutet:

  • neue Anforderungen
  • neue Bewertung
  • neue Aufmerksamkeit

Das Nervensystem bleibt dadurch im „Bereitschaftsmodus“. Langfristig kann das zu einem Gefühl von innerer Unruhe führen – selbst dann, wenn du körperlich eigentlich ruhig sitzt.

Warum sich der Tag trotzdem „produktiv“ anfühlt

Paradoxerweise entsteht durch Task-Switching oft das Gefühl, viel geschafft zu haben. Viele kleine Aufgaben werden erledigt, viele Dinge werden angestoßen.

Doch gleichzeitig fehlt oft das Gefühl, wirklich in die Tiefe gearbeitet zu haben. Komplexe Aufgaben bleiben liegen oder ziehen sich unnötig in die Länge.

Der Vorteil von geblockter Arbeit

Eine deutlich entlastendere Alternative ist das Arbeiten in Zeitblöcken. Dabei strukturierst du deinen Tag bewusst:

  • eine Phase für konzentrierte Arbeit
  • eine Phase für E-Mails und Kommunikation
  • eine Phase für Meetings

Der entscheidende Unterschied: Während eines Blocks bleibt dein Fokus bei einer Aufgabe. Das bringt mehrere Vorteile:

  • geringere Wechselkosten im Gehirn
  • stabilerer Konzentrationsfluss
  • weniger mentale Erschöpfung
  • effizienteres Arbeiten

Beispiel für eine einfache Struktur

Ein möglicher Ablauf könnte so aussehen:

  • 60–90 Minuten konzentrierte Arbeit (ohne Unterbrechung)
  • anschließend 15–30 Minuten E-Mails und Kommunikation
  • kurze Pause
  • nächster Fokusblock

In den Fokusphasen bist du möglichst nicht erreichbar – das ist kein Rückzug, sondern eine bewusste Arbeitsstrategie.

Warum dein Nervensystem davon profitiert

Wenn dein Gehirn länger bei einer Aufgabe bleibt, entsteht ein Zustand, den viele als „Flow“ beschreiben. In diesem Zustand:

  • arbeitet das Gehirn effizienter
  • sinkt der Energieverbrauch pro Aufgabe
  • wird das Nervensystem ruhiger
  • entsteht weniger Stress

Das bedeutet nicht, dass Arbeit anstrengungslos wird – aber sie wird strukturierter und weniger zerrissen.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

1. Benachrichtigungen reduzieren

Schalte unnötige Pop-ups aus oder stelle Zeiten ein, in denen du nicht gestört wirst.

2. E-Mails bündeln

Statt ständig zu reagieren, bearbeite E-Mails gesammelt zu festen Zeiten.

3. Klare Arbeitsphasen definieren

Plane bewusst Zeiträume für konzentrierte Arbeit ein – und halte sie ein.

4. Unterbrechungen bewusst wahrnehmen

Allein das Erkennen, wie oft du unterbrochen wirst, kann bereits helfen, Veränderungen einzuleiten.

Die osteopathische Perspektive

Auch wenn Task-Switching zunächst wie ein rein mentales Thema wirkt, zeigt es sich oft körperlich:

  • erhöhte Nacken- und Schulterspannung
  • flachere Atmung
  • innere Unruhe

Das Nervensystem beeinflusst direkt die Muskelspannung. Dauerhafte mentale Aktivierung kann sich daher auch körperlich bemerkbar machen.

Fazit

Ständiges Task-Switching kostet Energie, reduziert Konzentration und erhöht das Stressniveau. Nicht, weil du zu wenig leistest – sondern weil dein Gehirn ständig neu starten muss.

Wer seine Arbeit in klare Zeitblöcke strukturiert und Unterbrechungen reduziert, entlastet nicht nur den Kopf, sondern auch das Nervensystem. Weniger Wechsel bedeutet oft: mehr Ruhe, mehr Fokus – und am Ende sogar mehr Produktivität.

© Felix Kammerlander / Praxis Angewandte Osteopathie

Der Autor

Felix Kammerlander

Felix Kammerlander hat Osteopathie studiert und betreibt seit acht Jahren die Praxis Angewandte Osteopathie in Marxheim. In den Hofheim-News erscheint regelmäßig seine Kolumne „Gesund mit Felix” mit Gesundheitsinformationen und präventiven Tipps - eine verlässliche Anlaufstelle für Ratschläge zur Vorbeugung, Schmerzbewältigung und für einen ausbalancierten Körper. Viel Freude beim Lesen und Ausprobieren neuer Wege zu mehr Wohlbefinden!

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