Umfrage zum Altstadtverkehr: viel Zustimmung, wenig Konkretes

Umfrage zum Altstadtverkehr: viel Zustimmung, wenig Konkretes

Wie soll sich der Verkehr in der Hofheimer Altstadt künftig entwickeln? Diese Frage hat die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt vor der Kommunalwahl 2026 sowohl den Parteien als auch Passanten gestellt. Das Ergebnis: Die Parteien zeigen sich grundsätzlich offen für Veränderungen – etwa beim Bewohnerparken, bei strengeren Kontrollen oder einer Ausweitung der Fußgängerzone. Gleichzeitig bleiben viele Antworten unbestimmt. Parallel befragte Passanten äußerten deutlich klarere Erwartungen. Die Bürgervereinigung hat ihre Ergebnisse und Bewertungen in einer ausführlichen Stellungnahme zusammengefasst. Die Hofheim-News dokumentieren sie im Wortlaut.

Der Arbeitskreis Verkehr der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt hat im Vorfeld der Kommunalwahlen 2026 eine Umfrage über die Verkehrssituation in der Hofheimer Altstadt initiiert. Die stellt sich seit Jahren äußerst unbefriedigend dar: In engen Gassen mit wenigen ausgewiesenen Parkplätzen treffen Durchfahrtsverkehr, Parksuchverkehr, Lieferverkehr, Handwerker, Pflegedienste, Fahrradfahrer, Fußgänger, Rollifahrer und spielende Kinder aufeinander.

Hinzu kommen Bequemlichkeitsparkende auf nicht ausgewiesenen Flächen – etwa, wenn „nur mal schnell Speisen to go“ geholt werden – ebenso wie klare Verkehrsverstöße: überhöhte Geschwindigkeit in verkehrsberuhigten Bereichen oder die missbräuchliche Nutzung der Fußgängerzone als bequeme Nord-Süd-Verbindung.

Der Arbeitskreis Verkehr der Bürgervereinigung arbeitet deshalb seit Längerem gemeinsam mit dem Einzelhandelsverband IHH, dem ADFC, der Hofheimer Lokalen Agenda und Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Parteien an Vorschlägen für eine Neuordnung des Verkehrs. Auch im kommunalen Arbeitskreis Innenstadt ist die Bürgervereinigung vertreten. Die jüngste Magistratsvorlage, die im Namen dieses Gremiums vorgelegt wurde, stieß bei der Bürgervereinigung ebenso wie beim IHH auf deutliche Kritik.

Um die Themen Bewohnerparken, Kontrolle des ruhenden Verkehrs sowie Erweiterung und besserer Schutz der Fußgängerzone erneut in die öffentliche Debatte zu bringen, legte die Bürgervereinigung den Parteien fünf konkrete Fragen vor: Sie fragte im Kommunalwahlkampf nach ihren Positionen. Alle in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien antworteten, wobei die Antworten der Grünen Substanz vermissen ließen und die FDP deutlich machte, dass „sie selbst mit einem Infostand auf der Hauptstraße präsent sei und direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch komme“ – damit, so die Formulierung der Fraktionsspitze, „erübrigen sich Ihre Bemühungen“. Eine klare Absage an eine sinnvolle Bürgerbeteiligung. Man bleibt wohl gern unter sich. Demgegenüber spricht sich die Wählergemeinschaft „Bürger für Hofheim“ (BfH) ausdrücklich für Bürgerbeteiligung aus.

Parallel zur Fraktionsbefragung führte die Bürgervereinigung an zwei Samstagen auf der Hauptstraße Passanteninterviews mit denselben Fragen durch, an denen sich insgesamt 56 Personen beteiligten.

Bei den Parteien breite Zustimmung – aber wenig Konkretes

Die Umfrage unter den Parteien liefert zunächst überraschend klare Aussagen: In vielen zentralen Fragen gibt es inzwischen breite Zustimmung. Strengere Kontrollen des ruhenden Verkehrs, eine Aufwertung der Altstadt und eine Ausweitung der Fußgängerzone auf die untere Hauptstraße finden bei mehreren Parteien Unterstützung. Noch vor Kurzem wären solche Positionen deutlich umstrittener gewesen.

Gleichzeitig fällt auf: Je konkreter es wird, desto häufiger bleiben die Antworten vage. Dann ist von „Prüfaufträgen“, „Abwägungen“, dem „Arbeitskreis Innenstadt“ oder „weiteren Untersuchungen“ die Rede – Formulierungen, die stellenweise eher nach Wahlkampfrhetorik als nach entschlossener Verkehrspolitik klingen.

Unterschiedliche Modelle beim Bewohnerparken

Besonders deutlich wird das beim Bewohnerparken. Dass die Parksituation in der Altstadt neu geordnet werden muss, betonen alle Parteien (außer der FDP, die keine Meinung hat). Konkrete Modelle benennen jedoch nur einige.

FWG und Die Linke vertreten hier im Kern eine ähnliche Position: Sie sprechen sich für ein konsequentes Bewohnerparken in den engen Gassen der Altstadt aus.

Die FWG formuliert dies mit ausschließlichem Bewohnerparken in den Gassen rechts und links der Hauptstraße sowie zusätzlichem Bewohnerparken ab den Abendstunden.

Die Linke fordert ebenfalls ein weitgehendes Bewohnerparken innerhalb der Altstadt, ergänzt um Kurzzeit- und Behindertenparkplätze.

Die BfH setzt auf zeitlich begrenzte Lösungen, um Anwohner-, Gewerbe- und Besucherinteressen miteinander zu verbinden.

Die weiteren Parteien bleiben deutlich allgemeiner.

Mehr Kontrollen – und auch mehr Fußgängerzone

Ähnlich ist das Bild bei der Kontrolle des ruhenden Verkehrs. Dass Regeln nur wirken, wenn sie auch kontrolliert werden, wird größtenteils anerkannt. Bei der Frage nach zusätzlichem Personal zeigt sich jedoch Zurückhaltung. Nur die BfH unterstützt ausdrücklich neue Stellen für die Stadtpolizei, andere verweisen vor allem auf die angespannte Haushaltslage.

Deutlich größer ist die Zustimmung bei der Erweiterung der Fußgängerzone auf die untere Hauptstraße: Die BfH spricht sich für eine „Flaniermeile“ aus. Die FWG hält die Umsetzung für längst überfällig und erinnert daran, dass dieser Vorschlag bereits 2009 im Verkehrsentwicklungsplan enthalten war. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Thaler befürwortet die Erweiterung ausdrücklich. Grüne und Linke verweisen auf entsprechende Aussagen in ihren Wahlprogrammen. Die SPD unterstützt die Stoßrichtung grundsätzlich, möchte jedoch zunächst die verkehrlichen Voraussetzungen klären.

Auch beim Schutz der Fußgängerzone gehen die Vorstellungen auseinander. Die BfH befürwortet Poller, CDU und FWG schlagen technische Lösungen mit kamerabasierter Kennzeichenerfassung vor. Die Grünen äußern sich indifferent, während die SPD auf weitere Vorschläge aus dem Arbeitskreis Innenstadt hofft.

Bei der möglichen Sperrung der Kreuzung am „Venezia“ zeigt sich ein ähnliches Bild: Mehr Sicherheit und weniger Durchgangsverkehr finden grundsätzlich Zustimmung, doch die Positionen reichen von klarer Unterstützung bis zum Ruf nach weiterer Prüfung.

Straßenumfrage: Passanten äußern klare Erwartungen

Während die Antworten der Parteien teilweise noch Spielraum lassen, zeigt die Passantenbefragung ein deutlich klareres Meinungsbild. Insgesamt 56 Bürgerinnen und Bürger nahmen an den Gesprächen auf der Hauptstraße teil. Selbstverständlich wissen wir, dass die Ergebnisse aus der Befragung der Passantinnen und Passanten nicht repräsentativ sind, sie ergeben jedoch eine aktuelle Bestandsaufnahme, auf der durchaus aufgebaut werden kann.

87,5 Prozent sprechen sich für ausschließliches Bewohnerparken in den engen Gassen aus. Noch deutlicher fällt die Zustimmung zur strengeren Kontrolle des ruhenden Verkehrs aus: 94,6 Prozent wünschen sich konsequentere Überwachung.

Auch die Erweiterung der Fußgängerzone auf die untere Hauptstraße findet mit 85,7 Prozent eine klare Mehrheit. Für einen besseren Schutz der bestehenden Fußgängerzone sprechen sich sogar 96,4 Prozent aus.

Differenzierter wird die mögliche Sperrung der Kreuzung am „Venezia“ für den allgemeinen Autoverkehr gesehen: 62,5 Prozent befürworten eine Querung nur noch für Busse.

In vielen Gesprächen wurde deutlich, was sich viele Bürgerinnen und Bürger wünschen: Die Altstadt soll weniger Raum für Autos und stärker wieder Ort zum Flanieren, Einkaufen und Verweilen sein.

Die Debatte über die Zukunft des Verkehrs in der Hofheimer Altstadt ist heute deutlich weiter als noch vor wenigen Jahren. Die Bürgerbefragung zeigt, dass für viele politische Veränderungen in die richtige Richtung eine breite Unterstützung vorhanden wäre. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht mehr, ob etwas passieren soll – sondern ob die Politik endlich den Mut hat, aus Zustimmung Entscheidungen zu machen.

Quelle: Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt

© 2025 Hofheim-News | IMPRESSUM | DATENSCHUTZERKLÄRUNG