Hofheim hat gewählt: BfH gewinnt stark – neue Mehrheiten in Sicht

Hofheim hat gewählt: BfH gewinnt stark – neue Mehrheiten in Sicht

Das erste Ergebnis der Kommunalwahl in Hofheim liegt vor. Seit kurz nach 21 Uhr steht das sogenannte Trendergebnis fest:

  • CDU: 27,36 %
  • BfH: 21,84 %
  • Grüne: 17,59 %
  • SPD: 11,39 %
  • AfD: 6,25 %
  • FWG: 5,31 %
  • Linke: 5,25 %
  • FDP: 5,00 %

Bevor wir uns diese Ergebnisse genauer anschauen, kurz zur Einordnung: Das System der hessischen Kommunalwahlen ist komplex – die Wähler dürfen ihre Stimmen auf mehrere Parteien aufteilen, und sie können einzelnen Kandidaten bis zu drei Stimmen geben. Dieses Kumulieren und Panaschieren machen das Auszählen zeitaufwendig. An diesem Sonntagabend wurden zunächst die Stimmzettel ausgezählt, auf denen nur ein Wahlvorschlag angekreuzt wurde – daraus ergibt sich das sogenannte Trendergebnis. Alle anderen Stimmzettel, auf denen Stimmen auf mehrere Kandidaten verteilt wurden, werden erst ab Montag ausgezählt.

Es bleibt also noch ein wenig spannend. Die Abweichungen liegen aber erfahrungsgemäß nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das Trendergebnis zeigt recht deutlich, wohin die Reise geht.

Die Wählergemeinschaft „Bürger für Hofheim“ (BfH) ist eindeutig der Gewinner dieser Wahl. Bei der letzten Kommunalwahl hatte sie gerade einmal 8,16 Prozent der Stimmen erhalten, jetzt sind es satte 21,84 Prozent – ein Plus von rund 13,7 Prozentpunkten. Eine Rolle dürfte der sogenannte Bürgermeisterbonus gespielt haben. Willi Schultze hatte sich auf Platz eins der BfH-Kandidatenliste gesetzt. Dass er das Mandat annimmt, glaubt niemand – dann müsste als Bürgermeister zurücktreten.

Die CDU kam bei der letzten Kommunalwahl auf 32,93 Prozent. Jetzt liegt sie bei 27,36 Prozent – ein Verlust von rund 5,6 Prozentpunkten. Angesichts der schwierigen Finanzlage der Kreisstadt, die dem früheren CDU-Bürgermeister angelastet wird und die zu einer deutlichen Erhöhung der Grundsteuer führte, war ein schlechteres Abschneiden erwartet worden.

Auch die Grünen müssen Verluste hinnehmen. Sie hatten vor fünf Jahren 23,36 Prozent erreicht – jetzt sind es nur noch 17,59 Prozent. Minus 5,77 Prozentpunkte – parteiintern hatte man mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet, ein Aufatmen war deutlich zu hören.

Für die SPD setzt sich der schwierige Trend fort. Bei der letzten Wahl war sie auf 13,46 Prozent abgerutscht. Nun liegt sie nach dem Trendergebnis nur noch bei 11,39 Prozent – ein weiterer Verlust von gut zwei Prozentpunkten.

Kommunalwahl 2021
Zum Vergrößern anklicken: Das Wahlergebnis 2021
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…und das Trendergebnis am gestrigen Wahlabend.

Die FWG ist unter den kleineren Parteien der klare Verlierer: Vor fünf Jahren hatte sie noch 9,4 Prozent geholt – jetzt sind es vier Prozent weniger.

Die FDP lag 2021 immerhin bei 6,45 Prozent – dieses Mal kommt sie nur noch auf 5,00 Prozent.

Die Linke rutschte nach 5,46 Prozent bei der letzten Wahl auf nun 5,26 Prozent.

Die AfD holte aus dem Stand 6,25 Prozent. Das Ergebnis liegt allerdings deutlich unter den Erwartungen – oder besser: Befürchtungen. Deshalb: Große Erleichterung bei den etablierten Parteien.

Noch einmal: Das sind die Trendzahlen. Bis das endgültige Ergebnis feststeht, kann es bis Dienstag dauern. Bei allen Parteien dürfte es noch kleinere Verschiebungen geben.

Kommt jetzt ein Bündnis aus BfH, Grünen und SPD?

Schon jetzt stellt sich allerdings die spannende Frage: Wie wird das künftige Stadtparlament aussehen – und welche Koalition wird Hofheim künftig regieren?

Bisher war die CDU im Stadtparlament die bestimmende Kraft – viele Jahre gemeinsam mit der SPD, die sich dann aber aus dem Bündnis löste. Es blieben FDP und FWG, doch das reichte nur für eine Minderheitskoalition. Eine Stimme fehlte zur Mehrheit, was in den vergangenen Jahren für durchaus lebhafte Debatten im Parlament sorgte – und immer wieder auch für Entscheidungen gegen die CDU-Linie.

Rein rechnerisch könnte die CDU nun eine Koalition mit der BfH bilden. Doch Koalitionen hängen nicht nur von Zahlen ab, sondern vor allem von den handelnden Personen – und genau daran könnte es scheitern. In der Vergangenheit erweckten die Christdemokraten nicht selten den Eindruck, von oben herab auf die kleine BfH-Truppe zu blicken. Das sitzt tief.

BfH
Da die Stadtkasse leer ist, fiel eine städtische Wahlparty aus. Stattdessen trafen sich zahlreiche Lokalpolitiker in der Taunus Braumanufaktur im Güterschuppen, um die Wahlergebnisse zu verfolgen und gemeinsam zu analysieren.

Eine andere Möglichkeit wäre ein Bündnis aus BfH, Grünen und SPD. Nach dem aktuellen Trendergebnis könnte das zu einer knappen Mehrheit reichen. Die drei Parteien sind sich nicht in allen Punkten einig, aber in vielen. Zudem pflegt man einen offeneren, auch ehrlicheren Austausch, als es mit der CDU möglich wäre.

Hinzu kommt: SPD wie Grüne haben die Kandidatur von Bürgermeister Willi Schultze unterstützt. Dankbarkeit ist im kommunalen Politgeschäft durchaus ein Aspekt, der bei Entscheidungen eine Rolle spielen kann.

Charmanter Nebeneffekt eines solchen Dreier-Pakts: Die CDU wäre für die nächsten Jahre aus der Machtposition im Rathaus herausgedrängt. Und: Eine solche Koalition könnte die Ära des – bei den Oppositionsparteien nicht sonderlich geliebten – Stadtverordnetenvorstehers Andreas Hegeler beenden.

Der Name eines möglichen Kandidaten für das prestigeträchtige Amt fiel an diesem Wahlabend gleich mehrfach: Alexander Tulatz, Fraktionsvorsitzender der SPD – er gilt als kompetent, ruhig, besonnen und erfahren. Vor einigen Monaten sollte er eigentlich Beigeordneter im Rathaus werden, was die CDU jedoch verhinderte. Würde Tulatz jetzt zum ersten Bürger der Kreisstadt gewählt, wäre das eine späte Genugtuung für die Sozialdemokraten – und zugleich ein Faktor, der die Zusammenarbeit in einer Koalition deutlich erleichtern könnte. Was gerade in diesen schwierigen Zeiten ein gewichtiger Vorteil sein könnte.

Doch noch sind das alles Gedankenspiele am Wahlabend nach dem ersten Trendergebnis. Mehr Klarheit wird es am Montagabend geben – spätestens am Dienstag. Dann liegen die endgültigen Wahlergebnisse vor, und erst danach werden die Parteien beginnen, über mögliche Bündnisse zu sprechen.

HN/TR

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